Der Besuch


Gut Pergelgrund, Boron 1031 BF

Es war einer dieser typischen verregneten Borontage. Hainrich hatte den Tag über auf dem Gut zu tun gehabt und völlig durchnässt und verfroren nach Hause gekommen. Nun saß er in eine frische Toga gehüllt vor dem offenen Kaminfeuer, während sein Weib, Aerin, den kleine Bogomil an ihrer Brust nährte. Seine Schwiegermutter, die alt Firla Schnewlin, saß ebenfalls nahe am Feuer und war mit Stickereien beschäftigt. Trotz des Wetters war es ein schöner Abend und langsam machte sich bequeme Müdigkeit bei Hainrich breit.

Aus dem Grau der Regenschleier und dem dunklen Waldrand erschien die Gestalt des Reiters fast wie ein Geist aus dem Nichts. Die Kapuze seines grauen Umhanges hatte die Gestalt tief ins Gesicht gezogen. Kurz bevor sie das Tor Pergelgrunds erreichte, öffnete sich dieses und ein bewaffneter Mann trat hervor. „Sei gegrüßt, Reisender. Erkläre dich, was ist dein Begehr?“

Der Reiter richtete seinen Oberkörper auf, so dass er dem Wächter ins Gesicht schauen konnte. Dabei öffnete sich sein Umhang wie zufällig und gab einen Blick auf seine Brust frei.

„Verzeiht, hoher Herr, ich habe…der Regen, man konnte…“ stammelte der Wächter plötzlich und wurde unruhig.

„Du bist der Wächter dieses Tores. Wie schlecht wärest du für diese Aufgabe geeignet, wenn du jedem Reisenden ohne Misstrauen begegnen würdest. Aber jetzt lass mich rein und führ mich zu deinem Herren.“ Antwortete ihm eine sanfte Stimme durch den Regen.

Hainrich fielen die Augen zu und sein Kinn fiel ihm auf die Brust. Dann schreckte er plötzlich hoch, als sich die Tür zu seiner Halle abrupt öffnete. Es war die Torwache, die eintrat „Herr, ein Besucher wünscht euch zu sehen. Er bittet um Unterkunft für die Nacht.“ Dabei huschte sein Blick mehr zu der alten Firla, als zu Hainrich. Dies blieb diesem nicht verborgen und sein Gesicht verzog sich ungnädig. Immerhin war er schon einige Zeit hier und die Geschicke des Gutes waren ihm spätestens seit seine Frau schwanger ging übertragen worden. Dennoch schien dieser Kerl seiner Schwiegermutter mehr Respekt entgegen zu bringen.

Gerade wollte Hainrich zu einer Antwort ansetzen, als die Tür erneut aufging. Mit großen Schritten betrat eine hochgewachsene Gestalt den Raum. Kaum innerhalb der warmen Stube, streifte der Fremde den durchnässten Umhang ab und gab somit den Blick auf seine Erscheinung frei. Und diese war wahrlich nicht gewöhnlich. Er war hochgewachsen und von schlankem Wuchs. Glattes, silbergraues Haar hing halblang bis fast auf die Schultern und verhüllte teilweise das Gesicht. Was Hainrich sofort auffiel, waren die großen wasserblauen Augen, die ihn fixierten und von denen er sich kaum abwenden konnte. Die ungewöhnlich glatten Gesichtszüge machten es kaum möglich, ein Alter zu schätzen. Auch seine Kleidung war auffällig. Er trug einen blauen Wappenrock, auf dem ein weißer Schwan abgebildet war. Darunter trug er offenbar einen Lederharnisch aus hellem, fast weißem Leder. Aus demselben Material waren auch Arm- und Beinschienen gefertigt. Am Auffälligsten jedoch war ein schwerer Umhang, den er unter dem wollenen Regenschutz trug, auf den Schultern, der fast bis zum Boden reichte und ganz aus weißem Pelz bestand.



Als er die Mitte des Raumes erreicht hatte, blieb er stehen, stemmte die Arme in die Hüften und sprach: „Habt dank für den Einlass an diesem unwirtlichen Abend. Travias Segen über euch und euer Heim. Ich bin Farling Schnewlin. “ sagte er an Hainrich gerichtet und nickte ihm knapp zu. Dann wandte er sich um. „Und wo sind die alten und jungen Schnewlins, die mich begrüßen?“ Die alte Fila erhob sich lachend und fiel ihrem Vetter in die Arme. Auch Aerin erhob sich und ging mit dem Säugling auf dem Arm zu ihrem Großonkel. Dieser betrachtete den kleinen Jungen eindringlich. Ganz so, als würde er nach etwas bestimmten suchen. Dann nahm er ihn behutsam in die Hände, hielt ihn vor sich und betrachtete ihn weiter. Dann lachte er hob den kleinen hoch über seinen Kopf „Ifirns Gnade über dich, neuer Schnewlin. Mögest du den Göttern zu gefallen und deiner Familie zum Nutzen leben. Hoho, eine große Zukunft liegt vor dir, dass spüre ich genau.“ Dann gab er das Kind in die Arme seiner Mutter zurück und setzte sich an den großen Tisch. „Ach, die Reise war lang und beschwerlich für einen alten Mann. Mich dürstet und mit knurrt der Magen.“ sagte Firnwan und blickte Hainrich, der bei all dem noch nicht zu Wort gekommen war, auffordernd an.

„Birsel!“, als Hainrich abermals anhob zu sprechen unterbrach ihn sein Weib mit einem lauten Ruf nach ihrer Magd. In die Halle trat ein junges, blondes Mädchen, welches gerade einmal siebzehn Sommer zählte und ob ihres hübschen Gesichtes wohl jeden Mann des Dorfes mit einem bloßen Augenaufschlag um den Finger wickeln könne; ihre grünen Augen blickten schüchtern zum eben eingetroffenen Gast und sie deutete eine Verbeugung an. „Birsel bringe unserem Gast etwas von dem belebenden Kräutertee, etwas Brot und Hartwurst“, fuhr Aerin in gestrengem Ton fort ohne das Mädchen anzublicken. Die junge Magd huschte in die Küche und war bereits außer Hörweite als Hainrich „… und etwas Schnappes …“ hinzufügte – der Ritter hatte sich bereits wütend vom Tisch erhoben und blickte Firnwan ungläubig an – er ballte seine Faust und schob drohend sein Unterkiefer vor. Als sein Blick jedoch den seiner Frau traf setzte er sich mit einem Räuspern wider auf seinen Stuhl. Es war ungeheuerlich, dieser Firnwan sprach mit ihm als wäre er ein Knecht…ein Kn… er rieb wütend mit seinen Zähnen aneinander…dabei war er doch faktisch der Herr über das Tal!

„Nun Ritter Firnwan erklärt Euch, was ist Euer Begehr?“, fragte Hainrich mit rauer Stimme. „Ihr habt den weiten Weg doch nicht ohne einen Grund zurückgelegt?“ Als der Gugelforster, in Erwartung einer Antwort zu seinem Gegenüber blickte, schritt die hübsche Birsel durch die Tür in die Halle und stellte dem Herrn von Firnsteyn eine dampfende Tasse Kräutertee auf den Tisch. Der Tee, welcher aus erlesenen Kräutern der Perainegeweihten Theria hergestellt wurde verfehlte seine Wirkung nicht - der Aufguss war so stark, er hätte sogar einen Lahmenden wider auf die Beine gebracht.

Ohne weiter auf eine Antwort zu warten fuhr Hainrich fort: „Wenn Ihr wollt und Euch erwärmt habt zeige ich Euch das Gut, Ritter, danach könnt Ihr Euch die Waffenübungen der Erwachsenen anschauen. Nach Einbruch der Nacht könnt Ihr mich bei meinem Kontrollgang begleiten, wenn Ihr es wünscht. Bei uns in Pergelgrund ist es üblich, dass die wehrfähigen Mannen und Frauen neben ihrem Handwerk auch Wehr- und Wachdienste erfüllen müssen. Wir kontrollieren dabei jede Nacht den Waldrand auf Auffälligkeiten“, voller Stolz fuhr er fort: „bei einem Überfall der Orken würden alle Bewohner Pergelgrunds zu den Waffen greifen und dem Saupack zeigen, wo seine Grenzen sind.“ Hainrich lehnt sich entspannt in seinen Stuhl, verschränkt seine Arme und blickt erwartungsvoll zu seinem Gegenüber. „Was meint Ihr?“…


 

Was man über Firnwan Schnewlin sagt:

Firnwan ist das Oberhaupt der Familie Schnewlin und steht dieser als wahrer Patriarch vor. Loyalität, Respekt und Gehorsam fordert er zumindest von den direkten Verwandten.

Er zählt bereits 55 Winter, was man ihm aber nicht ansieht. Manche behaupten, es würde Magie dahinter stecken.

Die Familie Schnewlin hat eine sehr starke Bindung zur Göttin Ifirn. Während des Flößeraufstandes in Beonfirn vor einigen Wochen, ereignete sich ein Wunder der Schwanengleichen, bei dem Firnwan, sein Bruder Farling sowie seine beiden Kinder von der Göttin geschützt und mit göttlicher Macht ausgestattet wurden.

Einige behaupten, die Schnewlins würden sogar von einem von Ifirns Silberschwänen abstammen.

Firnwan war nach dem Fall Borbarads ins Bornland aufgebrochen und hat dort gegen die Eishexe gekämpft. Es gibt viele Geschichte über seine angeblichen Heldentaten, u. a., dass er im Ifirnsrudel gekämpft haben soll. Er galt fast 10 Jahre als verschollen, tauchte aber 1029 plötzlich wieder auf.

Er lebt in einer alten Burgruine – Burg Firnsteyn – im Wintertann in der Baronie Schneehag.

Die Fehde zwischen den Familien Böcklin und Schnewlin ist legendär.

Die Schnewlins sind vor allem bei der einfachen Bevölkerung sehr beliebt.

Das Geschlecht ist schon lange auf dem absteigenden Ast, was vor kurzem in der Entlehnung Elfwid Schnewlins (Aerins Tante) mit dem Edlentum Orkenwacht gipfelte. Seit dem gibt es nur noch Eulenstein und das Junkertum Wintertann mit der Burgruine im Familienbesitz sowie – indirekt – auch Pergelgrund. Ein Umstand, der Firnwan jedoch nicht daran hindert, wie ein Hochadliger aufzutreten und sich auch so zu verhalten. Man sagt der Familie aber immer noch ausgezeichnete Kontakte innerhalb der Heldentrutz nach.


„Gemach, gemach, junger Hainrich. Mich schickt nicht eure Lehnsherrin um darüber zu befinden, ob ihr ihre Güter gut verwaltet. Ich war lange Zeit fern der Heimat und bin noch nicht ganz wieder angekommen. Es verlangte mir danach, meine Familie wiederzusehen. Die neuen“ – sein Blick glitt von Hainrich zu dem kleinen Bogumil – „wie die alten.“ – wobei er auf Hainrichs Schwiegermutter blickte. „Aber gerne könnt ihr mich herumführen und mir alles zeigen. In den letzten Jahren hat sich hier sicher einiges getan. Vielleicht Morgen, wenn es euch nichts ausmacht. Für heute, gönnt einem alten Mann noch ein paar Stundengläser am warmen Feuer.“

„Eigentlich müsste ich beleidigt sein, werter Vetter.“ sagte Fiya. „Wo sind Fiya und Firung? Die beiden sind doch jetzt auch schon erwachsen.“ Das Familienoberhaupt der Schnewlins nickte langsam und bedächtig. „Ja, die beiden sind erwachsen. Und leider kennen sie ihre Heimat nicht, da ich sie so lange davon ferngehalten habe. Für Fiya ist das kein Problem. Sie hat ihr Tun und Trachten schon früh der Schwanengleichen gewidmet. Ihr geht es gut in Beonfirn. Doch nach dem Aufstand im letzten Jahr und dem was im Tempel geschah, hat sie nur noch selten Zeit für andere Dinge. Firung nimmt andere Aufgaben wahr. In diesen Zeiten gilt es, sich alter Freunde zu erinnern. Das ist im übrigen….“ Er hielt inne, als die Tür sich öffnete und die hübsche Magd Birsel wieder herein kam. Hainrich hatte bereits vorhin bemerkt, mit welchen Blicken der alte Schnewlin das junge Mädchen bedacht hatte. Und auch jetzt machte er keinen Hehl daraus, dass ihm die Kleine gut gefiel. Die Magd stellte das Tablett auf den Tisch, machte artig einen kleinen Knicks und sagte schüchtern „Bitte sehr, Hoher Herr. Möge es wohl munden.“ Firnwan lächelte freundlich „Wie könnte etwas aus so schönen Händen, nicht munden. Ich bin sicher, wie ein Fürst zu speisen, wenn ich dabei an euer bezauberndes Antlitz denke.“ Nun wurde die hübsche Birsel doch verlegen und leichte Röte stieg ihr ins Gesicht. Schnelle knickste sie wieder „Habt Dank für die schönen Worte, Hoher Herr.“ Sagte sie schnell, drehte sich um und verließ den Raum. Firnwan blickte ihr nach „Hmm, hübsches Kind“. Er brach ein Stück Brot ab ließt dies in seinem Mund verschwinden. „Wo war ich stehengeblieben? Nun, ich gebe zu, dass ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden habe, als ich kam. Sicher ist es auch bis hierhin vorgedrungen, welch große Gnade die Schwanengleiche uns Schnewlins in Beonfirn zugedacht hat. Und eben deshalb sind wir in der Pflicht, diesen elenden Frevler Falber zur Strecke zu bringen. Nun hat mich Nachricht aus der Baronie Wolfenbinge erreicht, wo diese verlorene Seele mit seinen Schergen für Unheil sorgt. Man hat offenbar herausgefunden, wo und wann er als nächstes zuschlagen wird.“ Firnwans Mund umspielte ein Lächeln „Wie der Jäger den Hirsch an der Quelle trifft, werden wir Falber dort Stellen. Baron Rondrian von Blauenburg hat die Rolle der Schnewlins in Beonfirn nicht vergessen und ersucht uns um Hilfe. Und im Namen Ifirns, stehen wir in der Pflicht.“ Er machte eine kurze Pause und ließ den Blick über die Anwesenden schweifen „Ich brauche die Schwerter Pergelgrunds und zwar so schnell wie möglich.“



Aerin verfolgte die Szenerie entspannt in ihrem abgewetzten Ledersessel sitzend. Sie kratzte sich am Kinn und schaukelte den kleinen Bogumil liebevoll im Arm. Ihre großen himmelblauen Augen musterten Firnwan gespannt - die lustvollen Blicke, die er an ihre Magd Birsel richtete entgingen auch ihr nicht, was ihr ein unterdrücktes Schmunzeln abrang. „Der alte kanns nicht lassen“, dachte sie mit einem leichten Nicken, „Birsel war aber auch wahrhaftig von Rahja gesegnet.“ Ihre Schönheit war ein nicht eben unbedeutender Grund, warum sie das junge Mädchen einst bei sich aufnahm - sie würde draußen am Feld die Knechte und Bauern doch nur von ihrer Arbeit ablenken … Wieder musste Aerin schmunzeln, doch diesmal gelang es ihr nur leidlich diese Gefühlsregung für sich zu behalten …

„Gütige Peraine wo ist es denn nur?“, mit einem Runzeln auf der Stirn blickte sich der Knecht Rulman in seiner Umgebung um, „ich hatte es doch hier ans Tor gehängt …“ Es war inzwischen dunkel geworden im Tal und auch ein, für den Boron-Mond so typischer leichter Nieselregen war aufgezogen. „Wo ist nur dieses verfluchte Signalhorn, das auch immer mir das passieren muss …“ Inzwischen war die dunkle, einsame Gestalt bereits in Rufweite des Knechtes geritten, welcher sie mit zu schmalen Schlitzen geschlossenen Augen musterte und in Hoffnung auf eine Antwort mit lauter Stimme anhob zu sprechen; „Rondra mit Euch Reisender …“ – doch er erhielt keine Antwort. Die Gestalt ritt unbeirrt dem Tor entgegen, angetan mit einem dunklen Kapuzenmantel auf einem Ross, welches zwar von muskulöser Gestalt, doch keineswegs ein Schlachtross zu nennen war und einige Schritt dahinter an einen Strick gebunden schlenderte eine sichtlich unwillige Ziege hinterher …

Rulman war bei diesem Anblick nicht Wohl zu mute, er schritt mit schüchternem Schritt hinaus vors Tor, während er mit raschem Griff den korrekten Sitz seiner Lederrüstung kontrollierte und seine Hauswehr in der Scheide etwas lockerte. Der junge Waffenknecht wusste, dass er, sollte es denn wirklich hart auf hart kommen, ganz auf sich alleine gestellt wäre, was mit der Tatsache zusammenhing, dass sich sein Signalhorn nicht auffinden ließe. Mit einem leisen Fluch auf den Lippen musterte er noch einmal den dunklen Reiter und seine vierbeinige Begleiterin und suchte nach Hinweisen auf seine Bewaffnung und Kampfesweise, was ihm aber auf Grund der Dämmerung und der verhüllten Erscheinung des Fremden unmöglich war…

„Erklärt Euch Reisender“, Mit entschlossener Stimme stellte sich Rulman dem Fremden, entgegen „Na los…“ Der junge Pergelgrunder biss sich auf die Lippen während seine Rechte sich langsam zu seiner Waffe bewegte, als der Fremde nun doch endlich sein Schweigen brach; „die Zwölf zum Gruße, Rondra und Firun voran! Mein Name ist xy und ich bringe Botschaft von meiner Herrin - Ihre Wohlgeboren Yolanda Böcklin von Bockenstein - für die Herrin von Pergelgrund und ihre Frau Mutter.“ Bei den letzten Worten huschte ein grimmiges Lächeln über das kantige Gesicht des Boten …

… Hainrich lehnte sich entspannt in seinen Sessel und strich sich mit seiner Hand über sein Kinn während er seinen Gast mit starrem Blick fixierte. „Wohlan Firnwan Ihr braucht Hilfe und Pergelgrund wird Euch helfen, doch kann ich nicht jedes Schwert, das mir hier zur Verfügung steht entbehren – es wäre nicht gut das Dorf so lange unbewacht zu lassen. Dennoch werde ich selbst Eurem Schwertzug wider den verblendeten Falber folgen.“ Hainrich ballte seine Linke zu einer Faust und führte sie an seine Brust. „Der Waffenknecht Rulman und der Bursche Ragnir werden mich begleiten. Rulman ist ein talentierter Kämpfer und Ragnir ein hervorragender Jägersmann, ich denke das sollte …“ „Ich werde mit Euch gehen …“, mit zögerlicher Stimme und leicht rötlichen Wangen meldete sich Firla Schnewlin zu Wort: „…auch ich trage den Namen Schnewlin, auch ich stehe der Schwanengleichen gegenüber in der Pflicht …“

Aerin, welche das Gespräch bislang kommentarlos verfolgte sah mit erstauntem, sorgenvollem Blick zu ihrer Mutter; „Mutter, das könnt Ihr nicht tun, wie viele Götterläufe ist es nun schon her, dass Ihr das letzte Mal Euer Schwert in Händen hieltet?“ „Das ist unwichtig mein Kind …“, mit einer abwinkenden Handbewegung in Aerins Richtung wusch sie den Einspruch ihrer Tochter hinfort und fuhr in Richtung Hainrich fort; „Nun was sagt Ihr?“ Der stämmige Ritter blickte ernst zu seinem verzweifelt wirkenden Weib, während er von einem tiefen Brummen begleitet mit dem Kopf nickte. „Sie kommt mit uns. Nun, Firnwan ...“

Hainrichs Ausführungen wurden jäh durch ein Klopfen am Tor der Halle unterbrochen – hinein trat ein durchnässter Jüngling, welcher mit unsicherem Blick in die Runde sah. „Rulman! Was will er denn jetzt schon wieder? Immer dasselbe mit euch jungen Knechten…“, fuhr der Gugelforster Rulman in scharfem Ton an, welcher ihm mit zitternder Stimme entgegnete; „Ihr … Ihr habt Besuch. Ein Bote aus …äh … ich meine vom Bock … äh …Bockenstein …“ Die mehr oder weniger herzliche Stimmung am Tisch schlug schlagartig um, Aerin blickte den Knecht mit offen stehendem Mund an, Firla ließ ihre Stickerei fallen und war von ihrem Sessel aufgesprungen und Firnwan gar hatte seine Hand am Schwertknauf, als Hainrich seine rechte Faust auf den Tisch schnellen ließ und mit hochrotem Kopf rief; „Bei Mütterchen Travia! Rulman sage er mir nicht, dass er einen Gast Pergelgrunds draußen im Regen stehen lässt. Ob willkommen oder nicht, das tut hier nichts zur Sache! Bringe er ihn hinein!“ Mit einem leichten Kopfnicken verschwand Rulman im Tor um wenig später an der Seite des Boten wieder vor den Hohen Herrschaften zu erscheinen…



Firnwan sah Hainrich in die Augen, dann blickte er zu Aerin und sprach „Eine gute Wahl hast du mit diesem Mann getroffen. „ Dann wandte er sich wieder Hairnich zu „Es erfüllt mich mit Stolz, dass ihr euch dieser Sache ohne zaudern anschließt, obwohl sie euch nicht betrifft. Selbstverständlich erwarte ich nicht, dass ihr euer Heim gänzlich ohne Schutz zurücklasst. Ihr wäret kein guter Gutsherr und Vater, hättet ihr anders entschieden. Ich würde vorschlagen …“ Er wurde durch das Erscheinen des Boten unterbrochen.

Herein kam ein Mann mittleren Alters. Er trug einfache, warme Kleidung und einen dicken Ledermantel als Schutz vor dem Regen. Zum Erstaunen der Anwesenden führte er eine klitschnasse Ziege mit in den Raum., welche sich gleich kräftig schüttelte und zur Begrüßung ein lautes meckern von sich gab. Darüber hinaus trug der Mann noch ein in Ölzeug eingeschlagenes Bündel unter dem Arm. Als er sich den Mantel vorne öffnete, kam ein einfaches Schwert zum Vorschein und ein schwarzer Waffenrock mit einem silbernen Ziegenbock über dem Herzen. Bei diesem Anblick ließ Firnwan gleich ein unmütiges Schnaufen von sich und die Fiya erhob sich sogleich, sagte aber vorerst nichts.

„Das geht ja zu wie im Taubenschlag heute. Wer schickt euch und was soll das Viehzeug in meiner Halle?“ polterte Hainrich los.

„Alrik Bockensteiner, Hoher Herr“ stellte sich der Mann schüchtern vor. „Ihre Hochgeboren, Junkerin Yolanda Böcklin von Bockenstein schickt….“

„Pah, jetzt nennt sie sich schon wieder ´Junkerin`. Ehrloses Weib.“ grummelte Firnwan laut genug, als dass es jeder hören konnte. Alrik wurde sich der Anwesenheit des Schnewlins wohl erst jetzt bewusst und wurde plötzlich merklich blasser.

„Sprich weiter, Mann“ sagte nun Aerin. Alrik straffte seinen Körper und vermied gezielt den Blick einer der Anwesenden zu kreuzen als er die Worte wiederholte, die man ihm aufgetragen hatte „Die Ziege soll ich der stolzen Mutter überreichen, auf das der neue Heldentrutzer Groß und Stark werde. Dies hier soll ich der hohen Frau Firla geben, auf dass sie in Frieden ruhen möge.“ Dabei wickelte er das Bündel aus und hielt ein Kissen hoch. Der weiße Leinenbezug war mit roten Flecken übersät. Firnwan sprang auf, riss Alrik das blutige Kissen aus den Händen und zerriss es. Blutige Daunen regneten durch den Raum.

Fiya schnappte hörbar nach Luft. Ihr Gesicht war versteinert und in ihren Augen loderte der Zorn. Jener Zorn, den sie mit allen Schnewlins seit Generationen gemeinsam hatte. Ihr Blick fiel auf ihre Tochter Aerin, die mit ihrem Enkel auf dem Arm dasaß und sie erschrocken anschaute. Der kleine fing an zu schreien. Fiya hatte den Hass auf die Böcklins schon mit der Muttermilch aufgesaugt. Doch sie hatte sich immer geschworen, dies ihren Kindern nicht anzutun. Doch sie hatte auch Stolz, war eine Ritterin Weidens. Diese Unverschämtheit konnte sie nicht ignorieren. Jetzt stand sie da und ihre Tochter und ihr Vetter sahen sie an. Letzterer schien mehr an ihrer Reaktion interessiert zu sein, als an dem Zwischenfall selbst.

Firla ballte ihre Fäuste als sie ihren Blick abermals auf den Boten richtete – tief gruben sich ihre Fingernägel in das Fleisch ihrer Hand als sie mit sanfter Stimme anhob zu sprechen: „Sage Er seiner Herrin ihre Sorge um mich Ehre sie, doch kann Er seine Geschenke wieder zurück auf den Bockenstein bringen“ – ihr Blick fiel auf die blutigen Daunen auf dem Boden der Halle – „und es wäre wohl das Beste für Ihn wenn Er Pergelgrund noch heute wieder verlässt. Es ist wahrlich kein guter Boden für Abgesandte der Bockensteinerin.“ Alrik war ob dieser sanften Reaktion verwundert, hatte er sich doch ganz andere Dinge ausgemalt, wobei seine Vorstellung davon, aus der Halle geprügelt zu werden noch die harmloseste war. Beeindruckt von der Reaktion der Schnewlinerin; er selbst wusste um die Feindschaft, die die beiden Familien schon seit Jahrhunderten verband, verneigte er sich vor Firla und den anderen hohen Herrschaften und wollte gerade zurück in Richtung Tor gehen, als Hainrich ihn in diesem Vorhaben unterbrach; „Halte ein Bursche! Keinem Boten wird in meiner Halle traviagefällige Aufnahme verwehrt – es sei denn er trägt einen schwarzen Pelz.“ Hainrich lachte auf, verschränkte seine Arme und blickte in Firlas Richtung, welche sich abermals vom Tisch erhob und mit grimmigem Gesichtsausdruck die Halle verließ, als er nach kurzer Pause fortfuhr; „die Ehre gebietet es uns nimm platz und iss etwas Junge. Birsel bringe unserem Gast etwas Brot und Käse und mein Schreibzeug - schließlich will ich den Boten nicht mit leeren Händen zurück zu seiner Herrin schicken.“ Die junge Magd war gerade damit beschäftigt die blutigen Daunen vom Boden zu entfernen, fügte sich jedoch gehorsam dem Wunsch ihres Herren und huschte mit schnellen Schritten in die Küche…



Der Verlauf der Ereignisse verwunderte Aerin wohl genauso sehr wie Firnwan – beide blickten sich etwas unschlüssig an, als Hainrich dem Boten jedoch das Gastrecht gewährte und Firla daraufhin den Raum verließ lief Aerins Gesicht vor lauter Zorn rot an, selbst der kleine Bogumil spürte die Anspannung seiner Mutter und begann abermals zu schreien. Aerin liebte und bewunderte das fromme und ritterliche Wesen ihres Gemahls – denn in diesen schweren Zeiten verlieh ihr sein unerschütterlicher Glaube ein besonderes Gefühl der Geborgenheit, doch die Einladung zur Speisung eines Boten des Feindes gegen den Willen ihrer Mutter überspannte den Bogen deutlich. Mit einer hochgezogenen Augenbraue blickte Aerin zu Firnwan, welcher die Szenerie, zumindest äußerlich, überraschend gelassen verfolgte…

Mit zögerlichem Schritt bewegte sich Alrik Bockensteiner zur schweren Eichentafel während sein Blick auf dem alten Firnwan haften blieb, seine strengen wasserblauen Augen musterten ihn und es schien ihm als könne der Schewliner tief in ihn hineinblicken. Mit weichen Knien und nach einem aufmunternden Nicken Hainrichs setzte sich der junge Bote an die Tafel, ohne jedoch Firnwan aus den Augen zu lassen…

Was dieser auch nicht tat. Minutenlang musterte er schweigend und mit durchdringendem Blick den Boten beim Essen. Nun glaubte Alrik nachvollziehen zu können, wie sich Verurteilte vor dem Gang zum Richtblock fühlen mussten, bei der Henkermahlzeit. Es hätte ihn kaum gewundert, wenn man ihn nach dem Essen packen und am nächsten Baum aufgeknüpft würden. Doch noch bevor er fertig war, erhob sich der alte Schnewlin, ging zu Hainrich, der über seiner Antwort an den Bockenstein saß. „Ihr achtet die Gebote der Gastfreundschaft. Nichts anderes habe ich von einem guten Gutsherren erwartet. Und das man den Boten hängt, ist ja ein sehr rückständiger Brauch, nicht wahr? Wir sind ja keine Wilden. Verzeiht, aber die Reise war anstrengend und ich bin ein alter Mann. Ich ziehe mich nun zurück. Vielleicht könnte mir die gute Birsel, den Weg in meine Kammer zeigen.

Als er sich umwendete, traf sich sein Blick mit dem Alriks. „Bei allen guten Sitten, die hier herrschen, solltet ihr dennoch verschwunden sein, wenn ich Morgen wieder diese Halle betrete.“ Sagte er ruhig und bevor der die Tür öffnete setzte er noch nach „Ich schlafe übrigens nicht lange.“

Hainrich saß entspannt in seinem Ledersessel und gab ein zufriedenes Brummen von sich als er den letzten Satz seines Schreibens an Yolanda Böcklin von Bockenstein vollendete. Als Mann von Ehre war es für ihn selbstverständlich den Boten mit Speis und Trank zu versorgen und ihn nicht ohne ein paar Zeilen des Dankes zu seiner Herrin zurückzuschicken. Er wusste jedoch um die Feindschaft, die die Familien Schnewlin und Böcklin nun schon seit Jahrhunderten verband, er wusste auch, dass sowohl seine Frau, als natürlich auch sein Sohn vom Blute der Schnewlins waren - auch wenn sie deren Namen nicht trugen. Deshalb wird es für ihn auch eine Ehre sein an der Seite Firnwans gegen den verderbten Frevler Falber zu ziehen.

„Hat Er genug, Bockensteiner?“, Hainrich sprach ohne seinen Gast auch nur eines Blickes zu würdigen, „nun wenn dies so ist dann darf Er sich jetzt zurückziehen. Gehe Er zur Wirtin Halga - sie wird Ihm Unterkunft für diese Nacht gewähren. Halte Er sich fern von allen Mägden und verlasse Er Pergelgrund noch im Morgengrauen. Er sollte jetzt wissen auf welcher Seite Pergelgrund steht und dass Er und Seine Herren hier unerwünscht sind. Und nun verlasse Er meine Halle! Das Schreiben jedoch nehme Er mit zu Seiner Herrin, sage Er ihr, dass ihr guter Wille sie ehre, doch wir ihrer Hilfe nicht bedürfen.“ Alrik nickte stumm, schlang den letzten Bissen seines Brotes gierig herunter und erhob sich vom Tisch. Nach einer angetäuschten Verbeugung bewegte er sich eiligen Schrittes dem Tor der Halle entgegen. „Halt Bursche!“, Hainrich hatte sich von seinem Sessel erhoben und deutete auf die blutigen Daunen, welche immer noch zahlreich am Boden der Halle lagen, „Er hat etwas vergessen, die Ziege jedoch lasse Er da…“ Mit einem Lächeln auf den Lippen warf sich Hainrich wieder in seinen Ledersessel und beobachtete bei einem Krug Schnappes den jungen Boten beim Aufsammeln der Daunen…

Auf dem Weg zu seiner Kammer traf Firnwan auch Aerin und Firla wieder, die ihre Köpfe zusammengesteckt hatten. „Ich wünsche euch beiden eine gute Nacht. Ruh auch du dich noch einmal gut aus, Firla. Die Hatz auf Falber wird anstrengend und gefährlich, dass ist gewiss. Es freut mich, dass auch du dich anschließt. Ich freue mich auch auf deinen Schwiegersohn. Ein guter Mann, wie mir scheint. Bin gespannt, wie er kämpfen kann.“

„Sei unbesorgt“, Aerin sprach mit überzeugter Stimme, „er ist ein Mann mit Ehre – für seine Familie würde er sein Leben lassen, deshalb bin ich mir sicher, dass Hainrich dir auch in den Tod folgen würde Firnwan…“ Die junge Ritterin schaukelte den kleinen Bogumil im Arm, welcher ein zufriedenes Glucksen von sich gab, „…und Schwert und Schild weiß er wohl zu führen, jagt er doch von Zeit zu Zeit sogar lieber Orks als mit mir das Lager zu teilen. Du siehst also es wäre besser für diesen Falber wenn er sich mit seinen Schergen wieder in die Wildermark zurückzöge…“ Aerin konnte sich bei ihrem letzten Satz ein Grinsen nicht verkneifen und fing sich daraufhin einen mahnenden Blick ihrer Mutter ein, welcher jedoch nach einigen Augenblicken ebenfalls einem Lächeln wich…

„Das wollen wir nicht hoffen. Also, dass er sich zurückzieht. Wir müssen ihn stellen und seiner gerechten Strafe zukommen lassen.“ sagte Firnwan ernst. Dann zeigte er ein verschmitztes Lächeln „Und wenn wir Baron Gamhain sein lang vermisstes Familienschwert überreichen können, wird das unserem Haus sicher nicht zu Schaden gereichen. Ebenso wie die Möglichkeit, sich beim Baron von Blauenburg einen guten Namen zu machen. Immerhin wohl der bekannteste Recke Weidens in dieser Zeit.“ Firla schüttelte den Kopf „Firnwan, Firnwan. Für kurze Zeit hatte ich fast gedacht, du würdest etwas einfach nur für Ruhm und Ehre tun.“ Trotz des ernsten Tons, konnte Firla sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ihr Vetter erwiderte dieses mit einem fast spitzbübischen Grinsen, welches sein altes Gesicht von einem Augenblick zum nächsten um Jahrzehnte jünger wirken ließ. „Als Oberhaupt eines uralten Geschlechtes muss man stets das Wohle der Familie und die Zukunft im Auge haben. Ruhm und Ehre sind etwas für junge Leute. Davon habe ich zum Einen genug gesammelt in meinem Leben und zum anderen, bin ich zu alt um solch flüchtigen Dingen nachzueilen.“ In diesem Moment kam die Magd Birsel und legte das Geschirr aus der Halle am Spülstein ab. Mit gesenktem Kopf verließ sie den Raum wieder, um die Herrschaften nicht zu stören. Firnwans Blicke folgten ihr und vor allem ihren wiegenden Hüften. „Für manche flüchtigen Dinge wird … Mann … wohl nie zu alt, oder?“ bemerkte Aerin spitz und sah Firnwan vorwurfsvoll an. Dieser zuckte nur mit den Schultern. „Ich gehe nun zu Bett. Bishdariel beschere euch angenehme Träume. Bis Morgen dann.“



Am nächsten Morgen:

„Verdammt Rulman, was soll das“, Hainrichs Kopf hatte bereits einen leichten Rotton angenommen, seine Geduld war merklich am Ende. „Sagte ich Ihm nicht Er solle bei Tagesanbruch die Pferde vorbereitet haben? Sagte ich nicht wir wollen bereits nach dem Morgenmahl aufbrechen?“ Der junge Waffenknecht zog seinen vor Scham geröteten Kopf ein, fürchtete er sich doch vor einer Ohrfeige seines Herrn; „…aber Herr ich…“ „Schweig! Gehe Er mir aus den Augen bevor ich mich vergesse! ...alles muss man hier selbst in die Hand nehmen…“ Wütend knurrend blickte sich Hainrich am Hof um – sein Blick fiel auf die Magd Birsel, welche gerade damit beschäftigt war eine Kanne Ziegenmilch in das Gutshaus zu schleppen; „Birsel! Den Göttern sei es gedankt. Kümmere du dich um Astaran und den Proviant aber flott!“ Gehorsam und mit schnellem Schritt folgte die junge Magd dem Befehl ihres Herrn, denn hatten sich bereits die beiden Waffenknechte Rulman und Ragnir, angetan in Pergelgrunds Farben mit ihren Pferden vor der Halle eingefunden …

„Du willst wirklich gehen Mutter“, Aerin war damit beschäftigt, ihrer Mutter in die Rüstung zu helfen, „du weisst, die Hatz auf Falber wird gefährlich und … nun ja, wie lange ist es nun schon her, dass du dein Schwert in Händen hieltest?“ Firla strich sich eine weißblonde Haarlocke aus ihrem Gesicht und richtete ihren blauen Wappenrock, „das tut nichts zur Sache, auch wenn es mein letzter Kampf ist, er ist unausweichlich.“ „Aber Mutter …“, Aerins rang sichtlich mit ihren Worten, als ihre Mutter zu ihr schritt, sie fest in ihren Arm nahm und ihre Stirn küsste. „Mögen die Zwölfe dich schützen mein Kind …“, mit diesen Worten wandte sich Firla Schnewlin um und schritt durch das Tor aus der Halle, Aerin jedoch ließ sich nachdenklich in ihren Ledersessel sinken.

„Aufbruch“, Hainrich rief den Befehl laut aus und die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung. Überall standen schaulustige Bewohner Pergelgrunds, fast schien es, als ob jeder der Dorfbewohner sein Tagwerk niederlegte um den tapferen Kämpen zuzuwinken oder den Segen der Zwölfe auf eben diese herabzurufen. Der Tag der Entscheidung wird kommen. Der Frevler Falber, oder die ehrenhafte Ritterschaft der Schnewlins – mögen die Götter gut wählen …

Nachdem sie das Dorf verlassen hatten, gelangten sie schon bald an die Furt über den Pergelbach. Kurz hielt die kleine Gruppe an, um an dem kleinen Rondraschrein, der hier in Angedenken an eine vergangene Schlacht errichtet wurde, ein kurzes Gebet an die Göttin zu richten, deren Beistand sie vielleicht schon bald brauchen würden.

Als sie auf den Schattenbachpass gelangten und in Richtung Dergelbruck ritten, schloss Firla zu Firnwan auf. „Werden dein Bruder und dein Sohn auch noch zu uns stoßen?“ „Wenn die Götter uns wohlgesonnen sind, werden sie in Firunsgrund auf uns warten.“ Antwortete Firnwan. „Glaubst du, der Baron von Wolfenbinge wird auf die Hand voll Schwerter, die du zu ihm führst, angewiesen sein?“ „Handvoll?“ wiederholte Firnwan und schmunzelte vor sich hin. „Du unterschätzt mich, wie viele andere auch ….“


--- ENDE ---