Ein Besuch

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Der Besuch


Gut Pergelgrund, Boron 1031 BF

Es war einer dieser typischen verregneten Borontage. Hainrich hatte den Tag über auf dem Gut zu tun gehabt und völlig durchnässt und verfroren nach Hause gekommen. Nun saß er in eine frische Toga gehüllt vor dem offenen Kaminfeuer, während sein Weib, Aerin, den kleine Bogomil an ihrer Brust nährte. Seine Schwiegermutter, die alt Firla Schnewlin, saß ebenfalls nahe am Feuer und war mit Stickereien beschäftigt. Trotz des Wetters war es ein schöner Abend und langsam machte sich bequeme Müdigkeit bei Hainrich breit.

Aus dem Grau der Regenschleier und dem dunklen Waldrand erschien die Gestalt des Reiters fast wie ein Geist aus dem Nichts. Die Kapuze seines grauen Umhanges hatte die Gestalt tief ins Gesicht gezogen. Kurz bevor sie das Tor Pergelgrunds erreichte, öffnete sich dieses und ein bewaffneter Mann trat hervor. „Sei gegrüßt, Reisender. Erkläre dich, was ist dein Begehr?“

Der Reiter richtete seinen Oberkörper auf, so dass er dem Wächter ins Gesicht schauen konnte. Dabei öffnete sich sein Umhang wie zufällig und gab einen Blick auf seine Brust frei.

„Verzeiht, hoher Herr, ich habe…der Regen, man konnte…“ stammelte der Wächter plötzlich und wurde unruhig.

„Du bist der Wächter dieses Tores. Wie schlecht wärest du für diese Aufgabe geeignet, wenn du jedem Reisenden ohne Misstrauen begegnen würdest. Aber jetzt lass mich rein und führ mich zu deinem Herren.“ Antwortete ihm eine sanfte Stimme durch den Regen.

Hainrich fielen die Augen zu und sein Kinn fiel ihm auf die Brust. Dann schreckte er plötzlich hoch, als sich die Tür zu seiner Halle abrupt öffnete. Es war die Torwache, die eintrat „Herr, ein Besucher wünscht euch zu sehen. Er bittet um Unterkunft für die Nacht.“ Dabei huschte sein Blick mehr zu der alten Firla, als zu Hainrich. Dies blieb diesem nicht verborgen und sein Gesicht verzog sich ungnädig. Immerhin war er schon einige Zeit hier und die Geschicke des Gutes waren ihm spätestens seit seine Frau schwanger ging übertragen worden. Dennoch schien dieser Kerl seiner Schwiegermutter mehr Respekt entgegen zu bringen.

Gerade wollte Hainrich zu einer Antwort ansetzen, als die Tür erneut aufging. Mit großen Schritten betrat eine hochgewachsene Gestalt den Raum. Kaum innerhalb der warmen Stube, streifte der Fremde den durchnässten Umhang ab und gab somit den Blick auf seine Erscheinung frei. Und diese war wahrlich nicht gewöhnlich. Er war hochgewachsen und von schlankem Wuchs. Glattes, silbergraues Haar hing halblang bis fast auf die Schultern und verhüllte teilweise das Gesicht. Was Hainrich sofort auffiel, waren die großen wasserblauen Augen, die ihn fixierten und von denen er sich kaum abwenden konnte. Die ungewöhnlich glatten Gesichtszüge machten es kaum möglich, ein Alter zu schätzen. Auch seine Kleidung war auffällig. Er trug einen blauen Wappenrock, auf dem ein weißer Schwan abgebildet war. Darunter trug er offenbar einen Lederharnisch aus hellem, fast weißem Leder. Aus demselben Material waren auch Arm- und Beinschienen gefertigt. Am Auffälligsten jedoch war ein schwerer Umhang, den er unter dem wollenen Regenschutz trug, auf den Schultern, der fast bis zum Boden reichte und ganz aus weißem Pelz bestand.