Burgberg der Feste Flæcht-uf-Stên, Boron 1047 BF
„Wir können das nicht gänzlich ignorieren, mein Freund. Und du weißt genauso gut wie ich, dass wir zu denen gehören, die am ehesten eine Vorstellung haben, was auf den Zug der Freiwilligen zukommen wird. Und du, du kannst hier nicht weg. Ah, nein, das steht gar nicht zur Debatte. Aber ich, ich kann sehr wohl gehen, das muss dir klar sein. Wenn du also nichts dagegen hast, dann werde ich Moosgrunds Ritter anführen, die sich dem Zug anschließen wollen.“
Der Ritter im weißen Wappenrock mit dem schwarzen Falken darauf, löste seinen Schwertgurt und lehnte den Anderthalbhänder daran an einen Felsen, auf dem er sich dann niederließ.
„Völlig richtig, wir werden das auch gar nicht aussitzen, das ist nicht unsere Art. War sie noch nie. Selbstverständlich hast du meinen Segen, Augrimmar. Ich darf sogar sagen, dass ich dein Angebot mit einer großen Erleichterung höre, dann wird aus Corrhensteins Korsstück vielleicht nicht Aldewîns Schlachtbank. Und du weißt, dass der schwarze Falke der Nordfalks sehr wohl die Stimmung unter den Weidenern heben wird. Die Dornschilds und die Moosacher wollen auf jeden Fall Ritter stellen, und ich bin sicher, weitere werden folgen. Hochwürden Daria, die Witwe meines hohen Schwertvaters, hat sich im Übrigen bereit erklärt, die Legatur im Heerlager zu übernehmen. Und sie wird den Zug auch begleiten. Das erleichtert mein Herz, denn dann ruht das Auge Mythraels auf dem Zug.
Dabei, sagt, Hochwürden, gibt es Kunde aus dem Herz des Reiches?“
Der dunkle Ritter, der am Ufer des Pandlaril hockte und seine Hand sacht im eiskalten Wasser hin und her bewegte, wandte den Kopf und blickte den Geweihten in der grün-goldenen Robe an.
„Beunruhigend wenig verlässliche, Hochgeboren. Wir wissen immer noch nicht genau, was auf der Reliquienreise nach Wolfskopf eigentlich passiert ist. Ebenso wenig ist bestätigt, was in Hartsteen vor sich gegangen ist oder wie die Situation auf dem Mythraelsfeld sich entwickelt hat. Zu diesem Zeitpunkt, lässt sich kaum abschätzen, wie die Kaiserin auf diese gezielten Provokationen reagieren wird, da kann Rommilys noch so laut rufen. Was wir gerne als bedachtes Handeln ansehen, reden böse Zungen unter den alten Familien ja gerne als Zaghaftigkeit schlecht. Und, auch wenn ich das wirklich ungerne sage, es passiert zu viel in zu kurzer Zeit im Süden. Mater Canyraith müht sich ein klareres Bild zu gewinnen und wenn sie das hat, dann werde ich es bald danach auch wissen. Bis dahin jedoch, bleibt Ymras Schleier so dicht wie der von Fatas.
Im Übrigen möchte ich anfügen, dass ich Herrn Augrimmar ausdrücklich Recht geben will. Ganz unabhängig davon, was der Adel im Herzen des Reiches treibt, wir sollten dem Schwertzug Unterstützung nicht versagen. Denn, wie Ihr selbst sagt, Herr Arnôd, wenn nicht wir zur Besonnenheit und Vorsicht mahnen, und das vor Ort wohlweislich, wer sollte das sonst tun?“
Arnôd Pratos von Grevenstein erhob sich und rieb das Pandlarilwasser in seinen Händen trocken. Er nickte dem Präzeptoren Parinor Goldquell zustimmend zu.
„Werdet Ihr selbst gehen, Parinor?“
Der Angesprochene schüttelte den Kopf.
„Es reizt mich sehr, aber nachdem Tschandrash sich erdreistet hat, die Altgräfin zu meucheln, erscheint genau das nicht angezeigt. Ich fürchte, ich würde mehr ungewollte Aufmerksamkeit der Weißspeere auf den Zug lenken, als gut für ihn wäre. Ihr wisst so gut wie ich, dass Aschepelz noch diverse Rechnungen mit mir offen hat. Nein, ich werde in Bärwalde bleiben. Ihre Hoheit, die Herzogin, bat mich die Papiere und Schriften ihrer Tante zu sichten und mir vielleicht einen Reim darauf zu machen, was gerade überhaupt geschieht. Denn wenn jemand auch nur ein Gefühl davon hatte und das auch niedergelegt hat, dann Walderia von Löwenhaupt. Frau Walpurga war sehr, sagen wir, eindringlich in ihrer Bitte herauszufinden, wie sagte sie, ‚was in den Niederhöllen, dieses elende Schwarzpelzgezücht überhaupt treibt‘. So wie ich Aschepelz einschätze, wird sein Streben garantiert von Zielen bestimmt, die nicht nur von dieser Welt sind. Und ich will gestehen, dass mich das durchaus ängstigt.
Also nein, ich bleibe zurück und statt meiner, wird Propräzeptorin Jiskia die kleine Gruppe anführen, die der Arx Madargentea aufbieten kann.“
„Jiskia also? Das ist gut, die kennt das Land bis über die Thaschpforte hinaus wie ihre Westentasche. Und wenn jemand versteht, was der Ork für gewöhnlich treibt, dann sie. Das ist gut. Ich werde mich mit ihr zusammensetzen, wenn ich das Moosgrunder Kontingent genauer kenne. Bis zur Heerschau ist es zwar noch hin, aber ewig viel Zeit haben wir auch nicht. Ich werde auf jeden Fall bewährte Späher aus Artemas Rotte mitnehmen, Marwolf und Yerwin haben schon die Hand gehoben. Und ich weiß auch von zwei, drei Langschwertern, dass sie darauf brennen, dem Ork den schwarzen Pelz zu verdreschen. Ich denke, die kleine Falkin würde uns das nicht verwehren, eh?“
Augrimmar Nordfalk blickte Arnôd an.
„Du hast Avia schon informiert, eh?“
„Natürlich habe ich das, es ist ihr Land und es sind ihre Vasallen. Gerade eben ist ein Reiter gekommen, mit Nachricht von ihr. Ihre Großmutter hat den Brief in Empfang genommen. So, wie ich unseren Wildfang kenne, mischt sie doch schon wieder in vorderster Front bei diesen elenden Fehden der Garetier mit.“
„Du machst Dir zu viele Sorgen, Arnôd. Sie ist nur Pagin und das am Reisenden Kaiserhof. Was sollte ihr da schon passieren?“
„Das, mein Freund, beunruhigt mich ja gerade. Einerlei, der Reiter ruht sich aus und wartet, um ihr Nachricht zu bringen, wenn unser Rat abgeschlossen ist. Aber geh du mal besser zurück, ich bin sicher, dass im Rittersaal schon alle versammelt sind. Ich überlasse dir den großen Auftritt, dann wissen alle, dass du Moosgrunds Heerhaufen anführst. Berichte mir, damit Warka und ich alles einrichten könne. Es bleiben uns noch der Hesinde und der Firun, um die letzten Vorbereitungen zu treffen, bis die Heerschau zu Reichsend beginnt.
Als dann, ans Werk mit Hesindes Klarheit und Rondras Wagemut!“
***
Rittersaal von Burg Moosgrund, Boron 1047 BF
Im Rittersaal der alten Feste blickte der Thron Moosgrunds verwaist auf die Versammlung, die zu seinen Füßen stattfand. Der Baronsreif darauf funkelte im Licht des knisternden Kaminfeuers und wurde Zeuge der Beratungen. Wichtiger schien den eintreffenden Gästen aber die Klinge, die in dem Thron lehnte, denn jeder grüßte sie, wie einen alten Bekannten: Ein leicht und elegant geschwungenes Schwert mit nur einer Klinge.
Die Runde war illuster, aber recht zwanglos zusammengekommen – die meisten kannten sich und wirkten sehr vertraut miteinander.
„Gut, gut. Wenn ich mich nicht täusche, sind wir alle beisammen.“
Augrimmar Nordfalk war eben hereingekommen und rieb sich die kalten Hände. Der Blick des Junkers vom Sildromsthurm fiel auf die Rondrageweihte der Runde. Daria Carlhachil Dagortari von Perricum, die Witwe des legendären Avon Nordfalk, hatte eine Hand auf die Tatze der linken Armstütze des Baronsthrons gelegt, und nickte Augrimmar freundlich zu. Die Oberhäupter der Familien Moosacher und Dornschild, die Ritter Welmar und Thordenin, die beieinander gestanden hatten, traten an den Tisch und nickten ebenfalls. Die Draconiterin Jiskia ter Irberôd, die gerade etwas in ihr Buch der Schlange schrieb, hob nur kurz anerkennend ihren Griffel, die neben ihr sitzende Anconitin Elaria Salmbinger schlicht die Hand.
„Wir sind diejenigen, die Moosgrund auf dem Schwertzug, im Heer der Freiwilligen, repräsentieren. Und vielleicht erscheint das einigen dünn, aber ich will sagen, dass es mich stolz macht, den Weg mit Angehörigen aller Moosgrunder Häuser gehen zu dürfen.“
Ein einhelliges „Hört, hört!“ klang durch den Rittersaal, während sich alle an der Tafel verteilten.
„Rondras Segen für uns alle …“ „… und Hesindes Weitsicht ebenso.“
Der Segen der beiden Geweihten war knapp, wärmte aber dennoch die Herzen aller. Die Rondrageweihte entfaltete einen Pergamentbogen und blickte jeden einzelnen an.
„Schnell wie der Augrimmer“, sie grinste den jüngeren Nordfalk an, „hat unsere zukünftige Lehnsherrin auf das Schreiben ihres Vogts reagiert und so habe ich hier einige Zeilen aus Avias Hand, die an uns gerichtet sind und die ihr alle hören sollt.“
Daria räusperte sich und schon vom ersten Wort an, vermeinten die Anwesenden die Leichtigkeit der jungen Baroness in der Stimme ihrer Großmutter zu vernehmen.
„Getreue, die guten Götter allezeit mit Euch!
Ich kann Euch nicht genug danken, dass Ihr es auf Euch nehmt, das Banner Moosgrunds über den Finsterkamm zu tragen, um sich den Plänen des Aikar in den Weg zu stellen. Arnôd berichtet mir, dass alle Familien Abgesandte stellen – und das erfüllt mein Herz mit unbändigem Stolz! Jedem einzelnen von Euch werde ich das niemals vergessen, denn auch wenn ich jung an Jahren bin, weiß ich zu genau, was Verlust bedeutet.
Ich bin sicher, dass dieser Schwertzug kein Zuckerschlecken wird, machen wir uns also nichts vor, nicht alle, die ausziehen, werden an die Ufer des Pandlaril zurückkehren. Der Hexenmeister, den es zu stellen gilt, ist viel zu gerissen, als dass er sich einfach so zur Feldschlacht stellen lässt. Aber wir wissen das … und wir wissen, dass alles, was einen schwarzen Pelz hat, der Feind ist. Das macht es einfacher als das Versteckspiel, das sich hier im Süden gerade vor meinen Augen entfaltet. Ich bin so angewidert.
Ich habe Arnôd gebeten, Euch alles zu gewähren, das Moosgrund zur Verfügung steht, um Euren Zug einfacher zu machen. Und Meister Ingram soll jedem von Euch ein Mythraels-Amulett fertigen, damit das Auge des Erzwalkürs Euch jederzeit erblickt.
Es dauert mich, dass ich nicht in Moosgrund bin, um Euch alle zu verabschieden und meinen persönlichen Dank auszusprechen, aber seit versichert, dass ich Euch in meine Gebete einschließen werde. Und ich hoffe, Euch alle wiederzusehen! Wenn nicht in der Pandlarilsau, dann an Rondras Tafel, an der mein Großvater und meine Mütter die Gefallen erwarten.
Möge Rondras Schild Euch allezeit beschirmen und Ifirn Euch stets den rechten Weg weisen.
Nobilis es ira leaenae!
A.N.“
Daria ließ die Worte der Baroness, die als Pagin am Reisenden Kaiserhof mitten in die Wirren im Herzen des Reiches geraten war, einen Moment wirken.
„Avia bat mich, die Amulette des Erzwalkürs auch mit Rondras Segen zu versehen, was ich von ganzem Herzen gerne tun werde. Und Arnôd und Warka haben nicht geruht, Dinge vorzubereiten, wenn Ihr also glaubt etwas zu benötigen, dann lasst es sie wissen.“
„Da wird uns das ein oder andere einfallen, Hochwürden. Ich möchte Euch aber danken, dass Ihr uns die Worte unserer jungen Lehnsherrin mitgegeben habt. Sie klingt mir gerade viel zu ernst … da juckt es mich fast, ihr einen Ritter hinterherzuschicken. Nein, nein, schon gut, Welmar, mache ich ja nicht. Aber die Worte haben mich daran erinnert, dass der Zug sehr wohl mein letzter sein könnte. Und da muss ich später noch etwas mit Warka regeln, und dazu bräuchte ich auch meine andere Tochter, Thargrîn, wenn’s recht ist.“
„Ihr Dornschilds wieder, du hast Dein Erbe noch nicht geregelt, stimmt’s, Thordenin?“
„Ist nicht jeder so ein Pedant wie du, Welmar. Aber das ist alles geregelt, ich will nur, dass Warka auch die Regalien erhält, wie es sich gebührt.“
„Ich hab’s nicht so gemeint, mein Freund. Und ich bin froh, dass wir die Gelegenheit haben Seite an Seite zu reiten, weißt du?“
Die beiden Ritter reichten einander die Hände, und man konnte sehen, dass sie sehr wohl in Sorge waren, wie der Schwertzug ausgehen würde. Und wie es mit ihren Familien und Gütern voranginge, sollten sie fallen.
„Es scheint geraten, alles zu regeln, das ist richtig. Aber es ist nicht angemessen, jetzt schon mit allem abzuschließen, denn Rondra wird mit uns sein, da bin ich sicher. Und, wir werden nicht unvorbereitet sein.“
Augrimmar Nordfalk nickte entschlossen und entrollte eine Karte auf dem Tisch.
„Wenn die Heerschau zu Reichsend, also hier, abgehalten wird, haben sich die Heerführer garantiert dazu entschieden, den Finsterkamm im Norden zu umgehen. Ich wette, dass sie glauben, das Heer schneller über den Handelsweg führen zu können. Kann man anderer Meinung sein, aber sei’s drum. Das heißt, wir kommen in den Einzugbereich von Gruuzash. Ganz unabhängig davon, wie die Heerführer entscheiden: Yerwin und Marwulf führen auf jeden Fall einen Spähtrupp voraus, damit uns von da niemand in den Rücken fällt. Was wissen wir eigentlich über die derzeitige Lage in Gruuzash?“
Die Draconiterin Jiskia beugte sich vor.
„Unsere letzte Erkundung war kurz nach dem Aufflammen der Feuer. Da waren nur versprengte Orks vor Ort, keine wirkliche Kriegsmeute. Einige Mokolash, ein paar Gharrachai und noch weniger Weißspeere. Sorge bereitete Yerwin und mir allein, dass es Spuren von Wolfsreitern gab, was bedeutet, dass auch diese Ghorinchai des Finsterkamms da irgendwie mit drin hängen. Pater Parinor vermutet, dass Aschepelz seinen Schüler gesandt hat, um die Feuer zu entzünden, das Ganze eine reine Ablenkung war. Die knapp zwei Dutzend Orks in der Senke stellen aber für keinen Weidener Heerzug eine Gefahr dar. Zumindest solange nicht, solange sie nicht von den Gravachai aus Gashok entsetzt worden sind, was ich – ehrlich gesagt – aber für unwahrscheinlich halte.“
„Mokolash sind diese Sumpforks, das habe ich gelernt, aber was sind bitte Gravachai und wer sind diese Weißspeere?“
Welmar Moosacher blickte die Propräzetorin entschuldigend an.
„Entschuldigt, ich erläutere Euch das kurz. Völlig richtig, die Mokolash sind die Orks, die im Nebelmoor hausen und eigentlich als eher scheu gelten. Wie genau Aschepelz die aufgehetzt hat, gibt uns bisher Rätsel auf, allerdings ist der Name Drasogh Nebelspeer in dem Zusammenhang aufgetaucht und vielleicht merken wir uns den besser.
Die Gravachai stammen eigentlich aus dem Rorwhed und halten derzeit die Stadt Gashok. Sie sind aber als eher friedlich bekannt, soweit man das von Orks überhaupt sagen kann, jedenfalls scheinen sie bemüht, überhaupt ein Verhältnis zu den Menschen zu haben und diese nicht als minderwertiges Volk anzusehen.
Die Ghorinchai sind eigentlich Wesen der Legende. Sie waren das Volk von Nagrazz Blutfaust und galten seit der Schlacht von Saljeth als ausgelöscht. Aber die Zeichen haben sich verdichtet, dass sie seit Jahrhunderten in den Tälern des Finsterkamms Kräfte gesammelt und sich ihrer elenden Wolfszucht hingegeben haben. Man kann einen Ghorinchai daran erkennen, dass eine Hand immer blutrot gefärbt ist. Sie sind daher leicht von den anderen Orks zu unterscheiden.
Die Weißspeere schließlich sind Aschepelz’ persönliche Garde, sie tragen einen kruden, weißen Speer als Abzeichen, da sind viele ausgezeichnete Späher und mach ein Blutkrieger darunter, die dürfen wir niemals unterschätzen.“
„Ihr wisst schon, dass das jetzt nicht besonders beruhigend klingt, eh? Meint Ihr nicht, Ehrwürden, dass solche Wolfsreiter den Heerzug einfach von den Händen des Kamms angreifen könnten?“
Thordenin Dornschild wandte sich der Draconiterin zu, die ihn seelenruhig anblickte.
„Oh, ganz gewiss … ich bin sogar überzeugt davon, dass sie genau das tun werden. Zwar ist ein Wolf einem Tralloper nicht gewachsen, was die Ausdauer angeht, aber für einen schnellen Gebirgsabstieg sind sie ideal. Khargash, der Kriegshäuptling der Gharrachai, ist viel zu gerissen, um genau das nicht wieder und wieder zu versuchen. Das kann mürbe machen.“
„Was dann bedeutet, dass wir Heermeister Brin und Prinz Arlan auf jeden Fall dazu bringen müssen, Späher an den Flanken zu haben. Sowieso brauchen wir Späher, die weit vor dem Zug auf Streife gehen, denn nur die Vor- und Nachhut können uns nicht gescheit vor Gefahren warnen. Ich hoffe, dass die Heerführer dahingehend verständig sind.“
Augrimmar schüttelte den Kopf.
„Könnt Ihr zusehen, dass wir Kopien dieser Karten bekommen, Jiskia?“
„Die sind schon in Arbeit und sollten alsbald fertig gestellt sein. Wir werden drei Sätze davon haben, denn die sind etwas filigran, wie Ihr vielleicht bemerkt habt.“
„Ich glaube, dass wir und unsere Lanzen ganz gut vorbereitet sein werden, aber wie steht es denn mit dem sonstigen Waffenvolk? So wie ich das verstanden habe, haben ja einige Grenzreiter und Langschwerter ihre Wimpel in den Ring geworfen. Und ich weiß, dass einige Veteranen aus den Landwehren gemeldet habe. Ich würde es begrüßen, wenn wir diesen Trupp im Vorfeld an einem Ort versammeln könnten. Damit sie sich kennenlernen und vielleicht auch mal zusammen Spieße oder Äxte kreuzen könnten.“
„Sehr gute Idee, Welmar. Ich würde das absolut unterstützen wollen.“
„Und wenn wir ohnehin nach Reichsend müssen, werden wir doch wohl hoffentlich über den Alten Weg ziehen. Ich würde daher Grünharsch als Versammlungsort anbieten. Vielleicht ab Hesinde? Bei den Witterungsverhältnissen dürfte es sonst schwierig sein, das zu organisieren, oder?“
„Die Grevensteiner Freiwilligen würden das sicherlich begrüßen und ich finde Eure Idee sehr gut, Welmar. Tatsächlich hat unser Vogt Arnôd sich mit Lanzelund von Weiden-Harlburg, dem Baron der Hollerheide, bereits ausgetauscht und unsere beiden Haufen werden zusammen ziehen, das heißt, wir reisen tatsächlich über den Distelstein. Ich würde Arnôd bitten, ausrufen zu lassen, dass die Moosgrunder Freiwilligen sich in der ersten Hesindewoche in Grünharsch sammeln sollen. Grünharsch ist wirklich eine gute Wahl. Wir können die Dinge, die wir brauchen ohne weiteres auf die Turmburg schaffen.“
Die Salmbingerin in ihrer grünen Magierrobe hob die Hand.
„Auch wenn mir bewusst ist, dass es sich um einen Schwertzug handelt, hohe Herren, ohne eine ausreichende Zahl an Heilkundigen sollten wir diesen Zug nicht antreten. Ich war so frei, mich da etwas umzuhören. Meisterin Neunhild aus dem Heim der Milden Schwestern wird sich uns anschließen sowie einer der Schüler von Meister Narover. Und ich hoffe auf Botschaft aus dem Kloster Beonsquell in Mittenberge.“
„Hervorragend, Ihr macht Eurem Ruf alle Ehre, wohlgelehrte Dame. Wäre ich nicht schon mit einer Salmbinge vermählt, würde ich glatt bei Euch vorstellig werden wollen. Gut getan.“
Elaria Salmbinger lachte auf.
„Eine Sache sollten wir klarstellen, damit wir uns nicht irgendwann eine Blöße geben, wenn wir auf andere Teile des Heeres stoßen. Nämlich, wer wann das Sagen hat.“
Augrimmar Nordfalk holte Luft.
„Als ranghöchster Adliger werde ich, mit dem Segen und in Vertretung des Moosgrunder Vogts Arnôd Pratos von Grevenstein, unseren Haufen befehligen und auch nach außen vertreten.“
Die beiden Ritter klopften lautstark auf die Tischplatte und kommentierten das mit einem vernehmlichen „Aye!“
„Wie stets erwarte ich aber, dass ihr alle Zweifel äußert oder Rat gebt, außer vielleicht wir sind gerade in der Hitze des Gefechts, wenn es schnell gehen muss. Ich würde es begrüßen, wenn Ehrwürden Jiskia die Geweihten und Zauberkundigen anweisen könnte, denn auch wenn ich eine grundsätzliche Vorstellung davon habe, was da zu leisten wäre, denke ich sie ist für diese Aufgabe prädestiniert. Jiskia?“
„Auch wenn ich darin nicht so kundig bin wie pater Parinor, werde ich das gerne tun. Es ist klug, das durchzugehen, denn die Hexerei der Orks kann uns wirklich gefährlich werden. Elaria, einverstanden?“
„Ganz und gar. Eine gute Idee, wie mir scheint.“
„Dann müssen wir noch jemanden benennen, der dem Waffenvolk eine Stimme verleiht. Ich dachte entweder an Gerbrand Furtwanger, was meint ihr?“
„Ja, in der Tat ein guter Mann. Und beliebt bei den Leuten, wie ich höre. Der hat sich viel von Wölflin abgeguckt, das dürfte auch nicht verkehrt sein. Ich hoffe nur, dass der gutaussehende Bursche nicht andauernd von den Damen aus den anderen Baronien angehimmelt wird.“
„Ach, kann doch nicht schaden, immerhin schafft das Verbundenheit. Gute Wahl würde ich meinen.“
„Sehr gut, dann sind beinahe schon durch. Ach ja, Arnôd sagte, dass sich wohl auch zwei oder drei Elfen der Sturmtanz sich dem Zug anschließen wollen, aber ehrlich gesagt, würde ich die sich selbst überlassen. So wie ich die kennengelernt habe, werden die ohnehin eher ihrem Gefühl folgen, als Weidener Kriegstaktik. Aber es ist gut, dass auch sie mit von der Partie sind.“
„Als Schützen dürften die wohl kaum zu übertreffen sein, völlig richtig. Ich höre mich mal um, wer sich da entschieden hat mitzugehen. Aber eine Sache noch, wäre es nicht auch angezeigt, dass wir einen soliden Schmied mitnähmen? Und vielleicht wäre jemand, der kochen kann, auch nicht verkehrt.“
„Guter Punkt, Thordenin. Ich werde mal bei bei den Wolfenbühls nachhören, die wären genau die richtigen dafür.“
„Dann soll Arnôd versuchen, der guten Frau Wortinger einen passenden Wagen für diese Angelegenheit aus dem Kreuz zu leiern. Ich bin sicher, dass Meisterin Adaque und da unterstützen wird.“
Augrimmar hob die Hände.
„Dann haben wir vorerst alles, würde ich meinen. Und es gibt genug zu tun für uns. Allzu viel Zeit bleibt uns auch gar nicht, denn die Witterung verlängert die Dauer unserer Reise drastisch. Stärkt euch, während ich Arnôd kurz berichte, er will unserer Lehnsherrin Kunde schicken. Und sie sicherlich ermahnen, sich bedeckt zu halten – ein hehres Anliegen, das sicherlich ebenso diffizil ist, wie unsere Planungen hier.“