Von der Gastfreundschaft

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Das Gastrecht ist in Weiden, wie in den anderen Grenzmarken, heilig. Adel und Gemeine achten es gleichermaßen und ein Frevel – sei es von Gastgeber oder Gast – gilt als unverzeihlich.



Das Gastrecht


„Ein Fremder ist nur ein Freund, den man noch nicht kennt.“
–Sankt Travinian zugeordnetes Bonmot

Abseits von Weiler und Stadt ist das Leben in Weiden gefährlich. Je abgeschiedener eine Region ist, desto größer ist das Risiko, das ein Reisender auf seiner Wanderung eingeht. Nicht zuletzt das in Weiden so ehern befolgte Gebot der Gastfreundschaft ist es, was Reisende dennoch mit Zuversicht aufbrechen lässt, denn es verspricht zumindest auf Zeit eine sichere Heimstatt.
Die Sicherheit des Heims, das Wohl der Familie und großzügig gewährt Hilfsbereitschaft beschränken sich in Weiden nicht auf die eigene Familie oder die vertraute Dorfgemeinschaft, sondern werden jedem Fremden zuteil. Zumindest dann, wenn dieser Fremde als anständiger, zwölfgöttergläubiger Geselle angesehen wird. Einem solchen die Gastung zu verwehren, ist selbst für den einsamsten und ärmsten Bergbauern undenkbar.
Das Gastrecht ist ein ungeschriebenes Gesetz, über das die im Herzogtum hoch verehrte Göttin Travia wacht. Dennoch gibt es allgemein anerkannte und als bindend angesehene Traditionen, die jeder Weidener von Kindesbeinen an eingetrichtert bekommt und über die niemand mit Verstand je diskutieren würde. Man weiß einfach, was sich als Gastgeber, aber auch als Gast gehört.
In Städten und Dörfern ist das Gastrecht zwar ebenso gültig, angesichts von Gasthäusern und/oder Tempeln, die dem Wandernden Obdach bieten, wird es in der Regel aber nicht in Anspruch genommen. Niemand möchte schließlich als ein, die Gebote Travias überbeanspruchender Geizhals oder Schnorrer dastehen