Aus der Not geboren - Zurück in Pergelgrund


Rittergut Pergelgrund, Dergelquell , Boron 1033 BF

Ailfir tätschelte beruhigend den Hals seines treuen Rosses. Trotz der kühlen Temperaturen, die im Boron im Schatten des Finsterkamms herrschten, war dieser schweißnass. Der junge Ritter versuchte nach seiner Begegnung mit der sogenannten Orkenschädelbande und der erfolglosen Suche in der Nähe Radbruchs so schnell wie möglich nach Pergelgrund zu kommen. Dabei ritt er beinahe sein Pferd zu schanden. Erst als er den Dorfanger erreichte, ließ er seine Nordmähne in den Schritt fallen.
Pergelgrund präsentierte sich wie immer wenig einladend und beeindruckend; umgeben von einer Holzpalisade reihten die heruntergekommenen, mitleidserweckenden Katen der Bauern und Viehzüchter aneinander. Vereinzelt geschwärzte und notdürftig ausgebesserte Mauerstellen zeugten von so manchem Kampf in näherer Vergangenheit. Menschen sah Ailfir an diesem Tag jedoch nur wenige im Dorf. Die die er sah begrüßten ihn jedoch herzlich, doch hatte er keine Zeit längere Gespräche mit ihnen zu führen. Sein Ziel war das, am höchsten Punkt des Dorfes gelegene und von einer weiteren, massiveren Palisade umgebene Gutshaus der Ritter von Pergelgrund…


Im Gutshaus

Aerin Blaubinge von Pergelgrund saß in ihrem abgewetzten Ledersessel und beobachtete sinnierend das Feuer des nahen Kamins. So fiel es ihr erst gar nicht auf, dass sich von der Tür der Halle eine weitere Person näherte. „Na Schwester? Ich denke du schuldest mir einige Antworten…“ Wie von einer Maraskantarantel gebissen schrak sie hoch und blickte in das, vom scharfen Ritt mit einigen Matschspritzern bedeckte Gesicht ihres jüngeren Bruders.

„Ailfir!“, sagte sie erfreut und nahm ihn sogleich in die Arme, ließ jedoch sogleich von ihm ab, als sie seine Körperspannung bemerkte. „Ach komm mir nicht so Aerin. Ich weiß welchen Orkendreck du und Hainrich in Herzöglich Weiden treibt.“, erklärte der Ritter in leicht gereiztem Ton. „Ach, du Narr weist gar nichts!“, knurrte Aerin zurück. Sie entfernte sich einige Schritt von ihrem Bruder, dann fuhr sie fort; „der Winter steht vor der Tür und wir haben mit Angriffen des Drachen zu kämpfen, die uns einen guten Teil unseres Viehbestandes gekostet haben. Wie soll ich denn sonst meine Schutzbefohlenen durchbringen?“ „Nun es werden sich andere Möglichkeiten finden. Der Graf oder Waltha…“ „Interessiert unsere Situation nicht.“, unterbrach sie ich ihn forsch. „Nun ja Leufels würde vielleicht sogar helfen, wenn er nicht selbst am Hungertuch nagen würde. Es ist ausweglos.“ „Ja aber…“ „Nichts aber, es geht nicht anders. Die Geschichten, die bei euch kursieren sind von uns selbst in die Welt gesetzt worden. Niemand wird zu Schaden kommen und niemandem wird seine ganze Habe und Lebensgrundlage geraubt. Es wird nicht geplündert, oder geschändet. Hainrich hat mir sein Wort gegeben“, fügte sie in verzweifeltem Ton hinzu.

Ailfir schluckte, dann schritt er zu seiner Schwester und nahm sie tröstend in den Arm. „Sollte ich etwas für euch tun können, sage es mir“, flüsterte er in ihr Ohr. Aerin wandte sich daraufhin mit einem leichten Lächeln zu ihm um: „Nun ja es gibt da schon etwas wie du uns helfen könntest.“ Auf den fragenden Blick ihres Bruders hinauf fuhr sie fort. „Nun ja, du bist ja immer noch unverheiratet und ich stehe schon längere Zeit mit der Ritterin Rovenna Hartungen-Düsterfurt aus Weidenhag in Kontakt, die ernsthaftes Interesse daran zeigt, dich zu heiraten. Die Familie dieser Ritterin ist recht wohlhabend und besitzt eine große Herde und sogar eine eigene Kornmühle am Pergelbach.“

Ailfir stieß einen lauten Seufzer aus, doch Aerin ließ sich dadurch nicht bremsen. „Sie sicherte mir einige Tiere und Lebensmittel zu, solltest du einwilligen.“ Das Gesicht des Angesprochenen wurde von einen auf den anderen Herzschlag aschfahl. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass seine Schwester genau diesen Gesprächsverlauf herbeiführen wollte. Wieder hatte ihn diese Füchsin hineingelegt und vor eine Entscheidung gestellt, die er eigentlich nur nach ihrem Willen treffen konnte.