Sichelwacht

Die Sichelwacht für den eiligen Leser

Herrscher: Bunsenhold von Wolkenstein und Wettershag
Wappen: Auf Gold ein blauer Wolf
Einwohner: 24.000
Sitz des Grafen: Burg Aarkopf in Gräflich Salthel
Wichtige Orte: Braunsfurt, Rathila, Salthel, Zollhaus
Tempel: Praios, Rondra, Efferd, Travia, Boron, Hesinde, Firun, Phex, Peraine, Ingerimm, Rahja
Garnison: Ein Dutzend 'Ritter der Sichel' (Gräfliche Ritter), Drei Rotten Aargengarde und ein Dutzend 'Rotröcke' (Gräfliche Garde) auf Grafenburg Aarenstein
Landschaften: Tiefe Mark, Drachenpforte, Rote Sichel, Schwarze Sichel, Drachensteine
Wege: Alte Paßstraße (Ingerimms Steg - Zollhaus- Dunkelbrunn - Sinopje), Sieben-Baronien-Weg (Salthel - Zollhaus - Tiefenfurt - Birken - Drachenzwinge), Uhdenberger Weg (Trallop - Rathila - Sinopje - Uhdenberg; in Uhdenberg wird dieser Weg ab Sinopje 'Festungsweg' geheißen)
Helden: Beon von Angbar (Ingerimm-Geweihter und Schmiedemeister), Orgrimm (Ifirn-Heiliger, Schutzpatron gegen Wolfsplagen)
Talismane: Die "Beonsschneide", das verschollene Schwert des Grafenhauses
Besonderheiten: Altenforst, Braunenklamm, Travienbrücke, Turm Dragentodt, Wüstenei

 

GEOGRAPHSCHES

Die Grafschaft Sichelwacht ist fast ganz von natürlichen Grenzen umgeben. Zum Westen, nach Bärwalde und Baliho hin, bilden Neunaugensee, Pandlaril und Braunwasser eine klare Linie. Zum Süden, nach Baliho und Tobrien hin, stehen Schwarze Sichel und Drachensteine. In Richtung Norden, zu den freien Landen hin, sorgt der Rathil für Schutz. Durch eine schmale Schneise zwischen Roter Sichel auf der einen und Schwarze Sichel und Drachensteinen auf der anderen Seite, kann man den Osten Weidens im Grunde nur auf dem Weg ins Bornland ohne größere Hindernisse durchqueren – und am Ende dieser Reise wartet die Reichsgrenze, an der menschliche Wächter stehen.

In weiten Teilen der Sichelwacht herrscht die Wildnis, denn bislang ist es den Menschen nicht gelungen, sie zu bezwingen oder auch nur ansatzweise zu zähmen. Folgerichtig finden im Osten der Bärenlande, vor allem natürlich im Hochland, nur jene Bewohner ein Auskommen, die sich mit den Regeln der undurchdringlichen Wälder, schroffen Berge und reißenden Flüsse wenigstens halbwegs arrangieren können. Was das bedeutet ist klar: Kulturland ist in der Sichelwacht rar gesät. Wobei hier natürlich nicht alles über einen Kamm geschoren werden sollte. Also der Reihe nach.

Die reichsten Böden, das wertvollste Vieh und die dicksten Bauern gibt es im Westen der Grafschaft, der sogenannten Tiefen Mark. Sie erstreckt sich vom Rathil entlang des Neunaugensees, des Pandlarils und Braunwassers und ist der Roten Sichel sozusagen vorgelagert. In ihr liegen die Baronien Fuchshag, Herzoglich Altentrallop, Herzoglich Mauterndorf und Östlingen – den Westen von Beonspfort und den nördlichen Teil von Gräflich Salthel kann man mit kleinen Abstrichen auch dazu zählen. In diesem Teil der Sichelwacht herrschen nahezu "balihosche Verhältnisse". Hier wird viel Getreide angebaut und es gibt genug Platz für die Zucht von Rindern und Pferden, dem edelsten Vieh, das Weiden zu bieten hat. Daneben versorgen Flüsse und Seen die Bewohner mit ihren Schätzen.

Schon nicht mehr ganz so komfortabel lebt es sich in der Drachenpforte. Das ist besagte Schneise zwischen Roter Sichel und Schwarzer Sichel sowie Drachensteinen. In ihr befindet sich die sogenannte Wüstenei, die für den Niedergang der Baronien Ingerimms Steg und Uhdenwald gesorgt hat. Schroffenfels, Drachenstein und Rotenforst lauten die Namen der weiteren Lehen hier. Ähnliche Verhältnisse – nur auf der anderen Seite der Roten Sichel – herrschen in Adlerflug. Das Pfortenland liegt teils in der Ebene, teils in den Ausläufern der umgebenden Gebirge. Das ein oder andere Rind oder Ross mag man hier noch sehen, aber je höher das Land, desto kleiner die Tiere: Schafe, Ziegen und Schweine kommen häufiger vor. Die meisten Menschen leben in der vom sagenumwobenen Altenforst dominierten Gegend eher von Wald- als von Landwirtschaft und wo die Viehzucht ganz versagt, besinnen sie sich auf die Jagd und das Handwerk.

Das gilt noch ausgeprägter für das Sichelwachter Hochland, in dem die Baronien Zollhaus, Herzogenthal, Schwarzenstein und Hahnfels liegen. Weite Felder und Wiesen sucht man hier vergebens, dafür ist die Gegend das Zugpferd des gepriesenen Handwerks in der Grafschaft. Hier sitzen Schreiner, Drechsler, Kürschner, Holschnitzer, Steinmetze, Glasbläser, Gemmenschleifer und Meister vieler anderer Gewerke und sorgen dafür, dass der Herr Ingerimm zu seinem Recht kommt. In der Roten Sichel leben viele arme Schlucker, es wäre aber auch hier ein Fehler, zu verallgemeinern. Denn wer sich vor wagt, kann dem kargen Boden manchen Schatz abringen. So haben es beispielsweise die Barone von Zollhaus mit ihren Minen zu für Weidener Verhältnisse fast schon sagenhaftem Reichtum gebracht.

Die verschiedenen Lebensräume in der Sichelwacht sind damit abgegrast. Um dem Eindruck vorzubeugen, dass in der Grafschaft nur Menschen leben, sei aber noch einmal betont: Die Natur – und mancherorts der Goblin als weiteres kulturschaffendes Volk – ist in dieser Region Weidens absolute und in vielen Bereichen vollkommen unangefochtene Herrscherin. Je weiter der Reisende hierzulande nach Osten oder nach oben kommt, desto spärlicher ist das Land besiedelt. Dörfer und Gehöfte sind winzigkleine Inseln der – nun ja – Zivilisation in einem schier endlosen Meer aus Wald und Bergen, das zu allem Überfluss auch noch von zahllosen Kreaturen bevölkert wird, denen allein eigentlich niemand gegenüberstehen will. Schon gar nicht unbewaffnet.

GESCHICHTLICHES

Die Geschichte der Sichelwacht weist viele dunkelgraue bis tiefschwarze Flecken auf. Über weite Strecken ist sie schlechter dokumentiert als die der Grafschaften Baliho und Bärwalde. Das liegt nicht zuletzt an einigen blutigen Herrscherwechseln und dem damit einhergehenden Chaos. Außerdem wurde der wilde Osten der Mittnacht von den Regenten in Baliho, Trallop und auch Gareth oft recht stiefmütterlich behandelt. Als wunderbarer Beleg dafür mag ein Zitat Kaiser Rohals dienen. Es stammt aus jener Zeit, in der er die Geschicke der Bärenlande nach den Schrecken der Priesterkaiserzeit neu zu ordnen versuchte, und lautet zuverlässigen Quellen zufolge so:

»Darum wird die Grafschaft Mentsheim und die Fogtei Baliho zur reichen Grafschaft Baliho zusammengetan, wie auch aus den irgendwas für Landen unt soweiter die Graffschaft (halten zu Gnaden, Herr Schreiber, ich hab’ vergessen, was für eine) unt aus vielen anderen Sachen die Grafschaft Beerwald hervorgehen möge. Unt all das soll nu Herzogtum Weiden heißen, nach den Leuten, denen ich – also der lieber Herr Kaiser – die Herzogenfürde uf die kommenden Götterläufe wegen meinem Amte antrage: nahmlich dem edlen Haus von Weiden.«

Die "irgendwas für Lande und so weiter" werden zur "Ich hab's vergessen"-Grafschaft. Das ist die Sichelwacht. Wenn Rohal der Weise mit seiner bestechenden Geisteskraft schon Probleme hatte, kann man wohl von niemandem erwarten, es richtig zu erinnern. Um Missverständnissen vorzubeugen: Vor der Zeichnung der Ochsenbluter Urkunde 1028 BF war die Sichelwacht lange Jahre mitnichten eine normale Grafschaft, sondern wegen ihrer strategischen Bedeutung eine Reichsmark. Von der Kapitale Salthel aus wachten die Markverweser über die Grenze zum Bornland im Osten, über die zu den freien Landen im Norden und später auch zu Tansysilien im Süden.

Wann die Lehen der Sichelwacht zum ersten Mal zu einem Ganzen zusammengefügt wurden, geht aus der "Schrift der Herzöge" hervor: Nach einem Heerzug "zu den Sicheln" überantwortete Grifo der Junge alles Land östlich von Braunwasser und Pandlaril einem Herrscher und schuf so eine Grafschaft. Allerdings hatte die nicht lange Bestand, denn einige Jahre später überschlugen sich mit der Enthauptung Grifos und der Machtergreifung der Praioskirche die Ereignisse in der Mittnacht. Hernach gab es lange Zeit nur noch Vögte. Darauf folgten von Gareth bestallte Markgrafen – und erst 1028 BF wieder ein richtiger Graf.

Bei alledem handelt es sich jedoch eher um politische Umtriebe und wir wollen hier ja erst einmal die Geschichte des östlichen Herzogtums erzählen. Also tun wir das, was gute Weidener immer tun, wenn sie in die Untiefen ihrer Historie abtauchen: Wir orientieren uns an alten Sagen über prominente Persönlichkeiten und geschlagene Gegner.

I. ISEGREIN DER ALTE (526 bis 460 v BF)
Jedes Kind in Weiden weiß, dass mit diesem Mann alles begann. Im Jahr 543 v BF wurde er von seiner Muhme, einer Nichte Kaiser Olruks von Bosparan, ausgesandt, um "das Ende der Welt zu finden". Es ist überliefert, dass Isegrein irgendwann mit der Suche aufhörte und stattdessen lieber die Königsfeste Baliho baute – am Rotwasser. Behauptungen, wonach er diesen Ort wählte, weil er ihn nun mal für das Ende der Welt hielt, sind falsch und infam.
Warum erzählen wir das hier überhaupt? Weil Isegrein als erster Mensch auf Deren die Adlerspitze erklomm, um mit dem König der Adler zu sprechen. Eben jener Berg liegt in der Roten Sichel; zwar nördlich des Herzogtums Weiden, aber es ist davon auszugehen, dass Isegrein die Gebiete heutiger Gebirgsbaronien wie Hahnfels oder Schwarzenstein gequert hat, um sein Ziel zu erreichen. Damals lebte in der Gegend jedoch nichts als wilde Tiere, allerlei gemeingefährliche Bestien, Goblins und besagter Tierkönig.
Höchstwahrscheinlich ist Isegrein vom Wildwuchs in der Roten Sichel nicht sonderlich angetan gewesen, denn er setzte seinen Fuß nie wieder in dieses Gebirge. Nach ihm dauerte es überhaupt eine Weile, bis sich erneut ein Mensch dorthin bequemte.

II. ISEGREIN DER WANDERER (460 bis 444 v BF)
Der König von Baliho war ein tüchtiger Bursche. Er sandte Reiter "in alle Lande und rief ungezählte Leute aus den mittäglichen Grafschaften" – also weiter aus dem Süden – in sein Reich. Das alles ist nett, hat aber erst mal nichts mit den Sichellanden zu tun.
Auf die stößt man in den alten Legenden und Aufzeichnungen eher indirekt. Sie belegen nämlich, dass die "ungezählten Leute" aus aller Herren Länder zuvörderst entlang des Pandlaril siedelten. Das gilt für beide Seiten des Flusses, also auch für das Gebiet der heutigen Lehen Herzoglich Altentrallop und Herzoglich Mauterndorf, wo gerüchteweise damals schon  der Grundstein für Braunsfurt gelegt wurde.
Der Flecken diente fürs Erste hauptsächlich als Stützpunkt auf dem Weg zu einer sehr viel bedeutsameren Siedlung: Radilapis cruentus, das heute Rathila heißt. Diesen Ort bestimmte Isegrein zum nördlichsten Punkt seines Reichs und hielt sich Zeit seines Lebens an einen Schwur, den er diesbezüglich leistete. Rathila liegt heute in der Sichelwacht, und zwar in der reichen Baronie Fuchshag. Bleibt festzuhalten: In der fruchtbaren Tiefen Mark siedelten schon um 400 v BF herum Menschen.

XII. GALDUR DER WEISE VON HORASIA (31 v BF bis 2 BF)
Nach Isegrein dem Wanderer ward es bald 500 Jahre still um die Sichellande. Das hängt wohl damit zusammen, dass sich die "Herzöge von Baliho" bis 253 v BF in erster Linie mit Baliho und Trallop beschäftigten und darauf die Dunklen Zeiten folgten. In jener finsteren Epoche war das mittnächtliche Herzogtum nahezu komplett vom Ork eingenommen. Die Grafen von Trallop und ihre Getreuen bildeten quasi die letzte menschliche Bastion in einem Meer aus schwarzem Pelz. Erst nachdem es Elfen, Zwergen und Menschen gemeinsam gelungen war, das Joch der Invasoren abzustreifen, hielt Galdur von Horasia Einzug in die verheerten Weidenlande und bestieg ihren Thron.
In Galdurs Regierungszeit fällt zum einen die Zeichnung des "Tralloper Vertrags", in dem Kaiser Murak Horas und ein sogenannter Elfenkönig die Grenzen ihrer Reiche absteckten. In der Sache spielten die Weidener insofern eine Sonderrolle, als sie ein gutes Verhältnis zu den Elfen pflegten und nicht zu jenen Menschen gehörten, die sich das freie Land im Norden einverleiben wollten. Östlich des Pandlarin waren die Gebiete bis zum Grenzfluss Rathil ohnehin nie elfisch gewesen, denn in ihnen herrschte seit jeher der Rotpelz. Und nach Norden, über den Fluss hinaus, siedelten die Weidener nicht, denn der Rathila sollte, wie einst von Isegrein dem Alten gelobt, der nördlichste Punkt ihres Reiches bleiben.
Ein weiteres Dokument aus jener Zeit ist die Gründungsurkunde der legendären Rundhelme, die bis heute in Trallop aufbewahrt wird. Sie stammt aus dem Jahr 29 v BF, und in ihr ist unter anderem der Name eines Sichler Adeligen genannt, der seinen Beitrag zur Finanzierung der Truppe eher unfreiwillig leistete: der "Baron zu Salthel" zahlte auf diese Art das Blutgeld für einen Totschlag, den sein Weib begangen hatte (Näheres dazu hier). Damit ist belegt, dass es schon zu Zeiten Galdurs eine Siedlung namens Salthel gab, die vermutlich in etwa da verortet war, wo heute die Grafencapitale liegt.
Die Tiefe Mark ist folglich vor Bosparans Fall schon weitgehend von Menschen besiedelt gewesen und der Rotpelz in die Gebirge zurückgedrängt worden. Rote Sichel und Drachenpforte befanden sich hingegen weiter fest in Goblinhand.

XVII. LUITPEGA UND THORDENIN V (131 bis 134 BF)
Was die Drachenpforte betrifft, änderte sich das unter Luitperga und Thordenin. Es ist weithin bekannt, dass Letzterer den Tod in den Flammen der Herzogenhalle fand, als er gerade "den Sieg über das Rotgepelz in einem schinderischen Gelage" feierte. Dass Trallop dadurch in eine Krise stürzte, spielt hier keine Rolle. Für die Sichelwacht viel wichtiger: An der Seite des Adelsgeschlechts von Salthel (siehe Politisches) hatte besagter Herzog zuvor als erster Herrscher Weidens entlang der Drachenpforte einen Vorstoß tief in die Sichellande hinein unternommen. Ins goblinverseuchte Hochland wagte sich auch zu jener Zeit kein Mensch, aber die Ebene wurde von Thordenin blankgeputzt.
Wir wollen nicht verhehlen, dass sich die Säuberungsaktion nur vorübergehend auswirkte, denn die Suulak sind in der Sichel zu zahlreich, als dass man sie mit einer einzigen Offensive besiegen könnte. Die wenigen Jahre, in denen die Menschen in der Drachenpforte die unbestrittene Vorherrschaft genossen, reichten jedoch, um Grundsteine für seinerzeit gut befestigte Ortschaften wie Runhag, Lonatfurt und Birken zu legen. Die Menschen begannen nun, sich weiter nach Osten auszubreiten.

XXIII. WUNNEMAR VON WEIDEN (237 bis 292 BF)
Der Seneschalk schloss einen Trutz- und Handelsbund mit den Theaterrittern und der Komturei Festum. Er selbst reiste sieben Mal nach Festum, und zwar auf dem Goblinpfad. Der Bericht hierüber ist die erste urkundliche Erwähnung jenes Weges durch die Drachepforte, der heute zum Teil vom Sieben-Baronien-Weg abgelöst wurde, davor aber lange Zeit – und vor allem schon lange vor der Ankunft der Menschen – eine der Lebensadern des wilden Landes war.
Der Trutz- und Handelsbund zog diverse Niederlassungen der Theaterritter in den Sichellanden nach sich, deren deutlichstes Zeugnis heute die Feste Ertzelstein – oder vielmehr: deren Ruinen, denn das Gemäuer ist halb verfallen – in der Baronie Uhdenwald ist. Überdies kurbelte der Vertrag den Handel zwischen Festum und Trallop an, was zu einer ersten Sternstunde der Lande zwischen Roter Sichel und Drachensteinen führte. Die Stadt Salthel profitierte ebenfalls – und der ein oder andere Raubritter/Goblinstamm.
Jedenfalls trugen die Theaterritter ihr Scherflein zur weiteren Besiedlung der Sichellande bei. Schon nicht mehr ganz frei von Größenwahn, bauten sie einige völlig überdimensionierte Festungen, in deren Windschatten sich rasch menschliche Siedlungen wie Tiefenfurt und Dragenfeld bildeten. Als Experten im Goblinvernichten wagten sie sich an manchen Stellen auch in die Rote Sichel hinein. Gerüchteweise gab es seinerzeit erste Siedlungsversuche auf dem Gebiet von Zollhaus, Herzogenthal und Adlerflug.

XXIV. GRIFO DER JUNGE VON WEIDEN (319 bis 347 BF)
Unter Herzog Grimmfold wird die Geschichte der Sichellande endlich handfest. Nicht zuletzt von den Erfolgen der Theaterritter angespornt, wagte er es als erster Herrscher, mit einem Heerhaufen "zu den Sicheln zu reiten" und überantwortete hernach "alles Land einem getreuen Grafen". Der Skandal: Jener getreue Graf war niemand aus der einflussreichen Familie von Salthel (siehe Politisches), die fest damit gerechnet hatte, das Amt zu erhalten. Vielmehr wählte Grifo eine junge Ritterin, die sich allein dadurch empfahl, kurz zuvor den Kampf mit einem Drachen aufgenommen zu haben.
Die heute unter dem Namen XXX von YYY bekannte Reckin bezwang die Bestie, die die westlichen Ausläufer der Roten Sichel seit 200 Jahren unsicher und eine menschliche Besiedlung an der Stelle so gut wie unmöglich gemacht hatte. Mit einer Waffe des in der Sichelwacht bis heute hoch verehrten Ingerimm-Heiligen Beon von Angbar schlug sie erst eine Bresche ins Bollwerk, das der Drache zu seinem Schutz errichtet hatte, und dem Ungetüm dann den Kopf ab. Das Land, auf dem sich die Heldentat ereignete, wird bis heute Beonspfort geheißen.
Letztlich brachte die Ernennung YYYs aber weder Grifo noch ihr Glück, denn wenig später kam großes Übel über die Weidenlande: die Priesterkaiserzeit. Keiner von beiden überlebte den Machtwechsel – und das hatte nicht zuletzt mit einem Verrat der düpierten Familie von Salthel zu tun (siehe Politisches).

????. SELINDE VON WEIDENAU (466 bis 494 BF)
Wie das Zitat weiter oben beweist, hat Rohal die Grafschaft Sichelwacht bei seiner Landesreform 466 BF beibehalten. Einen neuen Grafen setzte die von ihm berufene Herzogin Selinde von Weidenau jedoch nicht ein, sondern berief erst mal nur einen Verwalter, in dessen Amt über die Jahre ein Sohn, ein Enkel und eine Urenkelin (siehe Politisches) folgten. Während der Sichler Adel einander an die Gurgel ging, konzentrierten sich die klugen Statthalter darauf, die Besiedelung voranzutreiben und Handel und Handwerk auf solide Füße zu stellen. Der Ingerimmkult blühte in jener Zeit auf und die Grafschaft Sichelwacht brachte es zu bescheidenem Reichtum.

XXXV. BERNHELM VON WEIDEN (601 bis 650 BF)
Selindes Verwaltergeschlecht erlosch an jenem Tag, da seine bedeutendsten Vertreter mit Herzogin Odila im Kampf gegen den Ork fielen. Bald darauf zog Kaiser Eslam I. von Almada die Grafschaft als Reichsmark an sich (siehe Politisches). Die von den Eslamiden in den darauffolgenden knapp 300 Jahren eingesetzten Markgrafen genossen in Weiden zwar kein hohes Ansehen, hatten aber durchaus Ahnung vom Regieren.
Um ihren aufwändigen Lebensstil pflegen zu können, förderten sie vor allem Handwerk und Handel, sodass der Laden zwischen Festum und Salthel brummte. Die Menschen im Umfeld von Salthel und entlang des Goblinpfads profitierten davon besonders. Auch zur Freien Stadt Uhdenberg nahmen die Markverweser Kontakt auf und verhalfen den Flecken Sinopje und Rathila damit zu einem rasanten Aufschwung. Allein goblinisches und drachisches Störfeuer brachten den Motor der Reichsmark gelegentlich zum Stottern.

XLI. THORULF VON WEIDEN (764 bis 797 BF)
Unter Thorulf lief vorübergehend gar nichts mehr. Als der sich weigerte, im Bund mit Festum und Uhdenberg die Unabhängigkeit vom Neuen Reich zu erklären, brach der Handel in beide Richtungen ein. Es kostete die Markgrafen einige Jahrzehnte, gutes Zureden und viel teuren Wein, die Beziehungen wieder in Schwung zu bringen. Zwischenzeitlich bemühten sie sich, das gute Handwerk aus der Sichelwacht in andere Richtungen loszuschlagen – was dessen Bekanntheitsgrad im Neuen Reich um einiges steigen ließ. Die Bande in den ebenfalls ingerimmgefälligen Kosch sind den Sichlern bis heute sehr wichtig.

L. WALDEMAR DER BÄR VON LÖWENHAUPT (981 bis 1021 BF)
Der Census Waldemariensis, die große Volks- und Steuerzählung Herzog Waldemars aus dem Jahr 1009 BF, belegte beachtliche 20.000 Einwohner in einer Sichelwacht, der es damals sehr gut ging. In die Regierungszeit Waldemars fielen aber auch einige böse Omen herbe Schläge für die östlichsten Lande Weidens – nur angefangen mit einer Vampirplage und der Beschwörung Borbarads. Letztere sorgte für die Entstehung der Wüstenei, die den Goblinpfad in Teilen unbrauchbar machte und die Baronien Ingerimms Steg und Uhdenwald zu Armenhäusern werden ließ; sie können bis heute nicht auf eigenen Beinen stehen.

LI. WALPURGA VON LÖWENHAUPT (seit 1021 BF)
In Walpurgas ersten Regierungsjahren tobte der Krieg gegen Borbarad, der für sie persönlich und für die gesamten Weidenlande sehr verlustreich war. Die Schlachten vor den Toren Ysilias und an der Trollpforte kosteten tausende Streiter aus der Mittnacht das Leben und die heimkehrenden Reste des Heers wurden unversehens mit dem Verrat Baeromars von Geltring sowie den Zweiten Weidener Unruhen konfrontiert. Für die Sichelwachter waren Letztere besonders schmerzlich, weil der Usurpator väterlicherseits einem bis dato gut beleumundeten Geschlecht aus ihrer Grafschaft entstammte.
Im Anbetracht all dessen dürfte  kaum verwunderlich sein, dass beim von Herzogin Walpurga veranlassten Census Commitatum im Jahr 1032 BF lediglich 22.500 Sichler gezählt wurden. Ein Lichtblick in ihrer Regierungszeit war die Tatsache, dass die Sichelwacht aufgrund der Vereinbarungen in der Ochsenbluter Urkunde 1028 BF wieder in das Herzogtum Weiden eingegliedert wurde. Mittlerweile befindet sich die Grafschaft einmal mehr auf dem aufsteigenden Ast. Die größten Ärgernisse stellen immer wieder aufflammende Kämpfe mit den Goblins dar, die sich einfach nicht geschlagen geben wollen. Und dann ist da noch der Graf, der es alles andere als gut mit seinen Vasallen meint ...

POLITISCHES

Dass die Sichellande, die Tiefe Mark allzumal, schon vor der Herrschaft Grifos des Jungen bewohnt waren (siehe Geschichtliches), sich dort auch Adelige niedergelassen und Grenzen gezogen hatten, ist kein Geheimnis. Bevor die wildwüchsige Region zu einer eigenen Grafschaft erklärt wurde, war sie die meiste Zeit der Herzogenstadt Trallop zugeordnet, deren altes Zentrum geografisch zwar auf einer Insel in der Mitte des Pandlaril liegt, politisch aber von jeher leicht nach rechts geneigt war. Also dahin, wo heute die Sichelwacht liegt, während Bärwalde und Baliho auf der anderen Seite des Flusses beheimatet sind.

Als ein Beleg für die alten Bande mögen Lehen Herzoglich Altentrallop und Mauterndorf dienen, die heute geografisch wie politisch zur Sichelwacht gehören und von jeher den Herzogen Weidens zugeordnet waren. Sichler, die viel auf sich geben, erzählen zur weiteren Beweisführung gern die Geschichten von Herzogin Waldrada der Schönen (392 bis 331 v BF), die alles Land westlich von Baliho an die Praioskirche verschenkte, und Thordenin II. (43 bis 62 BF), der alles Land westlich des Pandlaril als Grafschaft "Bärenwalde" an den Bogner Olat gab. Für sie ist damit klar, dass den Herzogen am linkspandlarilschen Land nicht so viel lag wie am rechtspandlarilschen, das sie niemals verramschten. Natürlich vergessen diese Leute auch nicht zu erwähnen, dass die Wurzeln des heutigen Herrschergeschlechts Löwenhaupt in der Sichler Baronie Fuchshag liegen.

Die Selbstbeweihräucherer tanzen allerdings auf einem schmalen Grat. Denn so wenig wie sie diese Geschichten vergessen haben, hat der Rest von Weiden vergessen, dass es Sichler Herrscher waren, die einige der schlimmsten Gräueltaten der mittnächtlichen Geschichte begingen, als sie auf dem Thron in Trallop saßen. Doch fangen wir vorn an.

XV. THORDENIN UND THORDENAN III. (62 bis 96 BF)
In der Regierungszeit dieser beiden gehörte die Tiefe Mark zum Tralloper Herrschaftsgebiet. Sie sind für die spätere Grafschaft deshalb interessant, weil sie einen "entherzten" – wir übersetzen das mal mit: missratenen – Bruder namens Thorgrein hatten. Der Mann war ein Praiosgeweither und Tempelmeister im "Ordensbund der Göttlichen Kraft". Es geht die Mär, die Herzogenbrüder hätten den Spaßverleider irgendwann so satt gehabt, dass sie ihn ins Exil nach Salthel schickten. Eine andere Legende besagt, dass er dorthin entsandt wurde, weil die Baronie wegen ihres unvermögenden Herrschers im Chaos zu versinken drohte und er als Diener des Götterfürsten für Ordnung sorgen sollte.
Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Fakt ist: Thorgrein begründete in den Ausläufern der Schwarzen Sichel das Adelsgeschlecht derer von Salthel, das in der Politik der späteren Grafschaft Sichelwacht und Gesamtweidens eine nicht gerade unbedeutende Rolle spielte. Es war lange eine der einflussreichsten Familien in den Sichellanden.

XIX. THORDENIN VI. (162 bis 168 BF)
Thordenin VI., der schon ein Greis war, als er Herzog wurde, setzte einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Familie von Salthel, indem er die "heuchlerische Prechtruda" heiratete, weil deren Haus nach dem Sieg Thordenins III. in der Drachenpforte (siehe Geschichtliches) Oberwasser hatte.
Der Überlieferung zufolge erwies sich die Heirat als bescheidene Idee, weil die herrische Tempelmeisterin – wie es sich für eine von Salthel gehörte, war Perchtruda Praiosgeweihte – in etwa genauso "entherzt" war wie ihr Großvater Thorgrein. Es heißt, sie habe den sabbernden Herzog in der Hoffnung auf sein baldiges Ableben geehelicht, um Herzogin an seiner statt zu werden. Der Rat der Geweihten zu Trallop konnte die Frau aber nicht leiden und erklärte die Ehe daher fix für nichtig. So ward nach Thorgreins Verbannung die zweite Schmach erlitten ...

XXIV. GRIFO DER JUNGE VON WEIDEN (319 bis 347 BF)
Es sollte nicht lange dauern, bis die dritte folgte: Anstelle eines von Salthels ernannte Herzog Grifo 323 BF eine junge Drachentöterin zur Gräfin der frisch geschaffenen Grafschaft Sichelwacht (siehe Geschichtliches). Dies mag der Tropfen gewesen sein, der das Fass zum Überlaufen brachte. Es trug maßgeblich dazu bei, dass Eudo von Salthel wenig später einen schändlichen Verrat am Herzog der Weidenlande beging.
Als die Praioskirche die Macht über das Reich an sich riss, blieben die Weidenlande natürlich nicht verschont: Der Heermeister der Priesterkaiser tauchte vor den Toren Trallops auf und forderte die Übergabe der Herzogenkrone von Grifo. Der weigerte sich jedoch, nicht zuletzt, weil er sich an den Trutzbund mit den Theaterritern (siehe Geschichtliches) gebunden fühlte und der Rondrakirche näher stand als der des Götterfürsten. Der junge Herrscher hielt dem Ansturm der Praioraner stand, bis Eudo – Praioshochgeweihter Trallops – einen Torwächter bestach, sodass dieser die Heerscharen der Pfaffen einließ.

XXXVI. - XXIX. DIE VON SALTHELS (347 bis 465 BF)
Mit Eudo von Salthel als Herzogenwahrer von Gnaden der Priesterkaiser schafften es die Nachfahren Thorgreins endlich auf den Tralloper Thron. Die Weidenlande erlebten also den ersten Herrscher aus der Grafschaft Sichelwacht – man kann aber leider nicht behaupten, dass das eine schöne Erfahrung gewesen wäre. Die Herzogenwahrer regierten zwar weit entfernt von Gareth, waren aber willfährige Handlanger. Ihnen kann alles vorgeworfen werden, was den Priesterkaisern heuer im Allgemeinen so vorgeworfen wird.
Hinzu kommt, dass Eudo seinen beim Volk und dem Adel gleichermaßen beliebten Vorgänger verraten hatte, was einen denkbar schlechten Start darstellte. In der Sichelwacht ließen er und die Seinen zudem die Familie der ebenfalls beliebten Gräfin XXX mit Stumpf und Stiel ausrotten, um sicherzustellen, dass sie nie wieder eine Hand nach dem Thron ausstrecken würde. Die Sichelgrafen stellte hernach die Familie von Salthel.
Um eine lange Geschichte kurz zu fassen: Auf Eudo folgten Gundowald und Gundobald von Salthel. Gundowald ließ den Erz-Inquisitor von Trallop meucheln, übernahm sein Amt und richtete über die Jahre rund 200 Weidener Ritter und Barone, die dem Rondraglauben seiner Meinung nach zu nahe standen. Er verschwand bei einer Fahrt über den Pandlarin auf dem Weg zur Mündung des Donnerbachs, wo er die ansässigen Rondrageweihten niedermachen wollte. Der kinderlose Gundobald wurde gegen Ende der Priesterkaiserzeit von aufgebrachten Bürgern Trallops in den Feuerschlot auf der Insel im Pandlarin geworfen.
Die Verwandtschaft der Herzogenwahrer in Salthel ereilte ein ganz ähnliches Schicksal. Obwohl sie moderater aufgetreten war als die "entherzten" Herzogenwahrer in Trallop, gab es am Ende von deren Regierungszeit kein Halten: Ein Mob brannte den Saltheler Praiostempel nieder, stürmte die Feste Aarkopf und metzelte die Grafenfamilie nieder. Das war das Ende der Blutlinie Thorgreins.

???. SELINDE VON WEIDENAU (466 bis 494 BF)
Dass die von Rohal eingesetzte Herzogin Selinde von Weidenau keinen neuen Grafen, sondern nur einen Verwalter für die Sichelwacht benannte (siehe Geschichtliches), hatte guten Grund: Nachdem die bisherigen Grafengeschlechter jeweils ausgelöscht worden waren, gab keine designierten Herrscher mehr und viele, die es gern werden wollten. Etliche Sichler Adelsfamilien konkurrierten um den Thron auf der Feste Aarkopf, Selinde aber sah sich außerstande, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Daher erteilte sie ihrem Verwalter – einem alten Haudegen aus der Familie Grîngelbaum, die völlig frei von Ehrgeiz war und keinerlei Ambitionen auf den Thron erkennen ließ – den Auftrag, die Bewerber zur Raison zu bringen und auf ihre Tauglichkeit zu prüfen.

XXXIV. ODILA UND BERNHELM VON WEIDEN (596 bis 650 BF)
Diese eigentliche Aufgabe brachten die Saltheler Vögte in mehr als 100 Jahren nicht zu Ende. Das mag auf den ersten Blick verdächtig erscheinen. Tatsächlich aber führten sie die Grafschaft so umsichtig und erfolgreich (siehe Geschichtliches), dass die Herzöge in Trallop keinen Anlass sahen, einen Herrscherwechsel herbeizuführen. Der Sichler Adel wiederum war so zerstritten, dass niemand sich ernstlich um das "Problem" kümmern konnte. Jedes Mal, wenn einer die Initiative ergriff, warfen ihm andere Knüppel zwischen die Beine, um zu verhindern, dass ein Graf ernannt wurde, der nicht der eigenen Familie entstammte.
Schließlich erledigte sich die Sache von selbst: Die Vögtin von Salthel und ihre nächsten Verwandten fielen bei Trallop, als sie mit Herzogin Odila in die Schlacht gegen den Ork ritten. Das Haus Binsböckel brachte den Rest der Familie mit einer schon seit Langen im Dunklen gesponnenen Intrige zu Fall und der Streit um den Grafenthron flammte hernach in alter Stärke auf. Der Zeitpunkt war denkbar ungünstig, denn mit Odilas jüngerem Bruder Bernhelm saß in Trallop nun einer auf dem Thron, der sich das "ewige Geseier" der Sichler Möchtegerngrafen nicht anhören wollte.
In ihrer Verzweiflung, oder auch, weil sie sich für besonders clever hielten, wandten sich die Binsböckels schließlich an Kaiser Eslam I. von Almada und besiegelten so ungewollt das Schicksal der Grafschaft. Eigentlich sollte der Eslamide den Herzog in ihrem Interesse beeinflussen, auf dass er wieder einen Herrscher für die Sichelwacht bestalle. Das Manöver ging jedoch nach hinten los: Eslam erwischte den launischen Bernhelm auf dem falschen Fuß und wurde Opfer eines seiner gefürchteten Tobsuchtsanfälle. Da er den Weidener anschließend für unzurechnungsfähig hielt, erklärte der Kaiser die Sichelwacht 643 BF zur Reichsmark und zog die Regentschaft damit an sich.
Offiziell wurde der Schritt mit der "überragenden strategischen Bedeutung" der Grafschaft im Kampf gegen Orks, Goblins und sonstige Feinde aus dem Norden des Kaiserreichs begründet. Von den Sichlern glaubte das aber kaum jemand. Nicht wenige wussten schließlich, was vorgefallen war. Sie machten die Binsböckels dafür verantwortlich, dass als nächstes ein "almadanischer Lackaffe" auf dem Sichler Grafenthron platznahm.

???. TSADAN VON WEIDEN (691 bis 711 BF)
Es brauchte rund 50 Winter und das Wüten eines Riesenlindwurms, bis sich der erste Sichler vom Schock der „Annexion“ erholt hatte und darauf pochte, dass der Osten Weidens von einem Weidener regiert werden sollte, auch wenn er unter kaiserlicher Verwaltung stand.
Aus der Zeit um 696 BF ist ein Begehr des Marschalls der Mark, Sighelm von Triggenfels, überliefert. Er wäre gern Markgraf anstelle des Markgrafen – eines in seinen Augen viel zu alten, zu feigen und verweichlichten Almadaners – geworden. Außerdem wollte er des Herzogs Nichte ehelichen. Um sich für beides zu empfehlen, bot er an, einen Lindwurm zu erschlagen, der die Reichsmark seit Jahren unsicher machte.
Die Antwort des Herzogs ist überliefert. Darin heißt es, er werde vom "edlen Kaiser erbitten", dass Sighelm sich auch ohne Drachentöten "Richsmarckherre" nennen dürfe, wenn ihm daran liege. Der Brief erreichte den Marschall allerdings nicht: Er war bereits zur Drachenjagd ausgezogen und kehrte nie mehr heim. Die Bestie wurde wenig später vom Blitz erschlagen, vermutlich weil Rondra ein Einsehen mit den armen Sichlern hatte.

XLI. THORULF VON WEIDEN (764 bis 797 BF)
Nach dem Abfall des Bornlands und Uhdenbergs vom Raulschen Reich nahm die strategische Bedeutung der Sichelwacht zu: Sie bildete nicht mehr nur nach Norden, sondern auch nach Osten hin die Außengrenze des Raulschen Reichs. Aus dem Grund wurde damals der eine oder andere Dukat in ihre Wehrhaftigkeit investiert. Einige Grenztürme und Garnisonen, die bis heute in Betrieb sind, stammen aus jener Zeit.

???. WALLFRIED IV. VON LÖWENHAUPT (921 bis 981 BF)
Es begab sich aber zu der Zeit Herzog Wallfrieds von Löwenhaupt, dass ein gewisser Perval von Gareth den Kaiserthron des Raulschen Reichs bestieg. Nicht jeder mag es wissen, deshalb klären wir an dieser Stelle auf: Pervals Mutter trug den Namen Waltrude von Löwenhaupt und war eine Weidenerin. Sicher auch, aber nicht nur deshalb, war dieser Kaiser für die Bitten aus der Mittnacht empfänglicher als seine Vorgänger.
Perval sorgte dafür, dass die Sichelwacht einen zupackenden Markverweser bekam – vor allem aber einen, dessen Wiege in Weiden gestanden hatte. Unter einem starken Kaiser wie ihm begehrten die zurückgesetzten Sichelwachter Geschlechter nicht auf, als von Gareth aus verkündet wurde, dass passenderweise ausgerechnet ein Sprössling der Familie von Triggenfels den Zuschlag erhalten sollte.
Es sei an dieser Stelle vermerkt, dass mit dem Haus Löwenhaupt zur gleichen Zeit abermals ein Geschlecht den Tralloper Herzogenthron bestieg, dessen Wurzeln in der Grafschaft Sichelwacht liegen – und zwar in der Baronie Fuchshag. Die Stammburg derer von Löwenhaupt, bei denen es sich um Nachfahren Selindes von Weidenau (siehe dort) handelt, war Burg Fuchshag. Die engen Bande zum Herrschergeschlecht jener Baronie, der Familie Weißenstein, die oftmals die Kanzler der Weidenlande stellt, sind damit auch erklärt.

L. WALDEMAR DER BÄR VON LÖWENHAUPT (981 bis 1021 BF)
In die Regierungszeit Waldemars des Bären fällt die Reichsgrundreform von Kaiser Reto. Mit deren Auswirkungen auf die Sichelwacht wollen wir uns hier in Kombination mit ein paar grundsätzliche Worte zum Grenzverlauf der Grafschaft befassen:
Nach Norden hin gestaltet sich der Verlauf der Sichelwachter Grenze – und damit auch der Weidens und des Raulschen Reiches – recht einfach. Das gilt jedenfalls, so weit der Rathila reicht. Der wurde schon zu Zeiten Isegreins des Wanderers (siehe Geschichtliches) zum nördlichsten Punkt seines Reichs bestimmt und dabei ist es geblieben. Niemals haben die Weidener Herrscher versucht, die Grenze über den Fluss hinaus zu verschieben.
Allerdings enfternt sich der Rathil etwa in der Mitte der Schwarzensteiner Lande vom Grenzverlauf und endet schließlich ganz. Dort sowie in Hahnfels gibt es keinen Fluss mehr, der die Menschen vor den Angriffen der Goblins und anderen Gefahren aus dem Norden schützt. Die Grenze verläuft, beschirmt nur von einigen Wachtürmen, auf den Gipfeln und Kämmen der Roten Sichel. Ein Großteil des Gebiets ist so unwegsam, dass kaum ein Mensch die Fährnisse einer Reise hierher auf sich nimmt. Die Goblins aber kommen im Hochgebirge deutlich besser zurecht.
Wer die Lage halbwegs neutral betrachtet, dem muss klar sein, dass diese Grenze bestenfalls eine Absichtserklärung ist und bei einem ernstgemeinten Angriff – von wem auch immer – schwerlich gehalten werden könnte. Ohnehin weiß niemand, wo sie genau verläuft. Oben auf den Sichelkämmen bewegt sich vieles im Ungefähren.
Etwas klarer ist die Lage nach Osten hin, wo Rotenforst den Prellbock und letzten Außenposten des Raulschen Reiches bildet. Zu schweren und verlustreichen Gefechten kam es dort letztmals nach dem Abfall des Bornlands in Thorulfs Regierungszeit (siehe dort). Über einige Jahrzehnte wuchs und schrumpfte die östlichste Baronie der Weidenlande immer mal wieder. Schließlich kristallisierte sich jedoch ein Grenzverlauf heraus, der heute von beiden Seiten weitgehend akzeptiert wird.
Im Süden gab es lange Zeit ein gedeihliches Miteinander und friedliche Absprachen mit Tobrien. Das änderte sich schlagartig, als Borbarad das benachbarte Herzogtum ins Wanken brachte. Auf einmal hielt die Sichelwacht die Außengrenzen des Raulschen Reiches gleich in drei Richtungen – und der Status als Reichsmark war spätestens jetzt mehr als gerechtfertigt. Ernsthafte Kämpfe um den Verlauf der Grenze auf den Höhenzügen der Drachensteine und der Schwarzen Sichel gab es zwar nicht, aber immer mal wieder Dolchstöße und Nadelstiche, die die Weidener parieren mussten.
Der Verlauf der Sichler Südgrenze hat sich zum letzten Mal bei der besagten Reichsgrundreform unter Kaiser Reto maßgeblich verändert: 982 BF wurden die Reichsmarken Sichelwacht und Obertobrien zusammengelegt. Für Weiden hatte das gebietsmäßig erfreuliche, für Tobrien eher unerfreuliche Auswirkungen, denn Obertobrien wurde der Sichelwacht zugeschlagen. Deren Grenze verlief nun nicht mehr auf Höhe von Turm Drachentodt in Ingerimms Steg, sondern ein gutes Stück weiter südlich.
Nach Westen hin bilden Pandlaril und Braunwasser seit jeher die Grenze zwischen der Sichelwacht und den benachbarten Grafschaften – jedenfalls so weit sie reichen. Jenseits davon verhält sich die Sache ähnlich wie beim Rathil: Die Ausläufer der Schwarzen Sichel dienen hier als Landmarken, die den Verlauf erkennbar machen. Dazwischen sollen auch heute noch immer mal wieder einzelne Grenzsteine versetzt werden, doch Balihoer und Sichler haben sich deshalb schon lange nicht mehr die Köpfe eingeschlagen. Alles in allem ist dies wohl die friedlichste Grenze der Sichellande.

LI. WALPURGA VON LÖWENHAUPT (seit 1021 BF)
Als Herzogin Walpurga die Macht ergriff, war Ralmir von Zornbrecht-Hauberach schon seit 23 Jahren Markverweser der Sichelwacht. 998 BF wurde er von Kaiser Hal ins Amt gehoben, nachdem seine Triggenfelser Vorgängerin im Kindbett verstorben war. Für das, was folgte, stellte Ralmir als ehemaliger Reichsoberst und Kommandeur eines Elite-Garderegiments sicher nicht die schlechteste Wahl dar: In der Zeit um Borbarads Erscheinen und Aufstieg, die die Grafschaft Sichelwacht arg in Mitleidenschaft zog (siehe Geschichtliches), konnten sich Kaiser- und Herzogenhaus auf ihn verlassen.
Nichtsdestotrotz genoss der gebürtige Wehrheimer in seiner neuen Heimat keinen allzu guten Ruf – was nicht nur daran lag, dass es sich bei ihm erneut um einen "Neigeschmeckten" handelte, sondern auch an seinem militärischen Gehabe, mit dem die meisten Weidener nicht viel anfangen konnten. Hinzu kamen die Geringschätzung für das "überkommene" Rittertum und eine herrschsüchtige, nicht gerade von ausgewogenem Gerechtigkeitssinn geprägte Ader, die wenig Raum für kritische Nachfragen ließ.
All das mag erklären, warum sich das Bedauern in Grenzen hielt, als Ralmir am 22. Travia 1029 BF gemeuchelt wurde – kurz bevor Walpurga ihn zum Herrscher der just wieder in eine Grafschaft umgewandelten Sichelwacht krönen konnte. In der Ochsenbluter Urkunde war bestimmt worden, dass die Sichellande zurück an die Herzöge Weidens fallen und in ihr Reich eingegliedert werden sollen.
Wer die Geschichte der Grafschaft und ihrer Herrscher kennt, den wird das Ableben Ralmirs nicht verwundern. Wieder fand ein (designierter) Herrscher ein blutiges Ende. Lachender Dritter war in diesem Fall Bunsenhold von Wolkenstein und Wettershag, ehedem Gaugraf der kaiserlichen Pfalz Donnerschalck. Es kann sich bis heute kaum jemand erklären, wie es dem windigen Hund gelang, die Herzogin davon zu überzeugen, dass er der Richtige für das Amt sei. Gerüchteweise waren viel Geld und magische Tricksereien im Spiel.
Gleich wie: Nach mehr als zehn Jahren unter Bunsenhold sind sich viele Sichelwachter einig, dass Ralmir der bessere Graf gewesen wäre: Der Wolkensteiner hat kein Interesse an seinen Vasallen, schreckt nicht davor zurück, sie in sinnlosen Kriegszügen zu verheizen und hat den Widerstand aufsässiger Barone mit der Zeit untergraben, ausgehöhlt und gebrochen. Da er nicht offen streitet, sondern seine Fäden im Verborgenen zieht, ist ein missliebiger Herrscher nach dem anderen gestrauchelt, gefallen und von Speichelleckern des Grafen ersetzt worden.
Kurzum: Aktuell herrscht in der Sichelwacht eine angespannte Stimmung, in der den letzten aufrechten Widerständlern nach und nach bewusst wird, dass sie auf verlorenem Posten stehen – jedenfalls solange Bunsenhold sich nicht etwas zuschulden kommen lässt, das das Interesse der Herzogin weckt. Noch sieht es jedoch nicht danach aus. Noch scheint es, als würde sich das Intrigantentum in der Sichel durchsetzen ...

RELIGIÖSES

Auch was die Religion betrifft, ist die Sichelwacht mehr oder minder dreigeteilt. Rondra, Travia und Peraine sind in der Tiefen Mark unangefochtene Herrscherinnen – wenngleich Ingerimm und Efferd ebenfalls hohes Ansehen genießen. Ersterer vor allem in den Ausläufern der Roten Sichel und in Salthel, wo auch Phex zu seinem Recht kommt, Zweiterer besonders an Pandlarin, Pandlaril und Rathil. In der Drachenpforte tritt Rondra in den Vordergrund, was wohl das Erbe der Theaterriter sein dürfte (siehe Geschichtliches). Peraine und Efferd verlieren hier an Boden, während Ingerimm nahezu gleichauf mit Rondra liegt und Firun mit seiner milden Tochter Ifirn hinzu kommt. In den höheren Lagen von Roter Sichel und Drachensteinen, so wird gemunkelt, lässt der Glaube an die Zwölf jedoch nach und wird zunehmend von merkwürdigen Ansichten und Bräuchen durchzogen. Im Hochland schließlich befindet er sich zum Teil ganz in Auflösung, wurde aufgebrochen und zersetzt oder überhaupt niemals ernstlich angenommen.

Was genau damit gemeint ist, werden die Götterdiener im Tiefland dem geneigten Fragensteller kaum näher erläutern, sondern ihn allenfalls mit wenig aussagekräftigen Worten wie "Alte Kulte", "Drachenwahn" und "Geistergedöns" abspeisen. Es ist vermutlich auch besser, die Leute nicht mit allzu verwirrenden Informationen aus der Bahn zu werfen. Tatsächlich hat sich der Zwölfgötterglaube in manchen Teilen der Roten Sichel nämlich nicht nur nicht durchgesetzt, sondern ist quasi nie richtig angekommen. Das ist misslich, aber kein Problem, das aus anderen entlegenen Gegenden des Mittelreichs nicht ebenso bekannt wäre. Es gibt halt nur eine begrenzte Zahl an Priestern und die wenigsten streben nach einem Leben zwischen Hinterwäldlern, Sichelwölfen und Goblins.

Ein trauriger Fakt ist, dass schon die Behauptung, die Zwölf hätten die Tiefe Mark fest und ohne Abweichung in ihrem Griff, eine ziemlich steile These darstellt. So wird in Rathila seit Ewigkeiten ein elfengleiches Wesen namens Panrathiêl als Tochter Efferds verehrt, die es milde zu stimmen gilt, wenn Hochwasser droht. Und gar nicht weit südlich von der Grafencapitale Salthel, in den Ausläufern der Schwarzen Sichel, gibt es Menschen, die lieber auf die Kraft der Drachen vertrauen als auf die der Zwölf.

Eben solchen wird auch in der Drachenpforte gehuldigt – und zwar vor allem südlich des Goblinpfads in den Ausläufern der Drachensteine. Hier schätzt sich mancher Priester schon glücklich, wenn seine Schäflein wenigstens die Namen jener Hohen und Alten Drachen im Munde führen, die einem der Zwölfgötter zugeordnet sind. Zum Reigen dieser geschuppten Götterwesen gesellen sich zwischen den beiden Gebirgen merkwürdige Kreaturen, bei denen Aspekte diverser Zwölfgötter miteinander vermischt werden – etwa die Rondras und Travias oder Firuns und Ingrimms. In dem Zusammenhang verdient das "Drei-Frouwen-Hus" in Uhdenwald besondere Erwähnung, denn in ihm scheint die Trennlinie zwischen Travia, Tsa und Peraine bisweilen zu verwischen.

Im Vergleich zur offenen Verehrung Sumus, Satuarias, Mithridas (Imithri-Dais) sowie Suukrams (Sokramors) in den höheren Lagen der Roten Sichel, aber zum Beispiel auch in Schroffenfels und Rotenforst, sind das jedoch Kinkerlitzchen. Im Hochland von Schwarzenstein, Hahnfels und Herzogenthal wird es schließlich ganz wild: Dort gibt es dem Vernehmen nach tatsächlich Menschen, die mit der Großen Mutter Sau und ihrem wilden Eber-Gemahl die Götter der Goblins anbeten. Darüber wird jedoch gern – und sicher nicht zu Unrecht – das Mäntelchen des Schweigens gebreitet.

Dass hoch oben im Gebirge schon mal der Glaube an Mailam Rekdai mit dem an Travia und der an Orvai Kurim mit dem an Firun vermengt wird, erwähnen wir hier nur, weil wir bösartig sind, und fügen an: Ja, der Glaube an Elementar- und Tiergeister, wie er von den Goblins gepflegt wird, ist im Osten der Sichelwacht durchaus gebräuchlich – zwar nicht überall, aber doch an vielen Stellen. Hinzu tritt mancherorts ein ausgeprägter Ahnenkult, dessen Ursprung unklar ist. Zugunsten der Gläubigen nehmen wir mal an, dass er von Trollen oder Norbarden herrührt und nicht von den Orks.

KULTURELLES

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MAGISCHES

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DIE WICHTIGSTEN PERSÖNLICHKEITEN

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