Vom Tanz

Weidener Tanzkultur wird außerhalb des Herzogtums gerne mal belächelt. Dabei liegen den bisweilen einfach und grob anmutenden Tänzen uralte Traditionen zugrunde und sie dienen auch dazu, dass umfangreiche Sagengut weiterzugeben und die Menschen an den Geschichten teilhaben zu lassen.

 

Weidener Kettentanz

Der wohl älteste, zugleich aber immer noch beliebteste Tanz der mittnächtlichen Lande ist der sogenannte Kettentanz. Eines seiner wesentlichen Merkmale ist die Tatsache, dass die Begleitung weniger durch die Musik als vielmehr durch Gesang, vorzugsweise Heldenlieder und -balladen, erfolgt. Diese werden von einem oder mehreren Vorsängern angestimmt und am Ende einer jeden Strophe stimmen alle Beteiligten ein. Der Inhalt der Lieder wird von den Tanzenden aufmerksam verfolgt und wenn es zu ergreifenden Höhepunkten kommt – etwa einer Schlacht, einem Heldentod oder dem Auftritt eines Bösewichts – spiegelt sich das in Mimik und Gestik der Sänger und Tänzer wider. Im allgemeinen Trubel drücken sie sich beispielsweise die Hände, fangen an zu jubeln und zu hüpfen, wenn der erzählerische Sieg errungen wird, senken bei Niederlagen traurig die Häupter oder knurren und fluchen, wenn Monstren und Schurken auftauchen.
Der eigentliche Tanz selber besteht lediglich darin, dass die Tänzer sich aneinander festhalten und einen Kreis bilden, so dass ein Ring entsteht und darin noch mal ein weiterer Kreis. Wenn die Zahl der Tanzenden größer wird und der Raum es zulässt, gibt es bisweilen sogar noch einen dritten Kreis. Das alles sind ununterbrochene Ketten. Jeder, der teilnehemn will, bewegt sich mit und ist mal im äußersten Kreis und mal in der Mitte unterwegs. Die Tanzenden passieren einander von Angesicht zu Angesicht und treffen sich zweimal pro Rundgang.
Die Melodien der Lieder werden dabei von einem festen, einförmigen Stampfen der Füße begleitet, weshalb man diesen Tanz auch als "Stampftanz" bezeichnet. Die Schritte bestehen darin, dass die Tanzenden einfach nach links vorwärts schreiten, sodass der ganze Takt der Melodie durch sechs Tritte mit den Füßen begleitet wird.

1. Der linke Fuß geht einen Schritt zur Seite.
2. Der rechte Fuß tritt auf die Stelle, wo der linke stand.
3. Der linke Fuß geht wieder einen Schritt voran.
4. Der rechte folgt dem nach.
5. Der rechte Fuß tritt nun nach rechts zur Seite oder einen Schritt zurück.
6. Der linke Fuß folgt dem rechten nach, und so geht es dann ununterbrochen zum Takt der Melodie weiter.

Die Schlachtreihe

Eine andere Spielart des Weidener Tanzes ist die sogenannte Schlachtreihe. Hier halten sich die Tänzer zu meist schnellen Rhythmen und Gesängen in einem ununterbrochenen Rundkreis an den Händen oder um die Hüften herum fest – verbleiben dabei aber mehr oder weniger auf der Stelle oder gehen nur ein wenig vor und zurück. Es bleibt bei den einfachen Schrittfolgen des Kettentanzes, nur dass die einzelnen Schritte kleiner und in schneller Folge vonstattengehen, während der Vers des Liedes gesungen wird. Dadurch entsteht in der Regel ein monotones rhythmisches Stampfen, das an das Donnern einer heranreitenden Schlachtreihe erinnert.

Traviareigen

Eine dritte Art, wo gleichermaßen flotte Lieder gebraucht werden, geht ebenso leicht und schnell wie die vorgenannten Tänze. Man steht dabei in zwei Reihen mit 1 bis 2 Ellen Abstand zueinander – Männer auf der einen, Frauen auf der anderen Seite - und hält ein Band zwischen sich. Während das Lied vorgetragen wird, steht man an derselben Stelle und macht die üblichen festen Tritte mit den Füßen zum Takt. Aber wenn zum Kehrreim eingestimmt wird, heben sich die Hände mit den Bändern. An einem Ende beginnen die Paare unter den gehobenen Bändern hindurch zu tanzen, bis sie am anderen Ende der Reihe angekommen sind. Danach erhebt auch dieses Paar seine Hände mit dem Band nach oben und das nächste Paar am anderen Ende beginnt hindurch zu tanzen. Dies ist ein sehr lebendiger Tanz, der vor allem auf Hochzeiten oder bei jungen (unverheirateten) Leuten und eher im einfachen Volk sehr beliebt ist.

Der Kloppenhauer

Über die Provinzgrenzen hinaus ist der Kloppenhauer – benannt nach den schweren Arbeitsstiefeln der Kuhhirten, den "Kloppen" – bekannt. Hierbei tanzen Paare im Kreis verschiedene Figuren zur Musik. Dabei steigert sich die Geschwindigkeit der Melodie immer weiter, oft solange, bis nur noch ein Paar übrigbleibt. Die zu tanzenden Figuren sind vielfältig und es gibt viele verschiedene, meist lokal voneinander abweichende Versionen. Dieser Tanz stellt hohe Anforderungen an die Konstitution und die Tanzfiguren erfordern mitunter engen Körperkontakt. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass die sittsame Traviakirche den Tanz als "nicht schicklich" bezeichnet und er bei Adelsfeierlichkeiten eher selten aufgespielt wird. Bei den Bauern- und Dorffesten ist er zu später Stunde hingegen üblich und oft der Höhepunkt des Abends. Es gibt viele verschiedene Varianten des Kloppenhauers, beispielsweise den in der Baronie Brachfelde und dem nördlichen Bärwalde gängigen Mestido.