Tradition und Brauchtum


Die Baronie ist stark von Obstanbau, Ackerbau und Weidewirtschaft geprägt. Dazu tritt nördlich des Fialgralwa in der Heidelandschaft der Flachs- und Hanfanbau für die Stoffherstellung. Aussaat- und Erntefeste mit Tanz, Speis und Trank gliedern die Götterläufe. 
So wundert es auch kaum, dass neben der Sturmleuin in erster Linie die Göttin Peraine verehrt wird. Zu ihr bittet man beim Aussaatfest um milde, frostfreie Nächte und einen von heftigen Unwettern und Hagelschlag verschonten Sommer. Bei den Erntefesten im Norden von Urkentrutz: Hollergrund, Queckingen, Kardenbrache feiert man im Rondra, im Süden werden im Travia die prächtigsten Erträge von Obstgärten und Äckern mit der Gebenden geteilt.

Feste im Götterlauf

1.-5. Peraine: Beonsfest

Seit der Gründung des Thêrbunitenklosters "Beonslob" in der Nähe von Urkenfurt ist das wichtigste Fest der Baronie das von zwei Göttinnendiensten eingerahmte Beonsfest. Beginnend mit dem Peraine-Göttinnendienst am 1. Peraine findet über fünf Tage ein Jahrmarkt in Urkenfurt statt. Neben Ständen und Verkaufswagen für das leibliche Wohl und Kunsthandwerk aus der Baronie ist auch für Unterhaltung (Musik, Tanz, Spiele und Wettkämpfe) gesorgt. Es gibt sogar ein Kinderprogramm mit Märchen- und Legenerzähler, Puppenspiel, Karussell und Strohburg.
Die Tage vom 2. bis 4. Peraine sind dem gemeinschaftlichen Frondienst gewidmet. Die Stände bleiben allerdings aufgebaut und nach getaner Arbeit dürfen die Urkenfurter sich vergnügen.
Den Abschluss des fünftägigen Festes bildet am 5. Peraine (dem Beonstag) eine Prozession von der Burgkapelle in Urkenfurt zum Kloster Beonslob, wo der dem Tagesheiligen Beon von Havena gewidmete Götterdienst und die am Nachmittag veranstalteten beongefälligen "Spiele": das "Beonsturney" und das "Beonsrüben rollen" stattfinden. 
Beim "Beonsturney" treten immer zwei Gegner gegeneinander an. Sie versuchen mit einem Beonsstab, dem reich geschnitzten Wanderstab der Geweihten, eine Rübe auf einem abgesteckten Spielfeld in die für diesen Spieler markierte Ecke zu bugsieren. Unter lautstarken Anfeuerungsrufen und großem Jubel versuchen die Ortsansässigen ihr Können unter Beweis zu stellen. Als Sieger gilt wer zuerst 10 „Ecken“ für sich zählen kann.
Das "Beonsrüben rollen" ist ein Manschaftswettbewerb bei dem zwei Mannschaften von jeweils 3 Spielern gegeneinander antreten. Die eine rollte drei rote Rüben, die andere drei weiße eine Bahn entlang, an der Markierungen mit bestimmter Wertigkeit angebracht waren. Das Ergebnis der drei Würfe wurde addiert und so der Sieger ermittelt.
Bei beiden Wettbewerben gibt es einen Turniermodus, bei dem über mehrere Runden ein Sieger ermittelt wird.

Aussaatfest

Aussaatfeste finden in allen Regionen der Baronie statt. Im Norden sind es vor allem der Flachs und der Hanf, aber auch Emmer und Einkorn, die auf den wenigen Äckern gesät werden. In den kleinen Bauerngärten werden Gemüse angebaut. Im Süden der Baronie sät man die klassischen Ackergemüse und Getreide wie Dinkel, Roggen, Hafer, Gerste und Emmer aus.

Textilmarkt in Hollergrund

Am 10. Rahja findet traditionell der Hollergrunder Textilmarkt statt. Nach der Aussaat und noch rechtzeitig vor der Ernte von Hanf und Flachs stellen die fleißigen Kardierer, Spinner und Weber der Orte Hollergrund, Queckingen und Kardenbrache ihre Hanffaser- und Leinenstoffe, sowie die Produkte aus der Bortenweberei zum Verkauf. Höhepunkt des Marktes ist das Fest am Abend bei dem die "Linnenmaid" gekürt wird. Diese bekommt dann einen aus Hanfblättern und den hübschen blauen Leinblüten geflochtenen Kranz aufgesetzt und darf den ersten Tanz anführen.

Erntefeste

Je nach landwirtschaftlicher Prägung finden die Erntefeste zu unterschiedlichen Zeiten statt:

15. Rondra: Garbenpuppenfest in Hollergrund

Nachdem die letzte Ernte von Flachs und Hanf eingebracht ist wird am 15. Rondra ein Erntefest gefeiert. Auf jedem Feld wurde eine Garben, ein Bündel aus Flachs- oder Hanfstängeln, stehen gelassen. Dieses wird am Festtag zu einer Puppe gestaltet, mit Armen und einem Kopf. Man zieht dieser Garbenpuppe ein Kleid aus "Hollergrunder Linnen" an und schmückt den Kopf (in der Regel eine Rübe) mit einem Ährenkranz aus Emmer. Dann findet ein ausgelassenes Fest mit Musik und Tanz, Speis und Trank statt. Nach Einbruch der Dunkelheit werden auf den Feldern die Garbenpuppen verbrannt, was äußerst stimmungsvoll ist.

15. Travia: Erntefest in der Schwarzen Au

Nach Abschluss der Obst- und Feldfrüchteernte feiert man überall im Süden der Baronie das Erntefest. Das größte Erntefest wird in der Schwarzen Au gefeiert. Dort werden kulinarische Genüsse aus den geernteten Früchten der Au auf alle erdenklichen Weisen verarbeitet und gemeinsam verzehrt.

5. Boron: Urkenfest

In der Ortschaft Urken findet am 5. Boron ein Gedenkfest an alle in den zahlreichen Schlachten wider die Orks gefallenen Kämpfer statt. Neben einem Rondra-Götterdienst, zu dem eigens ein Geweihter vom Rhodenstein anreist, findet eine Begehung der Gräber auf dem Boronanger des Dorfes statt. Eine Spezialität des Festes, wie auch aller Begräbnisfeierlichkeiten, ist ein schmales Brot aus Dinkel oder Emmer, das mit Kümmel und Salz bestreut wird und "Seele" genannt wird.

 

Tracht

Die Tracht der Urkentrutzer unterscheidet sich kaum von der anderer Weidener. Man bevorzugt praktische Kleidung: Bruche und Tuinka. Je nach Jahreszeit und Witterung sind die Tuniken aus Wolle, Hanf oder Leinen. Die Garne und Stoffe dazu kommen zumeiste aus der Heidelandschaft im Nordosten der Baronie: aus Hollergrund, Kardenbrache und Queckingen. Das typische an den Urkentrutzer Tracht sind die Streifen und Karomuster. Im Winter werden nicht selten mehrere Lagen übereinander getragen. Frauen tragen dann langärmelige Untergewänder und kurzärmelige oder ärmellose wollene Übertuniken. Röcke werden zu besonderen Fest- und Feiertagen angelegt und mit schönen Borten geschmückt. Kopftücher und Hauben bedecken bei der Arbeit die geflochtenen oder hochgesteckten Haare. Wenn es regnet oder schneit trägt man Filzkappen oder Gugeln und greift zu Wollumhängen oder dem Balihoer Wachsmantel.

Brauchtum

Die Feste im Götterlauf, aber auch die privaten Festlichkeiten der bäuerlichen Bevölkerung wie Hochzeiten, Initiationsfeste, Geburten und Tod werden in der Regel nicht nur im Kreise der Familie begangen. Vor allem bei Hochzeitsfeiern wird groß gefeiert mit Schmaus, Musik und Tanz.

Zu den beliebten Tänzen zählt neben dem in Weiden üblichen Kettentanz, der liebevoll "Stampftanz" genannt wird, die Urkentrutzer Variante des Kloppenhauers, einem immer wilder werdenden Tanz mit diversen Figuren. In Urkentrutz wird der Kloppenhauer von gestampften und geklatschten Teilen unterbrochen, in denen die Männer und die Frauen abwechselnd ihr Können zeigten. Der „Galopp“ genannte schnellste Teil des Tanzes sorgt üblicherweise für einige Strauchler und ungewollter Abgänge, so dass letztlich nur noch ein Paar übrigbleibt.

Urkentrutzer Spezialitäten

Textilien
In der nördlich des Fialgralwa gelegenen Heidelandschaft gedeihen Leinen und Hanf. Auf der Heide weiden Schafe und Ziegen. In den Ortschaften Hollergrund, Queckingen und Kardenbrache fertigt man von einfachen Hanf- und Leinenstoffen für den Gebrauch auf dem Hof und im Haushalt, über einfarbige Stoffe, die mit Pflanzenfarben gefärbt worden waren, bis zu aufwändiger gewebten Stoffen mit Streifen- oder Karomustern alles was es an Textil gibt an. Die bekannten Stoffprodukte schmückten sich mit dem Namen „Hollergrunder Linnen“ oder „Queckinger Kram“. Woll- und Lodenstoffen werden für Kleider und Mäntel hergestellt. Auch die Grundprodukte wie Garne und Webzubehör werden in den Orten gefertigt. Die Ortschaft Kardenbrache ist für ihre farbenfrohen Borten bekannt.

Hochprozentiges
Allseits bekannt und beliebt ist der „Queckinger Rachenputzer“, ein Wacholderschnaps aus dem Dorf Queckingen. Im gesamten Süden der Baronie wird Obstwein und Obstschnaps gebrannt. Fast überall bekommt man den "Urkentrutzer Birnerla", einen Birnengeist aus Trollbirnen und Holzbirnen. In Urkenfurt und Umgebung wird das "Urkenfurter Kriecherl" sehr geschätzt, ein Pflaumenbrand aus den winzigen "Kriechen" genannten einheimischen Pflaumen und in der Schwarzen Au gibt es den "Zisserle" genannten Schnaps aus der Kornelkirsche. 

Nahrungsmittel

Fisch
Die Flüsse und Bäche von Urkentrutz sind reich an Fischen. So mancher Anreiner hat Fischteiche angelegt, um diese in ausreichender Menge für den Tisch bereitzuhalten. Beliebt sind neben Forellen, Sabling, Hecht, Rotaugen und Kretzer.

Fleisch
Der Bingenbacher Räucherschinken hat in der gesamten Baronie einen herausragenden Ruf. In der Bingenbacher Lohe, die Reich an Eichen und Buchen ist, werden die Schweine der Baronin und der Freibauern des Umlandes zur Eichel- und Bucheckernmast getrieben. Mit Salz und Kräutern eingerieben räuchert man den Schinken der Tiere in beinahe jedem Haus. In der Heidelandschaft zwischen Hollergrund, Queckingen und Kardenbrache weidet man ganzjährig Schafe und Ziegen, deren Fleisch sich dann auch ab und an auf dem Speiseplan findet.

Honig
Traditionell gibt es vor allem im Süden der Baronie viel Obstblütenhonig. Aber auch die bewaldeten Regionen liefern den süßen Immensaft: Waldhonig aus Farnbrunn und Oberwaldig. Und selbst in der trockenen Heide des Nordens sammeln die Imker Heidehonig.

Marmeladen und Fruchtmus
Der an Obstwiesen reiche Süden der Baronie liefert das Obst für Marmeladen und Fruchtmus, Fruchtweine und Obstschnaps. Beliebt sind Trollbirnenmarmelade, Marmeladen aus Thosapfel- und Holzbirnen, Kornelkirschen und Sauerkirschen, Hagebutten, Kronsbeeren, Ribisel, Erd-, Brom- und Himbeeren. Dazu Pflaumen- und Kriechenmus Die wichtigste Urkentrutzer Spezialität aber ist die "Einbeerenmarmelade" aus der Schwarzen Au.

Getreide
Die Baronie verfügt vor allem südlich des Fialgrawa über fruchtbare Böden. Doch auch nördlich des Finsterbachs baut man Getreide an. Dort herrschen die anspruchslose Gerste und Roggen vor, sowie Emmer und Einkorn. Hirse und Weizen baut man, ebenso wie Hafer, eher auf den fruchtbareren Böden an.

Ackerfrüchte
In Urkentrutz wird größtenteils Dreifelderwirtschaft betrieben. neben dem genannten Getreide baut man Bohnen, Erbsen und Linsen an. Im Norden neben Hanf und Lein auch Mohn.