Eine unerwartete Ehre

Eine unerwartete Ehre

Burg Urkenfurt, Anfang Rahja 1043

Gerade legte sich Lyssandra von Finsterborn die Listen zurecht, die sie an diesem Tag mit dem Vogt, den die Gräfin von Bärwalde eingetzt hatte durchgehen wollte, um die Datenlage für den Rückfall der Baronie Urkentrutz an die Gräfin zu sichten. Der Blaubinger war ein geradliniger Mann, pingelig bis in die Haarspitzen. Lyssandra schätzte seine Strukturiertheit, aber ärgerte sich bisweilen darüber, dass er sich in unwichtige Details verlor. Wie auch immer, pünktlich, als habe er eine innere Uhr, erschien Winand Blaubinge im Schreibzimmer der früheren Baronin Grimmwulf von Hartenau. Er trug mehrere Pergamentrollen unter dem Arm. Mit einem Blick erkannte Lyssandra an einer von ihnen das gräfliche Siegel.

"Den Zwölfen zum Gruße, Wohlgeboren!", begann der Vogt die tägliche Routine. "Ritter Ludopoldt hat die neueste Liste des Census in der nordwestlichen Gemarkung der Baronie gesandt. Es betrifft die Gebiete rund um die Güter Hollergrund und Kardenbrache, sowie den Weiler Queckingen."

Dir Junkerin der Schwarzen Au nickte ungeduldig, ihr Blick war weiterhin auf den versiegelten Brief gerichtet. Als der Vogt bereits im Programm fortfahren und näheres vom Census berichten wollte, unterbrach sie ihn.

"Und was ist damit?", fragte sie.

Winand Blaubinge folgte ihrem Fingerzeig. "Ach ja, richtig. Hätte ich beinahe vergessen. Ein Brief der Gräfin ist ebenfalls eingegangen."

Er hielt ihn Lyssandra hin. "Ist an Euch adressiert, Wohlgeboren."

Die Finsterbornerin streckte die Hand aus und nahm die Briefrolle entgegen. Auf dem Siegel prangte der schwarze Luchs, hoch aufgerichtet, mit wehrhaften Pranken. Es war das Siegel der Grafschaft, nicht das persönliche Siegel der Pallingerin. Also wohl ein offizielles Schreiben. Unruhe stieg in Lyssandra auf. Das war in jedem Fall wichtiger als der Census.

Den Brieföffner in der Hand zögerte sie einen Augenblick. Sie suchte nach einer Möglichkeit, den wäschsernen Luchs nicht zu zerstören. Vorsichtig setzte sie die Klinge des altertümlichen Dolches an, der für solche Zwecke durchaus geeignet schien. Ihr horasischer Onkel Garis hatte Lyssandra die Kniffe beigebracht, wie man Siegel öffnete ohne sie zu zerstören. Er war zwar weitaus geschickter darin gewesen als sie, auch aufgrund mangelnder Praxis, doch gelang es der Finsterbornerin, das gräfliche Siegel zu lösen ohne es zu zerbrechen. Einzig ein paar Wachskrümel fielen auf den Schreibtisch.

Lyssandra entrollte das Pergament und erkannte die akurate Schrift eines professionellen Schreibers. Sie las die Zeilen. Je mehr sie las, desto schneller klopfte ihr Herz, bald trommelte der Pulsschlag von innen gegen ihre Schläfen. Der Brief enthielt eine Einladung nach Pallingen zur Verteidigung zur Baronin von Urkentrutz. Sie sollte im Praios den Baronsreif und Urkentrutz zum Lehen erhalten.

Lyssandras atmete tief durch. Die gräfliche Begründung war die Wertschätzung ihrer Loyalität und Rechtschaffenheit. Die solchermaßen Geehrte konnte kaum fassen, dass sie, die in ihren Augen nicht mehr als ihre Pflicht getan hatte, die Baronswürde erhielt. Sie ließ die Briefrolle sinken.

Winand Blaubinge betrachtete Sie fragend.

"Wichtige Neuigkeiten aus Pallingen?"

Die Finsterbornerin nickte stumm. Sie reichte dem Vogt den Brief. In wenigen Augenblicken hatte er die Zeilen überflogen. Seine Augenbrauen schnellsten hoch. Man konnte erkennen, dass es hinter seiner Stirn arbeitete. Dann, nur Wimpernschläge später, schaltete er von Verwunderung auf Verehrung um. Er senkte das Knie und als er im Kniestand angekommen war, auch den Kopf.

"Meine höchste Verehrung, Euer Hochgeboren! Ich bitte die Zwölfe um ihren Segen für die neue Baronin von Urkentrutz!"

Lyssandra lief rot an.

"Erhebt Euch, Winand Blaubinge! Noch bin ich nicht offiziell die Baronin. Doch sollte es Anfang Praios tatsächlich zur Vereidigung kommen, freue ich mich über die Ehre und Eure Loyalität. Habt Dank!"

Auch wenn es sie drängte ihrer Tochter und den Burgbewohnern die Neuigkeiten zu überbringen, rief sich Lyssandra zur Raison. Sie ließ sich vom Blaubinger die neuesten Censuszahlen präsentieren und trug alles gemeinsam mit dem Vogt in die Listen ein. Diese Zahlen würden gemeinsam mit der Danksagung am kommenden Tag schon auf dem Weg zur Gräfin sein.

***

Kurz vor der mittäglichen Jause rief Lyssandra ihre jüngste Tochter Eylin zu sich.

Die Neunjährige war wie so oft bei der Köchin Dorntrud gewesen und kam fröhlich plappernd in die private Kammer, die Lyssandra nutzte, seit sie auf der Burg lebte.

"Stell dir vor, Mutter, ich habe heute angefangen Dorntruds Rezepte aufzuschreiben, damit Roselind sie nachkochen kann, wenn wir wieder zuhause sind."

Die Finsterbornerin lächelte ob solch vorausschauenden Handelns ihrer Jüngsten. Oder war der Eifer ihrer Vorliebe für Essen geschuldet?

"Das ist ansich eine hervorragende Idee, meine Süße… "

Die Miene des Mädchens verfinsterte sich. Zornesfalten bildeten sich auf der jungen Stirn, die dunklen Augen funkelten böse.

"Was soll das heißen? Eigentlich… musst du immer was auszusetzen haben an meinen Einfällen?

Die Mutter legte besänftigend ihre Hände auf die Schultern des Kindes.

"Mitnichten Eylin! Ich freue mich über deinen Ideenreichtum und darüber, dass du dich im Schreiben übst. Du kannst dir mit dem Projekt aber Zeit lassen, denn wir werden nicht in die Schwarze Au zurückkehren, zumindest nicht dauerhaft."

Eylin riss die Augen auf und auch der Mund mit den geschwungenen Lippen blieb ein wenig offenstehen.

"Was soll das heißen ´Wir kehren nicht in die Schwarze Au zurück`? Kehre etwa nur Ich zurück? Schickst du mich alleine nach Hause? Oder gehst du ohne mich? Oder… "

Sie fragte sich ob ihre Mutter nun doch zu dem Entschluss gekommen war, sie als Pagin in den Dienst eines Weidener Adeligen zu geben. Urplötzlich verstummt wartete die Jüngste der Junkerin auf eine Antwort ihrer Mutter.

Lyssandra hielt ihr das Schreiben der Gräfin hin.

"Na, du kannst jetzt beweisen, dass du bereits ebenso gut lesen wie schreiben kannst."

Mit einem trotzigen Schmollmund nahm Eylin den Brief entgegen. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich jedoch schlagartig als sie das Siegel der Gräfin näher betrachtete.

"Oh, wie hübsch! ", entkam es ihr. Die kindlichen Finger fuhren sachte über die erhabene Figur des Luchses.

"Ein Panther?", fragte Eylin unsicher.

"Ein Luchs!", berichtigte die Mutter.

Das Mädchen löste den Blick von dem wächsernen Siegel und begann die geschwungenen Lettern zu entziffern. Sie las laut vor. Es ging schon recht gut und bald war sie an dem Punkt auf den es ankam.

Eylin sah zu ihrer Mutter hoch.

"Die Gräfin lädt dich ein!", sagte sie beeindruckt. Dann fuhr sie mit dem Lesen fort.

Wieder ging der Blick zur Mama. "Ist das wahr? Sie macht dich zur Baronin von Urkentrutz?"

Glänzende Augen begleitet von einem strahlenden Lächeln sahen Lyssandra begeistert an. Eine Frage formte sich auf Eylins geschwungenen Lippen.

"Heißt das, dass ich jetzt Baroness bin?"

Die Finsterbornerin hob mahnend den Zeigefinger. "Noch nicht! Ich muss zunächst vereidigt werden! Aber danach sind Minerva und du Baronessen und Theofried Baronet."

Eylin hüpfte auf und ab.

"Uiiii! Das ist toll, von heute auf morgen sind wir Hochgeboren, auch wenn wir gar nicht hoch geboren sind!"

Sie lachte und nun musste Lyssandra mit einstimmen.

"Ja, da hast du recht. Wenn man es genau nimmt, dann dürften sich wohl erst eure Kinder so nennen. Aber ich glaube, das wird nicht so eng gesehen."

"Bekommst du auch eine Krone?", wollte die neugierige Neunjährige wissen.

"Einen Baronsreif, ja den schon."

"Und ich? Bekomme ich auch eine Krone oder so nen Reif oder so?"

Eylin reckte den Kopf in die Höhe und stolzierte durch den Raum.

"Nein", entschied die Finsterbornerin resolut.

Eylins Lippen formten sofort wieder eine Schnute.

"Ooch, das ist aber doof! Warum darfst nur du so ne Krone haben?"

"Baronsreif!", stellte die Mutter klar.

"Weil ich die Baronin werde. An dem Tag, an dem ich sterbe, wird deine Schwester den Baronsreif erben. An dich ginge er nur, wenn deine beiden Geschwister stürben, bevor sie eigene Kinder haben."

Das blonde Mädchen hörte aufmerksam zu. Sie versuchte das Gehörte zu verarbeiten. Dann ließ sie resignierend die Schultern hängen.

"Ne, dann will ich das Ding gar nicht haben!" Sie dachte nach. "Aber vielleicht gibt es ja so was wie ein Baronessenkrönchen?"

Lyssandras vernichtender Blick beendete die Diskussion. Die Mutter beschloss das Thema zu wechseln.

"Aber du kannst mich zur Vereidigung begleiten, wenn du willst. Und natürlich frage ich auch deine Geschwister und Onkel Horatio und Tante Ysilda. Magst du mir später helfen die Einladungen zu schreiben?"

"Oh ja, gerne!", freute sich Eylin.

"Und jetzt sagen wir es Dorntrud, Wigdis, Traugunde und den anderen. In Ordnung?"

Lyssandra streckte einladend die Hand aus und die Neunjährige griff zu.

"Oh ja, das machen wir. Ich kann es gar nicht erwarten!"

 

***

Wenig später hatte sich die gesamte "Burgfamilie" im Thronsaal eingefunden. Wigdis hatte auf Wunsch Lyssandras alle zusammengerufen. Die Anspannung war deutlich wahrnehmbar. Allen war klar, dass eine wichtige Verlautbarung folgen würde. Nur worum genau es sich handelte, war noch nicht durchgesickert. Der Vogt hatte offenbar nichts ausgeplaudert.

Lyssandra erhob sich von dem Platz an der Stirnseite der langen Tafel, an der allerdings nicht alle einen Sitzplatz gefunden hatten. Einige Burgbewohner mussten hinter den Stühlen der Sitzenden Aufstellung nehmen.

Schlagartig kehrte Ruhe ein. Alle Augen waren auf sie gerichtet. Es war nicht viel Zeit gewesen sich eine formvollendete Rede auszudenken. Also würde sie aus dem Stegreif versuchen müssen, die richtigen Worte zu finden.

 

Die Junkerin begann damit sich bei allen für ihre Unterstützung bei der Bewältigung der schwierigen Situation nach den unglücklichen Ereignissen und der nachfolgenden Bestandsaufnahme in Burg und Baronie zu bedanken. Lyssandra würdigte die Arbeit des Vogtes, Ritter Ludopoldts, der noch immer in Sachen Census unterwegs war, aber bald zurückerwartet wurde und der ganzen Burgfamilie, die jeder für sich auf seine Art dazu beigetragen hatte, dass die Gräfin in Pallingen zufrieden war.

"Ich erhielt heute einen Brief der Gräfin, in dem sie ihr Lob und Ihre Anerkennung für die Bewältigung der Situation ausspricht. Ich möchte dieses Lob gerne an euch weitergeben und euch von Herzen danken. Nun nähert sich das Ende dieser Aufgabe, wie sich auch der Aufenthalt des Vogtes Winand Blaubinge einem Ende nähert… "

Sie machte eine bedeutungsvolle Pause. Ihr Blick wanderte über die Gesichter der Burgbewohner. In manchen, wie dem Gesicht der Köchin, der Hausdame und der Magd Wigdis vermochte sie so etwas wie Betrübnis zu lesen, in andern war keinerlei Reaktion zu beobachten.

"Die Gräfin hat das Lehen neu vergeben."

Sie war sich der vollen Aufmerksamkeit der Burgbewohner gewiss.

"Und das bedeutet, dass wir uns auch in Zukunft täglich sehen und zusammenarbeiten werden. Die Gräfin hat mir die Baronswürde zugedacht. Anfang Praios wird sie mich in Pallingen vereidigen." 

 

Nun war es raus. Eylin jubelte noch einmal und auch Wigdis und Dorntrud konnten ihre Freunde kaum verhehlen. Auch Traugunde Plötzenbühler und die meisten Knechte und Mägde wirkten sehr zufrieden. Die Reaktionen der Waffenknechte und Schildmaiden war hingegen recht unterschiedlich. Vom anerkennenden Kopfnicken bis zum versteinerten Gesichtsausdruck war alles dabei. Lyssandra versuchte sich die unterschiedlichen Reaktionen gut einzuprägen. Es könnte wichtig werden, wenn es um Loyalität und die Vergabe von Posten ging.

Sie machte den Burgbewohnern klar, dass sich zunächst einmal nichts ändern sollte und gab bekannt, dass sie das Weitere mit Ritter Ludopoldt besprechen wollte, wenn er vom Census zurückgekehrt war. Dann erhob sie den Humpen und sprach gab einen Trinkspruch zum Besten.

"Mögen die Zwölfgötter ihre Hände schützend über unsere wunderschöne Baronie Urkentrutz und die Gräfin von Bärwalde halten!"

Nun reckten sich ihr alle Humpen entgegen und vielstimmig wurde der Trinkspruch wiederholt.

 

***

 

Oberon von Uhlredder hörte die Hufeisen auf den Steinen des Hofes und war erleichtert. Es bedeutete das Danja endlich von ihrem Tagwerk zurückkam. Eigentlich hatte er vorgehabt mit ihrer Hilfe die Bücher der Schwarzen Au durchzugehen, zu bearbeiten und auf Stand zu halten. Er war keineswegs unerfahren in derlei Dingen. Doch unterschieden sich Gut Stegelsche der Familie Uhlredder und das Gut der von Finsterborns gehörig voneinander. Nicht nur dass es mit den Obstbäumen, Einbeeren usw. ganz anders aufgestellt war. Nein, es war auch in allem einfach viel, viel größer und mehr als Stegelsche. Oberon hatte das Gefühl, dass es von so gut wie allem hier das Zehnfache gab wie auf Stegelsche. Er teilte sich die Arbeit mit Danja und heute war die Aufteilung, dass er über dem Schreibkram hing während sie sich wieder mit dem vermaledeiten Zaun rumschlug. Ein Teil des Zaunes, der die Vierblättrigen Einbeeren schützte war marode und musste dringend repariert werden, um mögliche Räuber von den wertvollen Früchten fern zu halten. Doch die Leibeigenen, mit Hilfe derer Spanndienste diese Reparaturen durchgeführt werden sollten, fanden jeden Tag andere Ausreden so dass es einfach nicht fertig werden wollte.

Danja betrat mit einem schweren Seufzer den Raum. Oberon erkannte sofort, dass dieser Tag ihr wirklich sehr viel Selbstbeherrschung abverlangt hatte.

“Ich schwöre dir...ein Stundenglas mehr und ich hätte die Methoden meiner Vorfahren ausgepackt und gezeigt wie Bronnjaren mit renitenten Bauern umgehen….”

Oberon nahm sie in den Arm was irgendwie nicht wirklich zur Beruhigung beitrug.

“Was soll das jetzt? Einmal in den Arm nehmen über den Kopf streichen und alles ist gut oder was? Oberon ich sag dir, wenn das so weitergeht, müssen wir die Knute auspacken! Die Gemeinen scheinen testen zu wollen wie weit sie gehen können jetzt wo der alte Junker nicht mehr ist.”

Oberon machte beschwichtigende Gesten.

“Das weiß ich doch….aber nicht mehr heute. Mach dich eben frisch und dann setzen wir uns draußen in den Schatten. Ein Brief von Lyssandra ist heute gekommen und ich wollte ihn mit dir zusammen öffnen. Also er ist privat an uns gerichtet und nicht als Vögtin oder so!”

Danja seufzte noch einmal und nickte dann aber zustimmend.

 

Ein halbes Stundenglas später saßen beide auf hölzernen Stühlen an einem kleinen Tisch. Auf diesem waren zwei Jausenplatten, ein Krug kühlen Apfelmosts mit entsprechenden Bechern und als Abschluss eine kleine Tonflasche mit Haselnussschnaps und zwei Pinnchen.

Das Ehepaar genoss die warme Abendsonne im Rahjamond und speiste eine Weile friedlich vor sich hin. Sie erzählten sich dies und das. Schließlich griff Oberon nach dem Brief.

“Dann wollen wir mal!”

Er öffnete den Umschlag, entfaltete den Brief und begann zu lesen. Danja sah sofort, dass etwas Außergewöhnliches passiert sein musste. Aber es schien nichts Schlimmes zu sein. Mit einem Blick der Danja irgendwie an den erinnerte als Oberon seine Kinder jeweils zum ersten Mal im Arm gehalten hatte, gab er den Brief Danja weiter.
Während sie mit größer werdenden Augen las schenkte Oberon die beiden Pinnchen bis zum Rand voll. Danja war fertig mit dem Lesen, ließ den Brief auf ihren Oberschenkel sinken und sah Oberon an.

“Oh ja, den brauch ich jetzt!”

“Was für Neuigkeiten!”

“Ist dir klar was das bedeutet?”

“Was meinst du?

“Na wir sind jetzt die Dienstritter einer Hochgeboren...einer Hochadeligen...einer Weidener Baronin! Überleg mal...von dieser Art gibt es nur ein paar Dutzend. Und sie alle sind etwas Besonderes. Nicht zu vergleichen mit einem Baron aus den südlichen Provinzen oder gar der Goldenen Au. Ich würde und das als Bornländerin, sogar sagen, ein Weidener Baron übertrifft von der Bedeutung sogar die Bronnjaren. Vielleicht nicht alle von Ihnen, aber es gibt keinen Weidener Baron, der unter einer Brücke schläft…”

Oberon wurde die Bedeutung dieser Erhebung auch bewusster. Die Ehre und Reputation die seine Schwester damit erlangte.

Er hob sein Pinnchen.

“Und wir sind dabei und werden ihr helfen und sie unterstützen. Auf die neue Baronin von Urkentrutz, unsere Lyssandra von Finsterborn!”

 

***

Oberon und Danja blieben eine Weile in dieser Hochstimmung bis ihnen noch ein Detail einfiel: Minerva, Oberons Knappin. Sie war nicht nur Lyssandras älteste Tochter. Nein, sie war jetzt auch die Erbin einer Baronie. Beide unterhielten sich noch eine Weile und lasen den Brief erneut. Prüften, ob darin etwas enthalten war was sich vielleicht auf Minverva bezog, denn auch deren Leben würde sich nun definitiv ändern. Oberon und Danja wurde bewusst, dass damit zu einen zwar auch ihre eigene Stellung gestiegen war, aber natürlich auch die Ansprüche an der Ausbildung, die sie Minerva zukommen lassen mussten. Zuerst aber sollten sie das Mädchen informieren. Die beiden hatten ihr heute Abend extra freigegeben und von der Aufgabe befreit ihnen als Knappin aufzuwarten. Danja wusste auch, dass sie sich heute mit ein paar Freunden treffen wollte. Sie entschieden der Knappin noch eine Nacht Unbeschwertheit zu lassen. Auch wenn Erbin eines Junkergutes ja auch schon nicht wenig war.

 

Am nächsten Morgen wunderte sich Minerva sehr als sie am Frühstückstisch auch für sich eingedeckt sah und man ihr bedeutete Platz zu nehmen. Oberon und Danja kamen wenig später und setzen sich als ob nichts anders wäre als sonst. Eine Küchenmagd bediente und Minerva sah misstrauisch ihren Schwertvater und dessen Frau an.

„Habe ich etwas angestellt?“

„Nein…keineswegs.“

„Aber warum bestrafst du mich dann und entbindest mich von meinen Aufgaben?“

„Aus Gründen.“

Danja hörte diesem Spiel von Oberon kurz zu beendete dies dann aber mit einem ´Oberon es ist genug´. Dieser nickte zustimmend und sah Minerva eindringlich an, der das nun wirklich komisch vorkam.

„Wir haben gestern einen Brief von deiner Mutter bekommen. Es hat sich was ereignet…etwas, das Auswirkungen auf unser aller Leben hat. Und so wie es sich für Weidener gehört, sag ich dir jetzt ohne große Umschweife was. Die Gräfin von Bärwalde hat deine Mutter zur neuen Baronin von Urkentrutz ernannt. Die Familie von Finsterborn wird die neue Baronsfamilie von Urkentrutz. Ja, Baronin! Nicht Vögtin, sondern sie hat ihr den Baronsreif gegeben. Was gleichzeitig bedeutet, dass du ab sofort die Erbin eines Baronsthrons bist!“

Minerva musste erst einmal ein paar Mal schlucken und durchatmen. Sie war vollkommen überrumpelt.

„Was…wie…was muss ich jetzt tun? Was sollen wir machen…und wie und wann?“

Oberon legte seiner Schwerttochter die Hand auf die Schulter

„Sei unbesorgt. Wie kriegen das alles hin. Deiner Mutter wird es wahrscheinlich gerade ähnlich gehen wie dir. Wir haben beschlossen, dass es wohl das Beste ist, wenn wir gleich heute aufbrechen und sie besuchen. Gemeinsam können wir dann alles besprechen. Entscheiden wie es weitergeht mit jedem von uns.“

Minerva brachte nicht viel mehr als ein Nicken zustande und wirkte beim Frühstück auch eher appetitlos. Als sie ein gutes Stundenglas später alle drei auf ihre Pferde stiegen war ihr Blick immer noch etwas in die Ferne schweifend.

Oberon war auch sehr in Gedanken. Er fragte sich ob er wohl weiterhin der Schwertvater einer Baronserbin sein konnte. Er ein einfacher Ritter…

Lyssandra würde einiges zu entscheiden und überdenken haben.