Grafschaft: Baliho
Herrscher: Berwing Ahrenberge von Klöppelstein
Wappen: Folgt
Einwohner: 870
Baronssitz: Burg Klöppelstein auf dem Drosselspitz über Borchen
Orte: Baerpfaden, Borchen, Felsheim, Tannweiler
Tempel: 1 Rondra-Tempel, 1 Travia-Tempel, 2 Peraine-Tempel, 1 Firun-Tempel
Garnison: Etwa ein Dutzend Bewaffnete in Diensten des Barons
Landschaft: Folgt
Wege: Keine nennenswerten
Besonderheiten: Folgt


Lehnsherr:
Baron Berwing Ahrenberge von Klöppelstein

Wappen des Lehens:

Horizontal geteilter Schild; oben: Grüner Helm auf weißem Grund, unten weißer Kelch auf blauem Grund


Symbolik des Wappens:

Der güne Helm symbolisiert Nerulf, den ersten Baron von Böckelsdorf, der die Baronie als grüner Ritter bei der Herzogenturney gewann. Der Kelch steht für die Mundschenkwürde der Familie (von ca. 621 bis 695 BF)


Walhlspruch:

"Ad superior finem succedimus iustis" (bosp.: "Vom höherem Ort folgen wir dem Rechten")


Einwohner:
870 (Census Walpurgiensis 1027 BF)

Hauptort:
Borchen (290)

Sitz des Lehnsherrn:
Burg Klöppelstein auf dem Drosselspitz über Borchen

Weitere Dörfer und Ansiedlungen:
Baerpfaden (170), Felsheim (120), Tannweiler (90)

Landschaften und Regionen:

Schneebedeckte Berggipfel, dichte und düstere Wälder.Die wenigen Menschen leben in abgelegenen und isolierten Tälern. Die fünf größeren (von Norden nach Süden): Erting, Rohtal, Pregtal, Drosseltiefe, Aartal.


Garnisonen:

Etwa ein Dutzend Bewaffnete in den Diensten des Barons, außerdem noch einige Geweihte und Waffenknechte auf Keshal Ronnar


Tempel und Schreine:

Kleiner Rondra-Tempel am dem Friedhof von Borchen
Peraine-Tempel in Borchen und Tannweiler
Travia-Tempel in Felsheim
Firun-Tempel bei Baerpfaden
Rondra-Kapelle auf Burg Aarenstein, Rahja-Schrein auf Burg Klöppelstein
Zahlreiche Schreine für Opfergaben an Sumu und den Großen Schwarzen Bock (Levthan)


Burgen:

Burg Klöppelstein auf dem Drosselspitz bei Borchen, Burg Ilkenstein, eine uralte Hochmotte bei Tannweiler, Burg Aarstein, auch Keshal Ronnar genannt, rondrianische Ordensburg am Rande des Aartales, Burg Gurvanshag, Ruine aus priesterkaiserlicher Zeit im westlichen Rohtal, Burg Karzen, Ruine einer Felsenburg zwischen Baerpfaden und Borchen


Wichtige Straßen und Gewässer:

Es gibt drei Karrenwege nach Rotenwasser, Kornfelden und Sichelgau, einige kleine Pässe nach Salthel im Norden und Tobrien im Osten. Unzählige namenlose Bergbäche und Waldseen


Ressourcen:
Holz, Schiefer, Schwarzring (berühmter Ziegenkäse)

Helden und Heilige:

Der heilige Hagebald, rondrageweihter Märtyrer, Schutzheiliger gegen Verrat, Derofired der Harfner, Held vieler alter Legenden


Besondere Orte:

Der Rothain, eine ungewohnliche Ansammlung von Blutulmen und Geisterbuchen im Rohtal, Die Felsheimer Menhire, ein uralter Steinkreis in die Mauer von Felsheim eingebaut, Die Drosseltiefe, wegen der ungewöhlich zahlreichen und angeblich intelligenten Schwarzdrosseln, Das unbewonte Aartal mit dem verlassenen "Böckelsdorf"


Talismane:

Derofrieds Harfe, der Legende nach mit Elfenhaar bespannt, wird auf Burg Klöppelstein verwahrt. Bisher vermochte es niemand ihr auch nur den leisesten Ton zu entlocken

 



I. DEROGRAPHISCHER ÜBERBLICK

Wie komme ich nach Böckelsdorf?

Die Baronie Böckelsdorf liegt im äußersten Osten der Grafschaft Baliho, in der Schwarzen Sichel. Die Grenzen der Baronie werden von hohen Gebirgsketten bestimmt, welche der Wanderer über einige winzige Pässe, der Fuhrmannswagen über genau drei Karrenwege, überwinden kann. Im Norden von Böckelsdorf liegt die Baronie Salthel, welche zur Grafschaft Sichelwacht gehört. Im Osten schließen sich die Baronien Rotenwasser (im Nordwesten), das kleine Kornfelden (Westen) und Sichelgau (Südwesten) an. Die Ostgrenze bildet die unüberwindliche Schwarze Sichel, dahinter droht das besetzte Tobrien. Die oben genannten Karrenwege sind tatsächlich nur in den Sommermonden bequem zu bereisen. In Spätherbst und Frühling verwandeln sie sich in den tieferen Lagen in rutschige Schlammpisten und es kommt leicht zu gefährlichen Erdrutschen und Lawinen. Im Winter sind die Pässe oft gar nicht gangbar. Im Norden und Süden führt jeweils eine ungepflasterte Straße nach Rotenwasser und Sichelgau, von Kornfelden im Westen schließlich führt die größte Straße nach Borchen, dem Hauptort der Baronie Böckelsdorf. Dieser Weg kündet von besseren Zeiten, als das Geschlecht derer von Böckelsdorf noch (einfluss)reicher in den Weidener Landen war. Stellenweise ist diese Straße mit Schieferbruch aus der Sichel geschottert.

Was erwartet mich dort?

Tiefe Mischwälder, messerscharfe Felsgrate, rauschende Wasserfälle und nachtschwarze Schluchten prägen das Bild, dass sich dem vom mühsamen Aufstieg erschöpften Wanderer bietet. Die wenigen Menschen, die diese wildromantische (und gefährliche) Landschaft bewohnen, suchen in den bewaldeten Tälern Schutz vor den Launen der Natur, denen der Goblins und vor wilden Tieren. Und so mag es noch einige Zeit dauern, bis jener Wanderer auf einen Einheimischen trifft. Dieser ist dann vermutlich ein Schafhirte, der eine Herde Schwarzböcke vor sich her treibt und dem Reisenden mit einer gehörigen Portion Misstrauen den Weg ins nächste Dorf weisen kann.

Kommt man vom Nordwesten, so gelangt man zunächst in ein kleines Tal, dass die Einheimischen Erting nennen. Die Menschen des Erting leben in Baerpfaden, dem zweitgrößten Ort der Baronie. Von hier aus führt ein Weg in den Norden des Tales, das teilweise bereits zur Grafschaft Sichelwacht gehört (s.o.). Der Pfad endet bei der Grenzstation Geißen. Durchquert man den düsteren Tannenwald, welcher den größten
Teil des Erting ausmacht, aber gen Süden, so kommt man nach einem weiteren kräfteraubenden Auf- und Abstieg in das Rohtal, das größte Tal der Baronie Böckelsdorf. Dort findet der Reisende nach mehreren Stunden des Wanderns durch den uralten Wald des Tales das Dorf Felsheim. Die Felsheimer können dem Wanderer dann (nach einiger Überredung und Bezahlung) eine ebenso unheimliche wie außergewöhnliche Lichtung im Wald zeigen. Hier wachsen zahlreiche Blutulmen und Geisterbuchen. Aus diesem Grunde wird das Rohtal des öfteren
von reisenden Zauberern aufgesucht. Im Süden des Rohtales liegt das Pregtal mit
Borchen dem Hauptort der Baronie um Borchen herum gibt es ein paar
fruchtbare Felder und tatsächlich kann nirgends sonst in Böckelsdorf Landwirtschaft
betrieben werden. Über das Dorf wacht die finstere Burg Klöppelstein, der Sitz des
Barons Berwing. Über dem nächsten Tal (der Drosseltiefe) im
Süden thront Burg Ilkenstein, eine uralte, oftmals ausgebesserte, Hochmotte. Zu Füßen des windschiefen Turmes duckt sich das kleine Dörfchen Tannweiler. Über die Südgrenze der Baronie schließlich wacht die rondrianische Ordensburg Keshal Ronnar, östlich des Burgberges liegt das verlassene Aartal. Von hier aus führten einige gefährliche Stiegen hinauf in die höchsten Lagen der Sichel und man sagt manche gar hinüber nach Tobrien.

Tief in den Wäldern von Böckelsdorf sind zwei Burgruinen stille Zeugen der langen Geschichte der Baronie an der Grenze des Herzogtums. Irgendwo im Rohtal liegt die Burg Gurvanshag, die in priesterkaiserlicher Zeit aus ungeklärten Gründen abbrannte. Nahe eines unzugänglichen Tals zwischen Borchen und Baerpfaden steht Burg Karzen, eine Felsenburg noch älteren Ursprungs. In die Flanke des Gebirges getrieben, wacht sie seit alters her über das Tal. Nur versteckte Pfade und Schleichwege führen zu den Ruinen und so wundert es kaum, dass eine der beiden Burgen Raubritter Bregedar und seiner Bande als Unterschlupf dienen soll.



II. FAUNA UND FLORA DER BARONIE

Welche Pflanzen finde ich in Böckelsdorf?

Zwar kann der Einheimische problemlos die feinen Unterschiede in Fauna und Flora feststellen, die sich im Laufe der Jahrtausende von Tal zu Tal gebildet haben, dem Fremden werden diese aber kaum auffallen. Im Allgemeinen gilt: Die Täler der Baronie sind beinahe gänzlich von dichten Mischwäldern eingenommen. Latschen, Firunsföhren, Sicheltannen, Buchen und Rotfichten teilen sich hier den Lebensraum mit Eichen und Bergahorn, vereinzelt sorgen Bergulmen mit ihren weitausladenden Baumkronen für Raum zwischen den ansonsten sehr dicht wachsenden Bäumen.

Zwischen den genannten Bäumen wächst unter anderem Geißblatt und der wunderschöne Weißdorn sprießt auf Lichtungen und am Waldrand. Ist Phex dem Wanderer hold, mag dieser aber auch Him- und Brombeersträucher finden, allerdings muss sich der Suchende durch beinahe undurchdringliches Unterholz kämpfen. Wege und Pfade (abgesehen von den oben beschriebenen) sind selten und ohne fachkundige Hilfe nur sehr schwer zu finden. Raubritter Bregedar und seine Leute scheinen die Pfade aber nur allzu gut zu kennen und so konnte er bisher jeder Falle, die ihm gestellt wurde, ausweichen.

Gilt oben genanntes für jedes Tal in Böckelsdorf, so sei nun das Augenmerk auf die Besonderheiten gelenkt, welche jedes Tal der Baronie einzigartig und für den Kenner unterscheidbar machen.
Am Ostrand des Erting wachsen einige Trollbirnbäume, die man in der übrigen Baronie nicht findet. Aus diesem Grunde mag dem unglücklichen Wanderer, der sich im Spätsommer in diesem Teil des Tales verlaufen hat, auch mit ein wenig Pech ein hungriger Troll begegnen.
Im Rohtal hingegen wachsen ungewöhnlich viele Blutulmen und Geisterbuchen und andere magische Pflanzen (eine ausführliche Beschreibung folgt weiter unten). Der ansonsten allgegenwärtige Efeu ist hier stellenweise dem Blutblatt gewichen, welches Gegenwart von Madakraft aufzeigt.
Im Pregtal findet man auch einige von Menschen kultivierte Pflanzen. Auf den Feldern um Borchen herum wächst vor allem der genügsame Dinkel, es werden aber auch Gartenbohne und Erbsen, Büben und Kohl angebaut. Roggen gilt hierzulande bereits als edel und ist der König des Böckelsdorfer Getreides.
Der Wald um das Dörfchen Tannweiler in der Drosseltiefe besteht (oh Wunder) hauptsächlich aus Tannen. Im menschenverlassenen Aartal, insbesondere um die Feste Keshal Ronnar herum, lassen zahlreiche Eichen auf die Nähe der göttlichen Löwin schließen.

Welche Tiere kann ich in Böckelsdorf jagen, welche werden mich jagen?

In erste Kategorie fallen in erster Linie die harmloseren Bewohner der dichten Bergwälder, allen voran die zahlreichen Kaninchen. Aber auch Rehe und (wesentlich seltener) Hirsche landen auf den Tischen der Talbewohner. Zwar gilt auch hierzulande die Jagd als Privileg des Adels, dieser ignoriert es aber geflissentlich, wenn sich seine Untergebenen den äußerst spärlichen Speiseplan etwas aufbessern. In höheren Lagen fangen die mutigeren Böckelsdorfer Gebirgsböcke und Murmeltiere. Fische, vor allem Forellen aus den zahlreichen Flüssen und idyllischen Weihern der Täler sind eine weitere Bereicherung in der ansonsten recht einfallslosen Küche des Landes. Zu guter Letzt gelten dem Böckelsdorfer alle Vögel der Wälder und des Gebirges (mit zwei unten genannten Ausnahmen) als essbar und er fängt sie mit Falle und Schleuder.

Im wilden Aartal soll es auch ein paar Rotten Wildschweine geben, jedoch machen höchstens die Rondrianer von Keshal Ronnar (und ab und an der örtliche Adel) Jagd auf diese gefährliche Beute. Die düsteren Wälder bieten aber auch allerlei gefährlicheren Kreaturen Unterschlupf. Im Winter, wenn Beute rar ist, kommen die gefährlich listigen Waldwölfe nahe an die wenigen menschlichen Siedlungen. Wiesel, Dachse, Rotfüchse und Wildkatzen sind eher ärgerlich als gefährlich (die Böckelsdorfer Hühner sehen das anders). Angriffslustige Sonnenluchse sind vor allem in den lichteren Wäldern, am Rande der Baumgrenze anzutreffen, im Gebirge selbst verteidigen die edlen Bergadler ihre Horste gegen wagemutige Kletterer. Unter dem Gebirge leben in taglosen Höhlen hungrige Höhlenbären. Neben den allgegenwärtigen Fledermäusen fristen auch einige Blutasseln ihr trostloses Dasein in den finsteren Tiefen. Am Westrand des Rohtales, wo schwarzer Schiefer auf schwarzen Wald trifft, haben einige Wald- und Höhlenspinnen ein seltsames Bündnis geschlossen und weben gemeinsam ihre Netze gegen die unwissende Beute. Im Pregtal soll es einige Große Schröter geben.
Nun zu den seltenen und außergewöhnlichsten Bewohner der Baronie, obwohl es sich bei diesen meistens nicht um Tiere im eigentlichen Sinne handelt:
An erster Stelle seien die Harpyien genannt, welche in Böckelsdorf auch Wind-, Wild-, oder Sturmdruden und Jungfernadler geheißen werden. Sie sind eine wahre Plage und Gefahr für einsame Wanderer und Hirten. Der Baron zahlt jedem, der eine Harpyie zur Strecke bringt, ein Kopfgeld von fünf Hellern (was für hiesige Verhältnisse viel Geld ist).

Nicht minder bedrohlich sind die Goblins, welche von Zeit zu Zeit in kleine Gruppen die Baronie durchstreifen. Allerdings sind sie hier ein kleineres Problem als beispielsweise im südlichen Teil der Schwarzen Sichel. Erstens siedelt keine Goblinstamm in Böckelsdorf, zweitens gibt es in der Baronie selbst für Goblins wenig von Wert und drittens erschlagen die Rondrianer und die Waffenknechte des Barons jeden Goblin, dessen sie habhaft werden können. Auch die Bande des Raubritters geht nicht gerade zimperlich mit den Rotpelzen um.

In einer Höhle im Erting hausen mindestens zwei Trolle, die eifersüchtig ‘ihre’ Trollbirnbäume bewachen und auch sonst den Menschen des Tales eher feindlich
gesonnen sind. In der Drosseltiefe schließlich findet sich eine ungewöhnlich große Zahl der namensgebenden Singvögel. Zwar lieben die Bewohner von Burg Ilkenstein und Tannweiler die kecken Sänger (deren Gefieder hier ungewöhnlicherweise meist von dunkelblauer oder schwarzer Farbe ist), behandeln sie aber auch mit einer gehörigen Portion Respekt. Es heißt die Drosseln und Schwarzdrosseln seien außergewöhnlich weise, sie zu töten brächte Unglück. Tief im Wald verborgen soll es gar ein besonders prächtiges Exemplar geben, das Legenden zufolge so alt wie das Gebirge selbst ist und darüber hinaus gar die Sprachen der Menschen, Zwerge, Goblins und Trolle sprechen soll. Ob es sich bei dieser Schwarzdrossel um eine der legendären Tierköniginnen handelt, vermag jedoch niemand zu sagen.

In den Dörfern und auf den Höfen der Böckelsdorfer trifft man (neben den üblichen Nutztieren, wie Hühnern, Hunden und Katzen) auf große Herden genügsamer Bergziegen, vor allem im Winter, wenn sie nicht, wie sonst üblich, von den schwindelfreien Hirten über Berggrate und magere Almen getrieben werden. Diese Schwarzböcke sind wohl dereinst aus einer Kreuzung der hier ansässigen wilden Bergziegen und den zahmen Ziegen der weidener Siedler hervorgegangen und bilden (neben dem Holzschlag und Schieferbruch) das wirtschaftliche Rückgrat der Region. Schweine und Rinder findet man nur um Borchen und in geringerer Zahl als in anderen Regionen des Reiches.



III. VON DEN BÖCKELSDORFERN

Zunächst das Augenscheinliche

Auf die Bewohner der Pandlarilauen machen die Böckelsdorfer einen verwilderten Eindruck, manch einer behauptet gar, sie seien enger mit ihren Schwarzböcken als mit den Bürgern Trallops oder Balihos verwandt.
Die meisten Talbewohner sind von eher kleinem Wuchs und stämmiger Statur. Ihre Haut ist tagtäglich Sonne und Wetter ausgesetzt, und daher rauer und von meist einer etwas dunkleren Färbung als die der anderen Weidener. Männer und Frauen tragen das lockige Haupthaar lang und offen. Die ohnehin recht stark behaarten Männer lassen sich lange Bärte stehen, sofern diese nicht die Arbeit behindern. Aus diesem Grunde werden die Bärte beim arbeiten im Wald hoch gebunden, oder unter das Hemd oder den Gürtel geschoben. Die Talbewohner sind zäh und muskulös, Fett auf den Hüften ist eine seltene Ausnahme und gilt als Zeichen des Wohlstandes.
Die meisten Böckelsdorfer sehen sich recht ähnlich. Dies verwundert nicht, ist die Wahl des Ehepartners (durch die Eltern) doch meist auf das Angebot des eigenen oder des Nachbartals beschränkt. Deshalb sind beinahe alle Böckelsdorfer auf irgendeine Weise untereinander verwandt, die Familie des Barons einmal ausgenommen.
Die harte Arbeit und die Tatsache, dass einen kundiger Heiler oft ein paar Tagesmärsche entfernt in einem anderen Tal lebt, haben dafür gesorgt, dass Narben und Verstümmelungen recht häufig zu sehen sind. Aber auch die wilden Tiere, allen voran die angriffslustigen Harpyien, tragen ihren Teil bei.

Die Kleidung der Böckelsdorfer ist aus der Wolle der Schwarzböcke gewebt, Leder und die Pelze der Tiere der Bergwälder kommen ebenfalls häufig zum Einsatz. Andere Stoffe müssen von außerhalb der Sichel erworben werden und sind dementsprechend selten und teuer.
Beinahe jeder Böckelsdorfer trägt Beinkleider aus dunkler Wolle, die ähnlich wie Strumpfhosen in Socken enden. Darüber ein Hemd, ebenfalls aus Wolle oder aus
(teurem) Leinen. Über dem Hemd eine Kutte aus Leder oder Filz (im Winter meist gefüttert). Die Kutte wird mit Bändern auf der Innenseite an den Beinlingen befestigt, damit diese gut halten. Um die Hüften einen breiten Ledergürtel, dessen Schnalle meist ein altes Familienerbstück ist. Diese Gürtel verfügen über eine Vielzahl praktischer Taschen und Schnüre, in oder an denen Handwerkszeug oder Proviant verstaut werden. Auf dem Kopf trägt der Böckelsdorfer einen breitkrempigen Filzhut gegen Sonne und Schnee, dieser wird unter dem Kinn von einem Lederriemen gehalten, damit er nicht davon weht. Viele Leute, allen voran die Hirten, lieben es ihre Hüte (seltener auch die anderen Kleidungsstücke) mit kleinen Holzschnitzerein und Vogelfedern zu verzieren. Zu seinem zwölften Geburtstag bekommt jedes Kind ein Schnitzmesser geschenkt. Dieses Messer ist von da ab ein ständiger Begleiter, und so üben sich die Böckelsdorfer schon früh in der Kunst der Holzschnitzerei.

Das Wesen der Einheimischen

Das Verhalten der Böckelsdorfer ist ein Spiegel ihrer rauen und gefährlichen Umwelt. Der größte Teil der Bewohner der Baronie lebt dicht gedrängt in kleinen Inseln der Zivilisation, diese jedoch sind von Wald und Berg viele Wegstunden von einander getrennt. Deshalb sind den Felsheimern bereits die Baerpfader fremd und ein Waffenknecht auf Burg Ilkenstein weiß vermutlich nicht, wer gerade in der Grenzstation Geißen Dienst tut. Umso obskurer scheinen den Bewohnern Reisende von außerhalb der Baronie. Aber gerade in dieser wilden Gegend wird Travias Gebot der Gastfreundschaft viel Achtung entgegengebracht. Und ein (einigermaßen ungefährlich aussehender) Wanderer, der in eines der abgelegenen Dörfer kommt, kann damit rechnen, bei einem der Einheimischen aufgenommen zu werden, wenn auch nicht sonderlich herzlich.
Die Schwarze Sichel bietet den Menschen nur wenig, und das will auch noch hart erarbeitet sein. Somit bleibt den Böckelsdorfern kaum ein Überschuss (an Nahrung und Zeit) für Feiern oder der Bewirtung von Gästen, und sie sind streng, wortkarg und haben wenig Verständnis für die aufwendigen religiösen Zeremonien der “Außentäler”.

Es gibt alleine zwei Ausnahmen von dieser Regel: Die mutigen Hirten, die ihre Schwarzbockherden auch durch andere Täler als das ihrer Geburt treiben und die Räuber des Hauptmanns Bregedar (dazu aber später mehr).
Die Böckelsdorfer gelten in den Nachbarbaronien als äußerst ungebildet und hinterwäldlerisch, in entfernteren Gegenden Weidens würden ihnen vermutlich ebenfalls diese Eigenschaften zugesprochen, hätte man dort jemals von ihnen vernommen ...
An einer Hand kann man diejenigen abzählen, die des Lesens und Schreibens mächtig sind: Die Mitglieder des Baronshauses, sowie die Geweihten der Peraine- und des Travia-Tempels und vielleicht noch ein paar Rondrianer auf Keshal Ronnar, diese aber auch mehr schlecht als recht.

Trotz dieser Widrigkeiten lieben die Böckelsdorfer ihre Heimat, und kaum einer von ihnen ist jemals auf die Idee gekommen, dem vertrauten Hof und der Familie den Rücken zu kehren. Noch weniger sind nach einer solchen Reise je wieder zurückgekommen. In Böckelsdorf wird jeder Arm gebraucht und schon deshalb achten Baron und Familienoberhäupter darauf, dass sich ihre Schäfchen (oder Zicklein, wie man hier sagt) niemals zu weit von der Herde entfernen. Genauso wenig würde ein anständiger Böckelsdorfer auf die Idee kommen, sich über sein hartes Leben zu beklagen. Mut, Zähigkeit und eine gewisse Schicksalsergebenheit sind die höchsten Tugenden der Menschen hier.

Wie halten es die Böckelsdorfer mit der Religion?

Im Süden der Baronie wacht die Ordensburg Keshal Ronnar, und sicherlich sind die Rondrianer fromm. Diese Frömmigkeit hat allerdings niemals auf die Bewohner der Täler übergegriffen: Zum einen haben die Hirten, Bauern und Holzfäller wenig Zeit zum Beten oder um in einen Tempel zu pilgern, und zum anderen zeigen sich die Rondrianer nicht gerade missionierungsfreudig.
In Borchen und Tannweiler gibt es je einen Peraine-Tempel. Während die Geweihte in Borchen für die Fruchtbarkeit der wenigen Felder und eine gute Ernte zuständig ist (und direkt verantwortlich gemacht wird), wird der Geweihte in Tannweiler von den Böckelsdorfern als erfahrener Heiler geschätzt.
Eine ebenso wichtige Rolle spielt die Travia-Verehrung in Felsheim. Das strenge Geweihten-Paar achtet darauf, dass Travias Gebote in allen Tälern der Baronie geachtet werden und richtet die Hochzeiten der Einheimischen aus, auch wenn diese eher kärglich ausfallen.
Zwar steht in der Nähe von Baerpfaden auch ein Firun-Tempel, aber der scheue Geweihte meidet die Gesellschaft seiner Mitmenschen eher, als dass er sie sucht.
Die Kapelle auf Burg Klöppelstein wurde nach einem Rahja-Wunder zu einem Schrein der Göttin des Rausches umgewandelt. Im alltäglichen Leben verehrt der Böckelsdorfer die schöne Göttin als die Geliebte (in manchen Geschichten als Geliebte wider Willen) des schwarzen Bockes (s.u.).
Eine wesentlich größere Rolle muss man da wohl schon dem Aberglauben zuschreiben. Für den Böckelsdorfer wohnt in fast jedem See und Wasserfall eine Nymphe. Jeder zweite Baum wird von einem Waldgeist bewacht, auf den Berggipfeln und in den tiefen Schluchten hausen namenlose Ungeheuer.
Man kennt die Erdriesin Sumu und bringt ihr mancher Orten vorsichtshalber kleine Opfergaben dar. Hierbei handelt es sich übrigens, wie bei allen Opfern, die der Böckelsdorfer den überderischen Wesenheiten darbringt, um besonders schöne Steine und Holzschnitzereien. Geschlachtete Tiere und andere Nahrungsmittel werden stets (nach der Opferungszeremonie) noch einmal dem menschlichen Hunger geopfert. Eine recht eigentümliche Form der Verehrung bringt man hierzulande dem gehörnten Levthan entgegen. Er übernimmt die (Teil-) Aufgaben gleich mehrerer Zwölfgötter. Die Böckelsdorfer glauben der „große schwarze Bock“ bestimme mit seinen wilden Himmelssprüngen das Wetter. So flucht der Wanderer, der von einem der häufigen und plötzlichen Unwetter überrascht wird auf den Mannwidder und das Bockswetter. Um den wilden Bock gnädig zu stimmen und so für mildes Wetter (aber auch für die Fruchtbarkeit der Schwarzbockherde oder aber der eigenen Lenden) zu sorgen, bringt man Levthan kleine Opfer, meist in Form von in Menstrualblut getauchten Schwarzbockfell-Armbändern dar. Außerdem gehören die Riesen Aarfir, Aarwen und Aarmar und ihre Mutter, die schwarze Gigantin Sokramur (also der Schwarzen Sichel selbst) sein sollen, für die meisten Böckelsdorfer zu jener Art Wesen, denen man besser seinen Respekt bekundet.

Die Bewohner der Täler vermuten, das der Namenlose selbst unter dem hängenden Gletscher des Firun, mitten in der Schwarzen Sichel, eingeschlossen ist. Es herrscht der Aberglaube, dass die heißen Sonnenstrahlen im Monat Rahja das eisige Gefängnis erweichen und der Namenlose für die fünf nach ihm benannten Tage frei auf deren wandeln könne, bevor er, vor Praios Macht fliehend, in seinen frostigen Kerker zurückkehre.

Speis und Trank

Fast alle Böckelsdorfer müssen hart um ihr täglich Brot kämpfen, und deshalb spielt das Essen im Leben der Talbewohner auch eine wichtige Rolle. Die Küche von Böckelsdorf jedoch ist karg und man muss im wesentlichen auf die Nahrungsmittel zurückgreifen, die Schwarzböcke, Wald und die wenigen Felder von Borchen liefern.
Das einfache Volk speist an sieben Tagen in der Woche das wenig nahrhafte Dinkelbrot, die Adligen und die Bewohner der Keshal Ronnar ein graues Brot aus Dinkel und Roggen. Dazu gibt es einen kräftigen Ziegenkäse, den Schwarzring, der es in den vergangenen Jahrzehnten zu einiger Berühmtheit im mitternächtlichen Herzogtum gebracht hat und selbst auf der Bärenburg im fernen Trallop mundet.

Pilze, Nüsse und Beeren aus dem Wald wandern ebenfalls in die Töpfe und Pfannen der Böckelsdorfer. Gewürzt wird, wenn überhaupt, mit den wilden Kräutern der Wälder.
Fleisch kommt nur selten auf den Tisch, zumeist in Form von Schwarzbock-Braten. Ab und an landet auch Wildbret auf der Tafel des Adels. Die hohen Herrschaften laben sich in etwa vier mal wöchentlich an Wurst und Braten, dem Großteil der Böckelsdorfer hingegen wird dieses Vergnügen höchstens einmal die Woche zuteil und auch dann sind es meistens magere Kaninchen und Vögel aus den Wäldern oder Fische aus den Flüssen, die das Magenknurren besänftigen.
Süßspeisen gibt es äußerst selten. Auf Hochzeiten und zu Beerdigungen, oder am ersten Praios erfreut dann das Waldzicklein mit seinem ungewohnt süß-salzigen Geschmack. Der allgegenwärtige Ziegenkäse wird erhitzt und dann mit warmen Waldhonig oder Beerenkompott gleich aus der Pfanne gegessen. Ansonsten wird mit dem dunklen Waldhonig gesüßt.

Wenn möglich trinkt der Böckelsdorfer etwas anderes als das klare und reine Wasser der zahlreichen Bergflüsse seiner Heimat. Ziegenmilch ist allerorten erhältlich, wenn auch nicht sonderlich beliebt. Die Erzeugnisse des Milchbauern von Borchen (dem einzigen in der Baronie, der eine kleine Herde Rinder sein eigen nennt) sind Luxus. Kuhmilch, Butter und Käse gehen stets, bis auf wenige Ausnahmen, den kurzen Weg zur Burg Klöppelstein.
In Borchen wird aber auch ein dünnes Dinkelbier gebraut, dass sich bei den Böckelsdorfern (aber sicherlich nirgends sonst) größter Beliebtheit erfreut. Mit dem Genuss vergorener Ziegenmilch und dem daraus resultierenden Rausch wird gleichermaßen Rahja und Levthan gehuldigt. Zu guter Letzt gibt es in der Baronie ein halbes Dutzend Männer und Frauen die es verstehen, aus dem Roggen der Felder und den Beeren und Kräutern des Waldes starke Schnäpse herzustellen. Diese geistreichen Getränke tragen abenteuerliche Namen wie Drudenblut, Bocksfang, oder Aarensaft, aus dem Waldhonig lässt sich der Schmackhafte Bergmet herstellen. Die Trinkhörner der Böckelsdorfer sind in der Regel die ausgehöhlten Hörner der Schwarzböcke, was hierzulande natürlich niemanden wundert, überall sonst allerdings recht ungewöhnlich sein dürfte.

Rechte und Pflichten

Bis auf wenige Ausnahmen (wie den Meier von Borchen) sind die Böckelsdorfer unfreie Untertanen ihres Barons, denen von Rechtswegen also das Tragen einer Waffe verwehrt ist. Dennoch findet sich auf jedem Hof und in jedem Haus mindestens eine ausgewachsene Holzfälleraxt. Auch kurze Bögen und lange Messer zur Jagd sind weit verbreitet. In selteneren Fällen hängt an der Wand auch noch ein schartiges Breitschwert, oder ein uralter Speer. All dies ist oft über viele Generationen vererbt, aber auch der jetzige Besitzer weiß sich damit gegen die wilden Kreaturen der Täler zu erwehren, wie seine Vorfahren aus ruhmreichen Tagen.

Jeder Böckelsdorfer ist nominell zu mehreren Wochen Frondienst im Jahr verpflichtet, die er dann mit dem Instandsetzen der Wege, dem Hüten der herrschaftlichen Schwarzbockherde oder der Waldrodung auf den Ländereien des Barons zu bringt. Allerdings werden viele Bewohner der äußeren Täler dabei einfach vergessen, so dass sie sich ganz 'ihrem' Stückchen Land (oder besser: Wald) widmen können. Reich geworden ist davon allerdings noch kein Böckelsdorfer.

Der Adel ist hier, wie auch anderer Orten, für die Sicherheit seiner Untertanen zuständig. Zum Glück für den Baron verirren sich nur selten Goblinbanden nach Böckelsdorf und Raubritter Bregedar überfällt lieber lohnendere Ziele in Salthel und lässt den Böckelsdorfern ihr spärliches Hab und Gut. Gegen die wilden Harpyien der Berghänge und die Spinnen, die das westliche Rohtal verseuchen, haben die Bemühungen des Barons und der Rondrianer bisher allerdings wenig Wirkung gezeigt.

Der Baron ist außerdem oberster Richter, er erlässt Gesetze und verurteilt größere Verbrechen. Von diesem Recht muss er allerdings so gut wie nie Gebrauch machen, da kleinere Verbrechen vom Dorfrat verurteilt werden, Geldstrafen und Kerkerhaft beinahe völlig unbekannt sind; Körperstrafen sind die Regel. Übrigens sind es meist Durchreisende, die auf der Anklagebank landen. Ein Böckelsdorfer wird sich hüten den Nachbarn zu bestehlen, oder gar umzubringen. Der unzeitige Tod eines Nachbarn kann die winzigen Dorfgemeinschaften grundlegend durcheinander wirbeln und damit auch leicht den eigenen Untergang besiegeln.

In der Baronie findet sich allerdings kein Rechtsgelehrter, so dass der Ausgang von Prozessen ausschließlich vom Urteil des Barons abhängt, der auch, wenn er sich anders nicht zu helfen weiß gerne auf Gottesurteile zurückgreift. Bei der Durchführung diese archaischen Rechts lässt er sich allerdings gerne von den Rondra-Geweihten beraten.

Handel und Wandel

Nur selten, etwa zwei mal im Jahr, kommt ein fahrender Händler nach Böckelsdorf. Dieser tauscht dann heiß begehrtes Salz und Metall gegen Schwarzring-Käse, Wolle, Schiefer und Holz... und allem was die Böckelsdorfer daraus herstellen können.
Der Umgang mit dem Holz liegt den meisten Böckelsdorfern im Blut. Es gibt kein Haus und Hütte, die nicht mit zahlreichen Holzfiguren verziert ist. An Bauholz mangelt es nie und in Baerpfaden gibt es einen hervorragenden Bogner, dessen Handwerkskunst auch außerhalb der Baronie geschätzt wird. Metall allerdings ist in Böckelsdorf Mangelware und muss importiert werden (in der Baronie wird, ob mangelnder Fachkenntnisse und Arbeitskraft, kein Bergbau betrieben). Auch Geld besitzt kaum einer. Innerhalb der Baronie wird beinahe ausschließlich Tauschhandel betrieben, so dass es sein kann, dass besagter Bogner von durchreisenden Abenteurern passend, oder ebenfalls in Naturalien bezahlt werden muss.

Allein die Felsheimer verdienen sich ab und an eine Münze, wenn sie reisenden Magiern den Weg in den Rothain weisen, oder ihnen gleich das gesuchte Blutulmenholz verkaufen. Durch die Isolation erreichen Nachrichten Böckelsdorf oft gar nicht, oder mit mehreren Monden oder gar Jahren Verspätung. Über die (seltenen) Veränderungen innerhalb der Baronie erfahren die Nachbarn in gleicher Unregelmäßigkeit.

Sagen, Lieder und Legenden

Die Böckelsdorfer erzählen sich allerlei Geschichten über die seltsamen, wunderlichen und gefährlichen Bewohner der Bergtäler. Diese Sagen sind oftmals schon seit Jahrhunderten im Umlauf und, da kaum jemand schreiben kann, einem steten Wandel unterworfen. Die bekannteste Geschichte handelt von Derofried dem Harfner. Weitere beliebte Sagenfiguren sind Nerulf der Grüne Ritter (der erste Baron zu Böckelsdorf) und der Heilige Hagebald, ein Rondra-Geweihter zu Zeiten der Priesterkaiser, sowie die Riesen Aarfir, Aarwen und Aarmar sowie Levthan, der “große schwarze Bock” selbst.

Der Böckelsdorfer kennt eine Vielzahl trauriger und fröhlicher Lieder, die er dann zur Unterhaltung seiner Gäste, oder ganz für sich, beim Schwarzbockhüten und Holzfällen, singt. Diese Lieder sind meist nicht sonderlich lang und genau wie die Erzählungen
nirgends schriftlich hinterlegt, so dass mal eine Strophe vergessen, mal eine andere hinzugedichtet wird. Viele Talbewohner verstehen sich auch darauf ein
einfaches (meist selbst gebautes) Musikinstrument zu spielen und so die Märchen und Lieder auf Trommel, Klangholz und Flöte zu begleiten.



IV .VON DÖRFERN UND BURGEN

Alle Dörfer und Weiler der Baronie sind von hohen Palisaden umgeben. Die meisten liegen auf Klippen und Felsvorsprüngen, der umgebende Wald ist mit Beil und Feuer gerodet, damit man Bedrohungen schon aus der Ferne ausmachen kann. Die Häuser in Böckelsdorf sind, bis auf wenige Ausnahmen wie die Mühle von Borchen oder den Bocksbeutel in Baerpfaden, aus Holz gebaut. Jeder Häusereingang und Fensterladen ist reich und kunstvoll beschnitzt. Manche Häuser (wie der Tempel zu Felsheim) sind über und über mit wundervollen und oftmals von Generationen von Böckelsdorfern gepflegten und restaurierten Holzkunstwerken verziert. Die häufigsten Motive sind die allgegenwärtigen Schwarzböcke, aber auch Harfen und Weinreben (um Borchen) und Drosseln (hauptsächlich natürlich in der Drosseltiefe) sind oft gesehene Darstellungen. Über manch einen Giebel wacht eine Hausdrude, die Darstellung einer lachenden Harpyie mit gespreizten Flügeln, die die Geister des Waldes und andere ungebetene Besucher verscheuchen soll. In Felsheim hängt an jeder Türe ein Schutzamulett, oder Glücksbringer. Stehen die Häuser an windgeschützter Stelle, so tragen sie hohe, spitze Giebel, um nicht im Winter von den Schneemassen eingedrückt zu werden. An zugigen Berghängen und an anderen windigen Stellen hingegen wirken die Hütten und Häuser geduckt, haben flache Dächer, die zusätzlich noch mit schwarzen Schieferplatten beschwert sind.

Baerpfaden ist mit seinen etwa 170 Einwohnern die zweitgrößte Ansiedlung in Böckelsdorf. Bogner Fulco ist in der ganzen Baronie und darüber hinaus für seine hervorragenden Bögen berühmt und betreibt außerdem eines der drei Gasthäuser der Baronie, den Bocksbeutel (Q4/P3/S6). Außerhalb des Palisadenzaunes, wenn man einen überwucherten Pfad ein gutes Stück in den Wald hinein folgt, stößt man auf einen kleinen Firun-Tempel, über und über mit kunstvollen Holz- und Knochenschnitzereien verziert. Hier kann man auf den Geweihten Baeromar stoßen, wenn dieser nicht gerade auf einem seiner langen Jagdausflüge ist. Den übrigen Talbewohnern ist der einsiedlerische Priester etwas unheimlich und sie meiden ihn, wo es geht.

Die Grenzstation Geißen liegt etwa einen halben Tagesmarsch (bedingt durch die Qualität der Wege) nordwestlich von Baerpfaden. An der Nordgrenze der Baronie wachen stets drei bis fünf Waffenknechte des Barons auf einem alten, zugigen Turm. Zu Füßen des Gemäuers lebt ein gutes Dutzend Holzfäller und Schäfer in geduckt wirkenden Hütten, deren Dächer mit schweren Steinen gegen das beständige Zerren des Windes beschwert sind. Der alte Markward, dessen richtiger Name inzwischen beinahe in Vergessenheit geraten ist, führt hier das Regiment.

Felsheim liegt auf einem schroffen Hügel, auf dessen Kuppe zwölf uralte und völlig verwitterte Menhire stehen. Die Monolithen, die offensichtlich druidischen Ursprungs sind, stehen in regelmäßigen Abständen an den Rändern der Hügelkuppe. Zwischen den Steinen errichteten die Felsheimer einen hohen Palisadenzaun. Innerhalb dieses archaisch anmutenden Schutzkreises leben etwa einhundert Menschen, die meisten vom Holzschlag im dichten Wald zu Füßen des unbewachsenen Hügels, der sich wie eine felsige Insel aus dem rauschenden grünen Meer erhebt. In Felsheim steht außerdem er einzige erhaltene Travia-Tempel der Baronie, der mit auffällig schönen Holzverzierungen das Zentrum des Örtchens bildet. Hier lebt das gestrenge Geweihten-Paar Nado und Erlwidda und jeder Böckelsdorfer, der den heiligen Traviabund schließen will, muss zu ihnen pilgern. Einige findige Felsheimer verdienen sich die eine, oder andere Münze, indem sie reisenden Zauberern den Weg in den Rothain weisen. Tatsächlich hat es sich wohl in den letzten Jahrzehnten herumgesprochen, dass sich in dieser entlegenden Gegend hervorragendes Material für Zauberstäbe und magische Studien beschaffen lässt. Reisende kommen im Gasthaus Hinkelstein (Q4/P4/S7), direkt neben dem Travia-Tempel, unter. Selbstverständlich sind die seltsamen Menhire mit ihren kaum noch sichtbaren Runen und Zauberzeichen, neben den Blutulmen und Geisterbuchen des Rothains, ein Anziehungspunkt für reisende Zauberer. Beinahe jeder Felsheimer trägt eine kleine, in Ziegenleder gewickelte Nachbildung der Schutzsteine als glückbringendes Amulett um den Hals. Wirtin Helchtruda hat stets ein paar dieser Schutzamulette in Reserve, um sie interessierten Gästen aufzuschwatzen.

Borchen, der größte Ort der Baronie mit immerhin 290 Einwohnern ist als einziges Dorf in Böckelstein von einigen (für garetische Verhältnisse nur als äußerst karg zu bezeichnenden) Äckern und Feldern umgeben. Perdan Wiswald, der einzige Bauer der Gegend, der einen kleine Rinderherde sein eigen nennt, ist der reichste Untergebene des Barons. Neben seinen Kühen besitzt er auch die einzige Mühle weit und breit. So viel Reichtum erzeugt Neid und deshalb ist der reichste Bauer gleichzeitig der am wenigsten geschätzte. Perdans Sohn Walfrit gehört das Haus Bocksprung (Q5/P6/S10), das beste (und teuerste) Gasthaus der Baronie. Nahebei erstreckt sich der Boronanger, hier wacht stets ein Geweihter der Rondra im kleinen, trutzigen Tempel über den Schlaf der Toten und die zahlreichen Grabsteine aus dem finsterem Schiefer der Sichel. Hinter Erdwall und Palisaden stehen die spitzgiebeligen Häuser der Borchener, eines der unauffälligsten – wenn auch wichtigsten – ist der Peraine-Tempel. Die Geweihte Waldpurga betet hier für Fruchtbarkeit der Felder und eine reiche Ernte. Das Dorf schmiegt sich schutzsuchend an den hohen Drosselspitz, von Burg Klöppelstein gekrönt, dem Sitz des Barons.

Tannweiler ist mit seinen etwa achtzig Anwohnern das kleinste Dorf in der Baronie und liegt tief im Tannenwald verborgen, so dass schon mancher Auswärtige die unscheinbare Abzweigung des Weges übersah, Dorf und Burg links liegen ließ. Doch beherbergt Tannweiler die beiden besten Heiler der Täler: Eusebius Storchenflug, der Peraine-Geweihte des Ortes und Kupunda eine weise und hilfsbereite Hexe.
Burg Ilkenstein wacht auf einem steilen, bewaldeten Hügel über Tannweiler und ist der Sitz von Baerwulf, dem Sohn des Barons.

Keshal Ronnar, oder Burg Aarenstein, ragt wie ein Relikt längst vergessener Zeiten an der Flanke des Aarenfels auf, der sich gute 2.000 Schritt in den Himmel reckt. Die einzige Möglichkeit in die Burg zu gelangen, führt über ein Gewirr von Kavernen, das ein Teil des sagenumwobenen Aarenpasses sein soll, der angeblich von Böckelsdorf in die tobrische Baronie Lindenhain führt. Auf der Burg verrichten etwa zwei Dutzend Bewaffnete ihren Dienst an der Herrin.



V. WUNDERLICHE WESEN UND RÄTSELHAFTE ORTE

Von Zauberhainen und Druidensteinen, die Mysterien von Böckelsdorf

Zwischen den schwarzen Felsen, im Schatten der Bäume, hinter brausenden Wasserfällen, in abgelegenen Tälern und am Grunde klarer Bergseen vermag der beherzte Wanderer (sofern er seine Wanderungen wohlbehalten übersteht) auf manch uraltes Geheimnis stoßen.

Quer durch das Rohtal verläuft eine große Kraftlinie, die sich von Südosten kommend durch Warunk und im Nordwesten durch Lowangen zieht. Auf eben jener Linie, von der kein Böckelsdorfer auch nur etwas ahnt (von den scheuen Druiden und Hexen einmal abgesehen) liegt das Dörfchen Felsheim. Nicht ohne Grund errichteten die Geoden längst vergangener Tage genau hier ihren Steinkreis, der bis heute als Teil der Felsheimer Verteidigungsanlagen Bestand hat. Die Felsheimer Menhire dienten einstmals dazu, die Energien der Kraftlinie zu fokussieren und die rohe magische Kraft in mächtige Geoden-Rituale fließen zu lassen. Die wenigen Druiden, welche die Wälder der Baronie bewohnen, haben aber längst verlernt, sich dieser Mächte zu bedienen, und so entweicht bereits seit Jahrhunderten, langsam aber sicher, Madas Kraft aus den Steinen und nur die versiertesten Hellsichts-Zauberer sind in der Lage ihre Überreste zu erkennen.

Tatsächlich ist ein auf einen der Monolithen gesprochenen ANALYS um 15 Punkte erschwert und lässt bei Gelingen auf ein mächtiges Fokussierungs-Ritual uralten druidischen Ursprungs schließen. Interessant für den wahren Kenner: Einflüsse geodischer Magie, die eine Verbindung der beiden magischen Traditionen in ihrer Frühzeit belegen, oder siedelten einstmals Zwerge in Böckelsdorf?

Die zahlreichen Schutzamulette der Felsheimer sind hingegen genauso magisch wie ein Praios-Geweihter bei der Morgenmesse.

Nahe des Ortes, tief im Wald verborgen, steht der Rothain, eine Ansammlung seltener Blutulmen und (am Rande des Hains) Geisterbuchen. Zwischen den Bäumen wächst Blutblatt, das auch sonst vereinzelt im Rohtal zu finden ist. In Felsheim geht die Sage, dass an dieser Stelle eine Schlacht geschlagen wurde, allerdings sind sich die Leute nicht einig, wer hier vor langer Zeit focht. Es wird behauptet, dass hier Rondrianer und priesterkaiserliche Truppen aufeinander trafen, was ob der Nähe zur Burg Gurvanshag, die ja bekanntlich zu jener Zeit zerstört wurde, recht plausibel scheint.
Andere erzählen von einem Kampf verfeindeter Druidenzirkel, bei dem die guten Druiden in Blutulmen, die bösen in Geisterbuchen verwandelt wurden. Ab und an hört man auch, dass an dieser Stelle einer der drei Riesen (Aarfir, Aarwen oder Aarmar) erschlagen wurde und sein Blut die Blutulmen nähre, sein böser Geist aber in den Buchen gefangen sei.
Fest steht aber, dass sich seit Menschengedenken stets ein Druide den Hain als Heimstatt erkoren hat und über ihn wacht. Die Böckelsdorfer nennen ihn Willahalm, den Hüter des Rothains und glauben es wache seit jeher ein und derselbe Mann über die Bäume. Tatsächlich aber wechseln die Wächter und jeder Willahalm erzieht sich einen Schüler zum Nachfolger. Zwar achtet der Druide darauf, dass niemand einen seiner Bäume fällt oder seinem Hain in einer anderen Weise schadet, hält aber ansonsten kaum menschlichen Kontakt, so dass kein Talbewohner vermutet, dass sich zur zeit hinter dem Willahalm Ildrion, der weise Berater des Barons verbrigt.

Die Drosseln der Drosseltiefe sind zwar nicht allesamt magische Wesen, jedoch sind die Legenden von der großen Schwarzdrossel, des Sprechens mächtig und weise, nicht aus der Luft gegriffen.
Vor langer Zeit gaben ihr die Menschen den Namen Merula, die Königin der Schwarzdrosseln. Isst der Böckelsdorfer auch sonst beinahe jeden Vogel und jedes Tier des Waldes, so lässt er doch seine Finger von den Schwarzdrosseln, denn es soll großes Unglück bringen sie zu jagen. Im Gegenzug soll schon manch ein Wanderer vom Gesang der Schwarzdrosseln vor drohender Gefahr gewarnt worden sein, insbesondere vor den Spinnen des westlichen Rohtales.

Die alte Burg Aarenstein (Keshal Ronnar) steht auf dem Aarenfels, der von einer Vielzahl von Höhlen, Stollen und Gängen durchzogen sein soll. Das ursprünglich natürliche Höhlensystem im Aarenfels wurde schon vor Jahrhunderten durch künstliche Stollen erweitert, die einzelnen Gänge und Kavernen auch untereinander verbinden. Jedoch weiß heutzutage niemand mehr, wer die Baumeister waren, die derlei vollbrachten. Zwerge behaupten die meisten, Grolme meinen andere, von al’Hani-Baumeistern sprechen die wenigsten und dies zumeist hinter vorgehaltener Hand. Der vermeintliche Passweg ist deutlich zu erkennen, da hier die Gänge größer und ebenmäßiger angelegt wurden. Allerdings endet er nach mehreren hundert Schritt vor dem allgegenwärtigen schwarzen Stein der Sichel und es scheint, als wäre der Weg niemals gangbar gewesen. Manche munkeln gar, der Aarenpass wäre von vorneherein nur eine Sackgasse gewesen, an deren Ende ein hungriger Höhlendrache auf seine Beute lauerte, doch die Geweihten haben bisher keine Spur eines Drachenhortes entdecken können. Niemand weiß, welche Geheimnisse die finsteren Tiefen noch bergen. Bei den Novizen des Klosters gilt es als riskante Mutprobe, die Kavernen auf eigene Faust zu erkunden.

Im Aartal, dem wildesten der fünf großen Täler, lebt seit etwa tausend Jahren kein Mensch mehr. Hier sind die Ruinen eines einstmals recht ansehnlichen Dorfes zu erkunden. Zwar hat der Wald die Stätten der menschlichen Besiedlung beinahe gänzlich zurückerobert, doch sieht man ab und an die Grundmauern großer steinerner Häuser im Unterholz. Am Auffälligsten sind die Überreste eines Travia-Tempels, direkt am Pfad gelegen, den die Rondrianer mit viel Mühe einigermaßen gangbar halten und der über die Sichel nach Tobrien führt. Im Keller des Tempels ruhen, nach Aussage einiger wagemutiger Abenteurer, die Knochen eines Riesen. Auch aus diesem Grunde hält sich hartnäckig die Geschichte, dass Böckelsdorf (wie die Einheimischen das verlassene Dorf nennen, auf das der Name der Baronie zurückzuführen ist) sei vor vielen hundert Jahren von den beiden verbleibenden Riesen (Aarfir und Aarwen) als Rache für den Tod des dritten Bruders (Aarmar, die Namen werden aber auch gerne vertauscht) zerstört worden.


Von Trollen, Spinnen, Räuberbanden und deren Behausungen

Weit ab der winzigen Inseln der Zivilisation, in einem Meer aus rauschendem Grün, erheben sich die geschwärzten Ruinen zweier stattlicher Burgen. Burg Gurvanshag im Rohtal wurde zu priesterkaiserlicher Zeit errichtet und kurz nach ihrer Fertigstellung von Rittern der Rondrakirche unter der Führung des mittlerweile heilig gesprochenen Ritters Hagebald erobert und geschleift. Sieben Jahre lang dienten die Überreste der einstmals sicherlich acht Schritt hohen Mauern und der halb eingestürzte Bergfried Räuberhauptmann Bregedar und seiner Bande als Versteck. Im Sommer des Jahres 1028 BF kehrte die Bande (bestehend aus etwa fünfzehn Räubern und Räuberinnen, ihren Nutztieren und einem halben Dutzend Kindern) der Burg und dem Rohtal den Rücken und zog in die ebenfalls verlassene Burg Karzen. Da die Bande die Böckelsdorfer selbst in Ruhe lässt und ihre Beutezüge stets außerhalb der Baronie macht, ja sogar ab und an das Beutegut in den Dörfern der Täler gegen Lebensmittel und Werkzeuge tauscht, ist auch niemand in der Baronie besonders erpicht darauf, den Räubern das Handwerk zu legen. Selbst wenn er wollte, könnte der Baron niemals selbst die nötigen Mittel aufbringen, die Täler nach dem Schlupfwinkel der Bande durchsuchen zu lassen und auch wenn er sie entdecken könnte, fehlte es immer noch an Soldaten einen Angriff auf Burg Karzen zu wagen (die Waffenknechte des Barons sind den Räubern zahlenmäßig nicht einmal ebenbürtig und haben wesentlich weniger Kampferfahrung).
Zudem haben viele der Räuber Verwandte in den Dörfern, die sie vor solch einem Angriff warnten und selbstverständlich auch vom Raubgut profitieren, wenn es denn welches gibt. Raubzüge sind nämlich selten und nur während der kurzen Sommermonde zu bewerkstelligen. Den Rest des Jahres verbringt auch Bredegars Bande mit dem Sammeln von Pilzen und Nüssen, dem Schwarzbockhüten und der Jagd.

Die Täler der Baronie beherbergen außerdem einen winzigen Druidenzirkel mit gerade einmal zwei Mitgliedern: Der alte und weise Ildrion ist der Hüter des Rothains. Er ist das jüngste Glied in einer langen Reihe der Hüter des Hains. Der in die Jahre gekommene Druide ist seit Menschengedenken ein Freund Baron Berwings und dient ihm als Berater in schweren Fragen. Eigentlich wäre es an der Zeit seine Aufgabe an einen Jüngeren zu übertragen, aber sein einstiger Lehrling Valmir hat sich mit ihm zerstritten und lebt nun alleine im Erting.

In den Tälern, Dörfern und Bergen der Baronie leben zwei Hexen, die miteinander in Kontakt stehen und sich mit ihren Schwestern aus den umliegenden Gegenden in klaren Vollmondnächten treffen. Junivera mit der silbernen Stimme wohnt zwischen den Tannen der Drosseltiefe, in der Nähe der Burg Ilkenstein. Sie ist eine Freundin der Drossel Merula und hat mit ihrer frechen und aufgeschlossenen Art und vor allem ihrem wunderbarem Gesang allen Männern der Umgebung den Kopf verdreht.
Die alte, blinde Kupunda lebt in Tannweiler. Ihre kleine Hütte teilt sich einen verwilderten Kräutergarten mit dem Peraine-Tempel, dessen Geweihter Eusebius im Ruf steht der beste Heiler aller Böckelsdorfer Täler zu sein. Zwischen dem Geweihten und der Hexe besteht ein reger Austausch und oft ziehen sie gemeinsam in die umliegenden Wälder, um dort Kräuter und Moose zu sammeln, die im heimischen Garten nicht gedeihen wollen. Kupunda wird auf diesen Ausflügen stets von Sailtenia, ihrem Vertrautentier, einer Unke begleitet, die ihr bei Bedarf ihre Sehkraft zur Verfügung stellt. Kupunda ist die Mutter der schönen Junivera, allerdings sind beide im Charakter so unterschiedlich, dass sie sich kaum außerhalb der Hexennächte treffen.

Die Spinnen des Rohtales sind wahrlich außergewöhnliche Vertreter ihrer Arten. In ihrer unheiligen Allianz gelang es den Höhlen- und Waldspinnen, alle anderen Raubtiere des westlichen Rohtales zu verdrängen. Sie haben ihre Netze im Wald und in den Höhlen ausgelegt und die großen Drosseln scheinen ihre Lieblingsspeise zu sein, doch keiner dieser gescheiten Vögel verirrt sich jemals in das Revier der achtbeinigen Jäger, die ihrerseits ab und zu in kleinen Gruppen Vorstöße in die Drosseltiefe unternehmen, um der begehrten Beute habhaft zu werden. Wehe dem armen Wanderer, der ihnen auf ihrem Weg durch das Gebirge in die Quere kommt. Seitdem Bredegars Räuberbande Burg Guvanshag verlassen hat, werden sie Spinnen immer dreister und wagen sich in dunklen Nächten weit nach Westen bis nach Felsheim vor und versuchen dort, einen saftigen Schwarzbock (oder dessen Hirten) zwischen ihre gifttriefenden Fänge zu bekommen.

Im Erting hingegen leben zwei ungemütliche Trolle, die dort eifersüchtig 'ihre' Trollbirnbäume bewachen. Falls sich einmal ein Mensch in ihre Nähe verirren sollte, versuchen sie ihn mit lautem Gebrüll und Gestampfe zu vertreiben. Stellt sich dieser Mensch aber als mutig (oder dumm) heraus, haben die beiden Griesgrame auch keine Bedenken, ihn mit ihren Keulen zu Mus zu verarbeiten. Diese beiden finsteren Gesellen haben wenig mit ihren 'zivilisierten' Vettern im Süden gemein und sind nicht an Gesprächen mit Menschen interessiert.

Die Ritter der Göttin sorgen dafür, dass die Goblins, die anderenorts die wahren Herren der Schwarzen Sichel zu sein scheinen, in Böckelsdorf nicht Fuß fassen. Vor ein paar Jahren fanden Bredegars Räuber einen halbwüchsigen, halb verhungerten Ork tief in den Wäldern. Aus Mitleid erschlugen sie das Findelkind nicht, sondern tauften es Alrik nahmen es bei sich auf. Heute ist Alrik Schwarzpelz der einzige Ork, der die Täler seine Heimat nennt. Zwerge und Elfen verirren sich selten nach Böckelsdorf, und bisher lies sich kein Vertreter der alten Völker hier nieder.



VI. DRAMATIS PERSONAE BÖCKELSDORFIENSIS

Das Haus Klöppelstein

Kurz nach der Geburt ihres fünften und sechsten Kindes erlag Hermgarde von Firunslicht, die erste Gemahlin Baron Berwings, im Jahre 1003 BF einem schweren Fieber. Erst sieben Jahre später heiratete der, mittlerweile fünfzigjährige, Baron erneut: Die schöne (und mit ihren zweiundzwanzig Jahren erheblich jüngere) Neunhild von Feyring aus den Mittenberger Landen starb jedoch tragischerweise im Jahre 1019 BF im Kindbett bei der Geburt ihres zweiten Kindes und ersten Sohnes, den die herbeigeeilten Geweihten und auch der weise Druide Ildrion nicht retten konnten. Seither regiert der Baron alleine auf Burg Klöppelstein und hatte stets ein strenges Auge auf die Erziehung der überlebenden vier Kinder. Zwei Söhne (Helmbraecht und Baernhelm) wurden bereits im Säuglingsalter Opfer des strengen Böckelsdorfer Winters. Aminte, die Zwillingsschwester Karinjas stürzte, kurz nachdem sie laufen gelernt hatte, in einen der düsteren Bergseen der Baronie und ertrank. Der jüngste Spross des Barons, Gaerbold, trat zusammen mit seiner Mutter und nur einige Stunden nach der Geburt den Flug über das Nirgendmeer an.
Baerwulf und Baerfried wurden alsbald ins Tobrische in die Knappenschaft gegeben und stritten Seite an Seite gegen den Sphärenschänder. Tochter Karinja steht an dritter Stelle in der Erbfolge: Stets plagen sie düstere Gedanken, oftmals schließt sie sich für Tage in ihrer Kemenate ein und wechselt mit keiner lebenden Seele auch nur ein Wort. Es geht das Gerücht, sie spreche in diesen einsamen Stunden zu ihrer toten Zwillingsschwester. Die jüngste Tochter des Barons, Lyseria, ist das genaue Gegenteil ihrer verschlossenen Halbschwester. Mit ihrem frohen Gemüt, einem reizenden Äußeren und einer silbernen Stimme war sie oft der Sonnenstrahl, die dichten Regenwolken über Burg Klöppelstein zu vertreiben. Lyseria ist gut mit der schönen Hexe Junivera befreundet.

Das wohl denkwürdigste Ereignis in der jüngeren Familiengeschichte des Hauses Böckelsdorf dürfte die Verbannung Baerfrieds, des Erben der Baronie, sein. In einer stürmischen Efferd-Nacht im Jahre 1026 BF verstieß Baron Berwing, bösen Vorahnungen folgend, seinen ältesten Sohn.

Baron Berwing schimpft auf alles und jeden, wobei sein Nachbar Anselm von Hölderlingen zu Rotwasser wohl am häufigsten geschmäht und verflucht wird – nur in einem Punkt sind sich die beiden Streithähne einig: die Freundschaft ihrer Söhne Baerwulf und Arnfried ist mehr als unangemessen – sie ist Verrat!