Das Mägdelein bei den Weiden

Ein Märchen aus der Grafschaft Baliho

Es war einmal, vor langer Zeit, als Bosparans Türme noch dräuten, in dem Weiler Auen ein Diener des Herrn Efferd, der da hieß Yann. Yann verehrte den Herrn der Winde und der Wasser auf die alte Weise und gab den Quellnymphen und Flussgeistern, was ihnen als Statthaltern des Brausenden rechtens zukam. So inbrünstig war sein Glaube und so vollkommen seine Harmonie mit der Natur, dass es der Hüterin des Sees selbst, der Fee Pandlaril, eine rechte Freude war.

Eines Nachts, so sagt man, soll sie Yann daselbst mit auf ihren nebelumwallten Sitz am Gestade des großen Sees genommen haben, auf dass er ihrem Gesang lausche, und es heißt weiter Yann sei bislang der einzige Mensch, der dem ewigen Lied lauschen durfte. Oh ja, sie muss ihn geliebt haben. So schenkte sie ihrem Auserwählten auch eine wunderbare Kappe aus fünf wasserklaren Aquamarinsteynen als Zeichen ihrer ewigen Liebe.

Doch in jenen Tagen waren die Bürger Auens verbohrt und verblendet, denn sie kamen aus dem vieltürmigen Bosparan und wussten nichts von der Harmonie von Göttern und Natur, nichts von der Fee und ihrem vielgestaltigen Gefolge. Stattdessen hatten sie einen neuen, brausenden Wind mit sich gebracht, einen Wind der salzig schmeckte und vor dem die uralten Weiden zu Tausenden fielen. Denn der Efferd, den sie kannten war der Herr aller Meere, ein launenhafter und gnadenloser Herr, der keine Statthalter in Seen, Flüssen und Bächen duldete. Dieser Efferd fegte nicht mehr auf Sturmwinden über den Himmel und brüllte den Quellnymphen und Wassermännern von ferne zu, wie sie seine Gebote zu befolgen hätten. Nein, er war höchstselbst in jedem Brunnen, jeder Pfütze, jedem Glas Wasser, das die törichten Auener tranken.

So mieden sie zusehends die uralten Gebetsstätten für den Windherren und seine Quellgeister in den lichten Hainen. Stattdessen bauten sie Efferd ein steinernes Haus, in dem Yann den neuen Glauben predigen sollte. Als er sich weigerte, richteten sie ihn hin. Mächtig schwang der Henker sein Beil und ließ es geradewegs auf den Schädel des Geweihten herabsausen, so dass die kostbare Haube aus Aquamarinen in tausend Splitter zersprang. Da er jedoch ein Geweihter der Zwölfe gewesen, befiel die Bürger bald ein heimliches Grauen und sie brachten ihn zu einer alten Kultstätten im Wald, um ihn dort zu bestatten. Einen mächtigen Scheiterhaufen schchteten sie auf, auf den sie Yann betteten. Alllein, die Scheite wollten nicht brennen, so sehr die Auener sich auch abrackerten.

Da erkannte plötzlich einer mitten unter den schwarzen Klagefrauen eine schneeweiße Gestalt, tief verschleiert, die ihre Hände inbrünstig jammernd empor gewunden. Die, neben welchen sie stand, kam ein heimliches Grauen an, sie wichen zurück oder seitwärts, durch ihre Bewegung die andern, neben die nun die weiße fremde zu stehen kam, noch sorglicher erschreckend, so dass schier darob eine Unordnung entstand. Einige Kriegsleute waren so dreist, die Gestalt anzureden, aber denen war sie wie unter den Händen fort und ward dennoch gleich wieder mit langsam feierlichem Schritte unter dem Leichengefolge gesehen. Dies war den Menschen derart unheimlich, dass allesamt gemeinsam auf die Knie niedersanken, um zum Herrn Efferd zu beten. Und da man sich wieder erhob, war die weiße Fremde verschwunden.

An der Stelle neben dem Scheiterhaufen aber, wo sie gestanden hatte, entsprang ein silbernes Bächlein dem Waldboden, das rieselte und rieselte fort, bis es den Scheiterhaufen ganz umzogen hatte. So bitterlich weinte die Fee Pandlaril um ihren Herzliebsten, dass ein barmherziger Erdgeist sich erbarmte und dem Geweihten ein steinernes Grabmal aus blauem Stein schuf, um seine Gebeine darin zu bergen. Und aus der Spitze des über und über mit Muscheln bedeckten Blauen Turms quellen noch heute tagaus tagein Pandlarils Tränen, denn während sie jede Nacht getreulich ihrer Pflicht nachkommt und wie seit Menschengedenken auf ihrem Sitz am Pandlarin singt und mit ihrem Gesang Zauber webt, um den Schrecken im See zu bannen, sitzt sie jeden Tag von Sonnenauf- bis -untergang an dem stillen, von mächtigen Trauerweiden umgebenen Weiher, den ihre unaufhörlichen Tränen um den blauen Turm gebildet haben.

Aus diesem Grund nennt man das Gebiet, das den Turm heute umgibt, und dessen Zentrum der stille Weiher ist, auch das Trauermoor. Denn während den Wanderer tagsüber dort nur eine unbezähmbare Melancholie befallen mag, so ist ein Besuch bei Nacht tunlichst zu unterlassen. Denn wenn die gütige Fee des nächtens nicht da ist, dann steigen dunkle Nebel von den Wassern auf und umfangen den Wanderer, und Irrlichter treiben ihr boshaftes Spiel.

Den törichten Auenern aber ließ Pandlaril ihren gerechten Lohn zu Teil werden: Noch am selben Tage versiegten alle Brunnen in ihrem Weiler und beim Nachgraben fand man nur einen Aquamarinstein, so klar wie einer von denen aus der zersprungenen Haube des Priesters. Und als man den Flecken schließlich verlegte, versiegten bald darauf auch die neuen Brunnen. Wiederum war beim Nachgraben kein Wasser zu finden, sondern nur ein Aquamarin. Und so sollte es noch drei weitere Male gehen, bis die fünf Steine der Haube wieder beisammen waren.

Die inzwischen aus Schaden klug gewordenen Auener fügten die Haube wieder zusammen und hielten sie seitdem in Ehren - und siehe, seitdem sprudeln die Quellen so wie sie es sollen, und die Auener folgen als einzige noch dem alten Weg und halten Freundschaft mit den Wassergeistern. Allerdings ist der Verstand des Geweihten, der jeweils zum Träger der Haube erkoren wird, von dem Augenblick, da er sie aufsetzt, verdunkelt und sein Temperament so wankelmütig, wie das des stürmischen Efferd selbst. Dies sei den Auenern ewige Mahnung, wie eng ihr Schicksal an das der Haube geknüpft ist, und Zeichen der Macht Pandlarils.

Bejubelt unseren Retter

In einer Stadt am Großen Fluß,
da herrscht Jast Gorsam, großer Mann.
Auf Weidner Land setzt er den Fuß,
von Menzheims Au bis zum Blautann.
 
Refrain:
Bejubelt unseren Retter, denn was bleibt uns schon.
Laßt uns preisen den schönsten Tag,
an dem er uns presste in seine Fron,
mit seinem Schandvertrag.
 
Als edler Ritter zog er in den Krieg,
auf seines Pferdes Hufen.
Gegen Baeromar, den wir fast besiegt;
wer hat Nordmarken gerufen?
 
Refrain
 
Er ist ganz Sieger auf dem Pferd.
Gegen Baeromar, der bei uns hauste.
Er führt auch noch das Reichsrichtschwert.
Doch wir sind's, auf die's niedersauste.
 
Refrain
 
Zu unsrem Schutze, was für Ehr'
seine Heerschar noch lang bei uns ist.
Und sicher fühlten wir uns sehr,
solang' sie uns das Korn wegfrißt.
 
Refrain
 
Und dafür daß sie abzieh 'n müssten,
gab man vieles ihnen in die Hand.
Uns können sie nicht weiter schützen,
viel Gut dafür aus unsrem Land.
 
Refrain
 
Voll Tränen waren die Augen mir,
als abzog Jast Gorsams Heeres Rest.
Doch ließ er uns das Vertragspapier,
hört, wie er uns sich danken läßt.
 
Refrain
 
Geht Ihr nach Trallop dieses Jahr,
seht Ihr die Statue, oh wie hold,
gleicht dem Nordmärker bis auf Haar,
der unser Land besetzen wollt'.
 
Refrain
 
Zum Spottpreis kauft er unsre Rinder,
was brauchen wir Fleisch, jetzt haben wir Geld.
Im Winter sterben unsere Kinder,
vor seinem Bildnis. unserem Held.
 
Refrain
 
Vom Erze leer sind unsre Minen,
denn Jast gehört das Erz im Berg.
Die Bergleut' sicher gern ihm dienen,
mit ihrem ganzen Tagewerk.
 
Refrain
 
Und wie wir bedauern Hardenfels' Mord,
der ankam mit Rittern und Lanzen-
Wir spucken auf seinen Begräbnisort,
auf seinem Grab wir tanzen!
 
Refrain
 
Laßt uns ihm danken mit ganzem Herzen,
für alles Gute, was er uns getan.
Als er ging, weinten wir vor Schmerzen,
um unsren Retter, Jast Gorsam!

von Christoph Pilger



Der Wildschütz Beon

Der Wildschütz Beon war ein Mann
von seltenen Geistesgaben;
doch wandte er sie immer an
der Menschheit nur zum Schaden
 
Zu Steinbeck im weidenschen Land,
da ward er einst geboren;
sein Name klingt am Rathilstrand
noch in vieltausend Ohren.
 
Schon frühe zeigt er viel Begier
zum Schießen und zum Jagen.
Er schwärmt in dem Forstrevier
umher in ganzen Tagen.
 
Nahm in dem Dohnweg Vögel aus,
verübte machen Schaden
und kehrte abends dann nach Haus
mit Beute reich beladen.
 
Nach mehren Jahren glückt es dann,
zur Haft ihn einzubringen
in Beonspfort. Doch er entrann
auch hier, trotz eisern Schlingen.
 
Ein Steckbrief ward ihm nachgesandt,
den achtet er geringe
und trieb im Menzenheimer Land
nur bunter drum die Dinge.
 
Bald war er hier, bald war er dort,
man konnte ihn nicht fahen.
Er wechselte gar oft den Ort,
wenn er Gefahr sah nahen.
 
Bald war er an der Kevûn Strand,
nahm Hirsch und Reh ins Ziel,
bald trieb er im Tralloper Land
es wahrlich gar zuviel.
 
Er richtete viel Schaden an
in gräflichen Revieren,
darob nun jeder Jägersmann
sich legte aufs Vigilieren.
 
Es glückte auch, bei Auenburg
den Listigen zu fangen,
doch brach er seine Ketten durch
und seines Kerkers Stangen
 
Von neuem schoß er Wild auf Wild
mit niederhöllschem Grinsen;
die Gegend ward von Schreck erfüllt
bei Balsaith und bei Winsen
 
Zuletzt ward er mit Macht gehetzt
von Jägern und Soldaten,
und so wußt er zu allerletzt
nicht anders sich zu raten,
 
als hin nach Elberum zu fliehen,
sich auf ein Schiff verdingen
und auf nach Maraskan zu ziehen;
dies sollt ihm auch gelingen.
 
Hier kaufte er sich Äcker an
im Schutze großer Wälder,
baut sich ein Haus, bestellte dann
mit Korn die eignen Felder.
 
Doch plötzlich einst in schwarzer Nacht
ward von den wilden Horden
sein Haus mit Flammen angefacht!
Man kam, um ihn zu morden.
 
Den Beon trifft der Keule Schlag,
er sinket hin mit Beben.
Für ihn wird es nun nicht mehr Tag,
aus ist sein ruhlos Leben.
 
O Menschen, wandelt jederzeit
den Weg der reinsten Tugend,
folgt dem Gesetz der Obrigkeit
und lehrt dies auch der Jugend.

von Sven Kühnel



Die Nordmärker Skützen

Zu siebzig da zogen die nordmärker Skützen
Nach Tobrien hinein um das Mittelreich zu schützen.
 
Refrain:
Und zum Truderidera, und zum Truderidera
und zum Truderidera, die Nordmärker die sind da.
 
So zogen sie lustig und guter Stücken
Von Gratenfels nach Angbar und von dort nach Steinbrücken.
 
Refrain
 
Und als sie dann kamen durch das hohe Korn,
da hatten 'se schon ihre Fahne verlorn.
 
Refrain
 
Mensch, hat denn keiner den Wunnemar gesehn,
man weiß ja gar nicht wohin der Weg tut gehen!
 
Refrain
 
Und als sie dann kamen in die Gareth-Stadt
da bekiekten se die Fraun und warn völlig platt!
 
Refrain
 
Als sie da kiekten und hoch dann sprangen
war Weisepreins Alrik schon ein Schuss losgegangen!
 
Refrain
 
Und als sie dann kamen nach Darpatien hinein,
da kehrten sie erstmal bei den Rabenmunds ein.
 
Refrain
 
Und als sie dann kamen in die Stadt Auen,
da ham se statt andre, erstmal sich selber verhauen!
 
Refrain
 
Die Nordmärker schießen so ins Blaue hinein,
die bedenken wohl gar nicht, das da Leut könnten sein.
 
Refrain
 
Und bei der Auener Befreiungsschlacht,
da hätten sie beinah nen Gefangenen gemacht!
 
Refrain
 
In ihrer geraubten Festung war's ja doch ganz schön,
da konnte man den Feind durch diese Gucklöcher sehn.
 
Refrain
 
Und schlich sich mal so ein Feind herein,
dann konnte man noch schnell um Hilfe schrein!
 
Refrain
 
Und als sie dann kamen an den Pandlaril,
da tummelten s' sich mit den weidner Mädchen so viel!
 
Refrain
 
Und als sie marschierten durch das Balihoer Tor,
da flüsterten sich die Leute ganz leise was ins Ohr:
 
Refrain
 
Sie dachten dat wären die gräflichen Schützen,
von wegen ihrer braunen Striemen inne Büxen.
 
Refrain
 
Vor Trallops Toren schlug man die Falken krumm,
doch die Nordmärker, die standen bloß dumm rum!
 
Refrain
 
Und als sie dann zogen nach Tobrien hinein,
da tat der Krieg längst zu Ende schon sein!
 
Refrain
 
Da kippten se sich erstmal gewaltig einen rein,
und gründeten nen Nordmärkergedenkverein!

von J. A. Klingsöhr
 



Weidens Opfergang

Der Klang des Horne Fantholi erschallt von nah und fern,
man spricht von einem Heerzuge und Rache für den Bärn.
So Mut, los Weidner, rafft Euch auf, Ysilia ist das Ziel,
für Tobriens Freiheit streiten wir, der Ehre wird sein viel.
 
Refrain:
Oh, Weiden, los,
für Tobrien zu streiten ein Muß.
Die Herzogin befiehlt es,
Frau Rondra, ja die sieht es,
los - kommt.
 
So wetz' denn jeder Kling und Schwert und kommt mit nach Salthel,
ruft der Baron zu seinen Mannen, die Wehr erhebt sich schnell.
Im Phexe 28 dann, das Herr beginnt zu ziehen,
Oh meine Liebste werden wir uns jemals wiedersehen?
 
Refrain
 
Doch auf dem Sichelstieg, oh weh, der Opfergang begann,
als man etwas am Himmel sah, das immer naher kam,
ja Lessankan der Güldne wars, des Apeps einzger Sohn,
in des Bethaniers Diensten stand, nun fordert blutgen Lohn.
 
Refrain
 
Den Sichelstieg überzog der Drach' mit einem See aus Blut,
kaum jemand konnte etwas tun gegen des Geschuppten Wut,
so blieb allein die Flucht nach vorn, hinab ins Tal hinein,
die Freunde tot, das Heer verstreut, oh Götter, darf das sein.
 
Refrain
 
Im Schreckensland die Hoffnung keimt, das Heer formiert sich neu,
die Rhodensteiner hört man sagen, "der Herzogin die Treu",
so führt uns unserer Weg nun tiefer ins verderbte Land,
mehr Schrecken seh' ich als gewollt, mehr denn ich je gekannt.
 
Refrain
 
Den Kleinwardstein im Süden haben wir uns auserkorn,
als Bastion im Feindesland, ein Heim für die Verlorn,
doch wehet auf der trutzgen Burg uns allen hier zum Hohn
in luftger Höh' auf blutgem Grund die schwarze Höllencron.
 
Refrain
 
Nach all der Mühe am Horizont, Ysilias finstrer Wall,
"Nur Mut ihr tapfren Weidener", mahnt uns der Herr Marschall,
so legen wir die Lanzen an, ein Gebet gen Alveran,
wir bitten Euch, Oh Himmlischen, nehmt unser Opfer an.
 
Refrain
 
Vor der Schwarzen Capital' entbrennt alsbald die große Schlacht,
als geballter Glaube an die Zwölf prallt auf Dämonenmacht,
gar viele seh ich bleich vor Schreck, verloren ist ihr Mut,
getaucht schon bald das Schlachtfeld rot von tapferen Weidner Blut.
 
Refrain
 
Dreitausend Mannen zogen aus wider Nandus finstren Sohn,
doch alleine Borons Gnade winkte ihnen hier als Lohn,
Oh, Weiden, Du mein Heimatland, welch Opfer Du gebracht,
sind fort nun deine Tapfersten, der Bär zu Fall gebracht.

von Lars Blumenstein
 



Für Weiden

Hört der Rösser eifrig schnauben
Hört der Rüstung eisern Sang!
Hoch die Zwölf, an sie wir glauben!
Hoch lieb Weiden! Und voran!
 
Refrain:
Für Weiden wir streiten,
für Rondra wir Reiten,
Brüder, voran! Brüder voran!
 
Altes Blut fließt in jungen Adern,
fließt für alte Ehr und Pflicht
Fern sei Zaudern uns und Hadern,
Schande, wer den Eide bricht!
 
Refrain
 
Niemals, niemals sollen fallen
Unsre Farben grün und weiß
Hört Fantholi laut erschallen
Bringt Eure Treue im Beweis!
 
Refrain
 
Für die Bärin wolln wir streiten
Mit wacker Herz und festem Tritt,
drum laßt beben nun die Weiten
unter unsrem mächtig Schritt
 
Refrain
 
Für das hohe Recht des Blutes
Folgen wir der Zwölf Gebot
Bringen Frevlern frohen Mutes
Ihr Gericht und ihren Tod.
 
Refrain
 
Wie die Nacht dem Licht muß weichen
Flieht das Böse unsre Bahn
So reiten wir im Bärenzeichen
Stolz und wehrhaft stets voran!

von Martina Nöth



Ritter sein

Ritter sein, wenn der Herold lädt
zur großen Herzogen-Turney.
In rauhen Mengen fließt der Met
und lieblich klingen die Schalmei'n.
Ritter sein, wenn die grünen Schleier
von Trallops Mauern grüßend weh'n:
Das ist des Daseins schönste Feier!
Oh, lass sie nie zu Ende geh'n.
 
Ritter sein, wenn die Humpen kreisen,
in lieberschloss'nem Freundesbund
von alter Treue bei den Weisen
der Väter jauchzt der junge Mund.
Ritter sein, wenn die Herzen freier
auf der Begeist'rung Höhe stehen:
Das ist des Daseins schönste Feier!
Oh, laß sie nie zu Ende geh'n.
 
Ritter sein, wenn zwei Augen locken,
ein süßer Mund verschwiegen küßt,
daß jählings alle Pulse stocken,
als ob im Rausch man sterben müßt'.
Ritter sein, in der Liebe Morgen,
wenn jeder Wunsch ein frommes Flehn:
Das ist das Leben ohne Sorgen!
Oh, lass es nie vorübergehn!
 
Ritter sein, wenn die Hiebe fallen
im scharfen Gang, der selbst gewählt,
im blut'gen Aneinanderprallen
der Mut sich für das Leben stählt.
Ritter sein, wenn dein einzig Sorgen,
ob fest und tapfer du wirst stehn:
An deines Lebens Wagemorgen,
oh, lass die Zeiten nie vergehn!
 
Ritter sein, wenn im Abendschatten
dein Weg sich sacht schon niederneigt,
von West die Schar der Wolkenschatten
schon vor das Blau des Tages steigt.
Ritter sein, wenn der Sang verklungen,
der deinem Lenz einst Flügel lieh
und jung du trotzdem mit den Jungen,
dann war es recht, dann stirbst du nie.

Irdische Vorlage: "Student sein wenn die Veilchen blühen"
von Josef Buchhorn
 



Im Schwarzen Ochsen zu Baliho

Im Schwarzen Ochsen zu Baliho,
da trank ein Mann drei Tag.
bis dass er steif wie ein Besenstiel
am Marmortische lag.
 
Im Schwarzen Ochsen zu Baliho,
da sprach der Wirt: "Halt an!
Der trinkt von meinem Gerstensaft
mehr als er zahlen kann."
 
Im Schwarzen Ochsen zu Baliho,
da bracht der Schankmaid Schar
in Keilschrift auf sechs Ziegelstein'
dem Gast die Zeche dar.
 
Im Schwarzen Ochsen zu Baliho,
da sprach der Gast: "Oh ach!
Mein ganzes Geld hab' ich verprasst
in Trallops Norderwacht!"
 
Im Schwarzen Ochsen zu Baliho,
da war's der Stund halb vier,
da warf der Knecht aus Andergast
den Fremden vor die Tür
 
Im Schwarzen Ochsen zu Baliho
wird kein Prophet geehrt,
und wer vergnügt dort leben will,
zahlt bar, was er verzehrt.

Irdische Vorlage: "Im schwarzen Walfisch zu Askalon"
von Josef Viktor Scheffel



Schweig still, mein Kind!

Still! Schweig mein Kind!
Hör auf zu weinen, beginne zu lauschen!
Hörst Du nicht der Flügel so zärtliches Rauschen?
Im Wind?
 
Still! Sieh dort, ganz verborgen!
Traurig und leise die Nachtigall singt!
Mit blutendem Herze ihr Liede erklingt! -
Es graut der Morgen!
 
Still! Alles wird gut!
Wo Deine Träne zu Boden gefallen,
Da blüht eine Lilie, die schönste von allen,
auf dunklem Blut.
 
Still! So kalt fällt der Regen!
Doch hinter dem Hügel liegt rot auf der Lauer
Der glühende Morgen, zu schmelzen die Trauer!
Sieh ihm entgegen!
 
Still! Die dunkle Nacht zerbricht!
Spüre, mein Herz, die Wärme, den Frieden!
Bald wird ein anderer im Arme Dich wiegen
vergiss mich nicht!
 
Still! Schweig still mein Kind!
Hör auf zu weinen, beginne zu lauschen!
Hörst Du nicht der Flügel so zärtliches Rauschen?
Im Wind? Im Wind!

von Martina Nöth



Der Bär von Weiden

Im Weidener Lande herrscht Waldemar,
Und er herrscht nun schon an die vierzig Jahr
Dort, auf dem stolzen Pandlarilthron.
Von Herrn Wallfried hat er die Herzogenkron.
Über Baliho, Bärwald und Sichelwacht,
Die rauhen Lande der Mitternacht,
Hält der Herzog die schützende Wehr,
Und sie nennen ihn den Weidener Bär.
 
Auf der Bärnburg zu Trallop sitzt Waldemar,
Im Firunsfellmantel, lockig sein Haar,
Er blickt aus dem Fenster, das Land liegt im Schnee,
Er blickt über Trallop, hinaus auf den See.
Auf Weiden schaut er, der Väter Land,
Und ballet drohend die mächtige Hand:
Denn ferne erkennt er mit runzelnder Stirn,
Wie schwärzliche Wolken im Osten irrn,
Sie ziehen und drängen sich über den Berg,
Es blitzet und donnert durch finsteres Werk.
 
Da naht ihm Walpurga im Mantel rot
Und meldet dem Vater die furchtbare Not.
So spricht die Tochter, die wackere Maid:
"In Tobrien herrschen der Tod und das Leid.
Verloren die Reiche der Nachbarschaft,
Die Edelsten längst schon dahingerafft:
Gefallen der Herzog bei Eslamsbrück,
Gefallen Yppolita gleichem Geschick,
Gefall’n Efferdane von Ehrenstein,
Gefallen so viele aus unseren Reih’n,
Gefallen manch einer aus Ysiliens Saal -
Gefallen auch Dietrad, mein Ehegemahl..."
 
Und Waldemar in die Runde blickt,
Von Wut und Sorge tief bedrückt,
Und donnert laut, es hallt durch das Schloß:
"Auf, rüstet ein starkes Heer und den Tross!
Ich stritt gegen Orken stets ohne Scheu
Und hielt dem König seit jeher die Treu,
Dämonenknechte schrecken mich nicht -
Wir ziehn ihre Horden vor Praios Gericht!
Und nimmer, solange auf Deren ich bin,
Kämpft ohne Weiden der gute Herr Brin."
 
Und schweigend umarmt ihn Frau Aralzin,
Die schöne und weise Herzogin;
Sie selbst reicht ihm Windsturm, die Klinge sein
Und kleidet ihn in den Waffenrock ein.
Dann nimmt er Abschied von seinem Glück:
"Bete zur Leuin, bald kehr ich zurück!"
Sie blickt aus dem Fenster, er jaget davon,
Sie eilt raschen Schrittes auf den Balkon
An ihrer Seite ein Knabe steht,
Der Wind durch Jung-Arlans Haare weht.
"Dein Großvater reitet zu neuer Schlacht -
O Göttin, wird er uns wiedergebracht?
 
Der Praiosscheibe goldener Schein,
Spiegelt sich hell auf den Heeresreihn,
Auf Schilden und Brünnen und rundem Visier,
Auf Panzer und Harnisch, auf Fahn’ und Panier.
Es dröhnet die Erde, als Waldemar naht,
Und die Weidener reiten von früh bis spat.
Doch unter allen marschieret mit
Ihr Herzog, ihr Herzog mit eilendem Schritt.
Und mächtig kündet der Weidener Zorn
Fantholi, der Herzöge uraltes Horn.
 
Die Wochen und Monde gehn in das Land,
Aus Tobrien wird manche Kunde bekannt,
Von Schlachten und Siegen, von großem Verlust,
So bangen die Herzen in wartender Brust.
Und dann eines Tages, der Morgen graut,
Man dunkle Schatten im Tale schaut:
Sie ziehen im Nebel, bei Fackelschein,
In langsam schreitenden festlichen Reih’n.
Und auf der Bahre des vordersten Pferds,
Schimmert die Klinge des trefflichsten Schwerts,
Daneben ein Mantel aus Bärenfell,
Und ein Horn, das einstmals erschallte so hell.
 
Sie ziehen zur Bärnburg, man öffnet das Tor
Und schweigend schon tritt Frau Yolina hervor.
Sie sieht die Edlen, doch spricht sie nicht.
Sie schaut ihnen nicht ins entsetzte Gesicht.
Sie blickt auf die Bahre, denn auf der Bahre liegt er:
Waldemar, der Herzog, der Weidener Bär.
 
Die Ritter und Edlen umringen sie still,
Und keiner das erste Wort sprechen will.
Da spricht ein Herold: "Vernehmt meine Mär:
Ich will Euch künden vom Weidener Bär.
Dort vor Vallusa kam es zur Schlacht,
Dort hat unser Herzog nur Großes vollbracht!
Er stritt für den König, er stritt für das Reich,
Und keiner kam ihm an Heldenmut gleich..."
Doch da nun stockte er im Bericht,
Denn die Herzogin, ja, sie hörte ihn nicht.
 
In den Händen hielt sie Fantholi, das Horn,
Und die Klinge, bei der er einst Treue geschworn.
Ihre Hand fühlt den Mantel aus Bärenfell,
Und sie flüstert: "Leb wohl, meiner Tage Gesell.
Dies Horn wird blasen dein’ Erbe gut,
Dies Schwert wird sie schwingen auch voller Mut -
Doch dieses Fell trägt ab nun nimmermehr
Der große Herzog, der Weidener Bär."

von Kai Rohlinger



Wo sind sie hin?

Fahl im Winde die Banner wehen,
ein Rabe krächzt sein Lied,
und jeder der aufs Schlachtfeld blickt,
tot Weidens Ritter sieht.
 
Frau Rondra, oh, wo wart Ihr nur?
war das denn Euer Plan?
dies Opfer vor Ysilia,
was haben wir getan?
 
Refrain:
Wo sind sie hin, stolze Ritter hoch zu Pferd?
was ist ohne Kampf, zu Roß mit Lanz'
Weidens Wehr noch wert?
 
Die Ritter haben ausgedient,
man braucht ein neues Heer,
doch glauben will dies Geschwätz ich nicht,
das Ritter sind nicht mehr.
 
Oh Sadnav dreh' das Rad zurück,
Soldat will ich nicht sein,
lieber sterben vor Ysilias Tor'n,
zusammen mit den meinen.

von Lars Blumenstein