Aus der Not geboren - Auf Gut Pergelgrund


Rittergut Pergelgrund, Dergelquell, Travia 1033 BF

Emmerich rieb sich seine müden, von dunklen Ringen gezeichneten Augen. Er legte seinen Kopf in den Nacken und blickte suchend in den dämmrigen Morgenhimmel. Seit der entsetzlichen Niederlage der Heldentrutzer Ritterschaft gegen den Drachen Feracinor und immer mehr Berichten über dessen angebliche Umtriebe in den Baronien entlang des Finsterkamms, war auch er als gelegentliche Torwache von Ritter Hainrich von Gugelforst zu noch größerer Vorsicht aufgerufen worden. Sinnierend ließ der junge Bursche seinen Blick über die rohen Holzhäuser und Hütten Pergelgrunds schweifen; vereinzelt sah er schon einige der Dörfler ihrem Tagwerk nachgehen – so wurden bereits Schafe auf die Weide vor das Dorf getrieben, der Schmied feuerte seine Esse an und auch in den vielen Kräutergärten der ansässigen Bauern herrschte bereits reger Betrieb. Sein Blick blieb am schwer befestigten Gutshaus der Pergelgrunder Ritter hängen, von welchem sich drei Reiter lösten. Mit zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen erkannte er Ritter Hainrich von Gugelforst, gerüstet in ein langes Kettenhemd und stählerne Arm- und Beinschienen unter seinem von der Sonne ausgezehrten Wappenrock auf seinem edlen schwarzen Schlachtross. Flankiert wurde er vom Waffenknecht Rulman und dem Jäger Ragnir, die sich gemeinsam mit ihm der Palisade des Dorfes näherten.

„Rondra zum Gruße Herr“, grüßte Emmerich den Ritter und deutete dabei eine knappe Verbeugung an. Hainrich jedoch erwiederte diesen Gruß nicht, sondern blickte unentwegt zum nahen Waldrand. „Sag an, gibt es etwas Neues von draußen?“ Fragte der Ritter von Pergelgrund und deutete mit einem leichten Kopfnicken hinaus vors Dorf. „Nein Herr keine besonderen Vorkommnisse.“ Der Ritter nickte knapp und wandte sich nun erstmalig dem jungen Knecht zu. „Wir brechen zu unserem Kontrollritt auf. Rulman wird dich nach unserer Rückkehr ablösen.“ Der Ritter fuhr sich mit seiner Rechten durch sein braunes Haar und ritt mit seinen beiden Begleitern von dannen.

Der junge Emmerich blickte den Reitern nur kurz nach, dann wurde seine Aufmerksamkeit von etwas anderem in Anspruch genommen. Die hübsche Magd Birsel, die ihren Dienst im Gutshaus verrichtete, war gerade damit beschäftigt für ihre schwangere Herrin Aerin frisches Wasser vom Dorfbrunnen zu holen. Der junge Knecht sah sich nach Birsel um und lief rot an, als sie ihm eine Kusshand schickte. Emmerich war gerade zu vernarrt in die junge blonde Frau mit den grünen Augen. So vernarrt, dass er für ein kurzes Lächeln seiner Angebeteten sogar seine Pflichten vernachlässigte und den Himmel für einige Momente unbeobachtet ließ...


Zur selben Zeit in der Halle des Gutshauses

Aerin blickte lächelnd auf den kleinen Bogumil. Ihr Erstgeborener saß vor ihr auf dem Boden der Halle und spielte mit einem kleinen, geschnitzten Holzpferd. Sie war stolz auf ihren Sohn – er entwickelte sich prächtig und war noch dazu ein kräftiges, aber dennoch sehr ruhiges Kind. Die Ritterin streichelte sich über ihren runden Bauch.

„... und bald bekommst du ein kleines Brüderchen oder Schwesterchen ...“, sprach Aerin in mildem Ton mehr zu sich selbst, als zu ihrem anwesenden Sohn. Einige Schritt neben Bogumil saß Alanel, der Bastardsohn ihres Gemahls mit einer Elfe Ohaia aus der Sippe Valbornfûrn. Aerin verachtete dieses Spitzohr ebenso, wie sie anfangs dieses Balg verachtete. Doch inzwischen war einiges an Wasser den Pergel hinabgeflossen und sie litt die Anwesenheit Alanels, auch wenn sie es eben nicht gern sah, dass die beiden miteinander spielten.

„Birsel bitte sei doch so gut und bringe mir etwas Kräutertee.“ Aerin wandte sich an ihre junge Magd, die neben ihr saß und gerade damit beschäftigt war eine Hose zu flicken. „Ja Herrin.“ Mit flinken Schritten huschte die hübsche Magd mit einem Holzeimer aus der Halle zum Dorfbrunnen, um etwas Wasser für den Tee zu holen. Aerin blickte ihrer Magd einige Momente lang nach, dann wandte sie sich lächelnd wieder ihrem Sohn zu. Einige Momente vergingen, als die familiäre Idylle durch den langgezogenen Ton des Signalhornes gestört wurde ...