Firnwan sah Hainrich in die Augen, dann blickte er zu Aerin und sprach „Eine gute Wahl hast du mit diesem Mann getroffen. „ Dann wandte er sich wieder Hairnich zu „Es erfüllt mich mit Stolz, dass ihr euch dieser Sache ohne zaudern anschließt, obwohl sie euch nicht betrifft. Selbstverständlich erwarte ich nicht, dass ihr euer Heim gänzlich ohne Schutz zurücklasst. Ihr wäret kein guter Gutsherr und Vater, hättet ihr anders entschieden. Ich würde vorschlagen …“ Er wurde durch das Erscheinen des Boten unterbrochen.
Herein kam ein Mann mittleren Alters. Er trug einfache, warme Kleidung und einen dicken Ledermantel als Schutz vor dem Regen. Zum Erstaunen der Anwesenden führte er eine klitschnasse Ziege mit in den Raum., welche sich gleich kräftig schüttelte und zur Begrüßung ein lautes meckern von sich gab. Darüber hinaus trug der Mann noch ein in Ölzeug eingeschlagenes Bündel unter dem Arm. Als er sich den Mantel vorne öffnete, kam ein einfaches Schwert zum Vorschein und ein schwarzer Waffenrock mit einem silbernen Ziegenbock über dem Herzen. Bei diesem Anblick ließ Firnwan gleich ein unmütiges Schnaufen von sich und die Fiya erhob sich sogleich, sagte aber vorerst nichts.
„Das geht ja zu wie im Taubenschlag heute. Wer schickt euch und was soll das Viehzeug in meiner Halle?“ polterte Hainrich los.
„Alrik Bockensteiner, Hoher Herr“ stellte sich der Mann schüchtern vor. „Ihre Hochgeboren, Junkerin Yolanda Böcklin von Bockenstein schickt….“
„Pah, jetzt nennt sie sich schon wieder ´Junkerin`. Ehrloses Weib.“ grummelte Firnwan laut genug, als dass es jeder hören konnte. Alrik wurde sich der Anwesenheit des Schnewlins wohl erst jetzt bewusst und wurde plötzlich merklich blasser.
„Sprich weiter, Mann“ sagte nun Aerin. Alrik straffte seinen Körper und vermied gezielt den Blick einer der Anwesenden zu kreuzen als er die Worte wiederholte, die man ihm aufgetragen hatte „Die Ziege soll ich der stolzen Mutter überreichen, auf das der neue Heldentrutzer Groß und Stark werde. Dies hier soll ich der hohen Frau Firla geben, auf dass sie in Frieden ruhen möge.“ Dabei wickelte er das Bündel aus und hielt ein Kissen hoch. Der weiße Leinenbezug war mit roten Flecken übersät. Firnwan sprang auf, riss Alrik das blutige Kissen aus den Händen und zerriss es. Blutige Daunen regneten durch den Raum.
Fiya schnappte hörbar nach Luft. Ihr Gesicht war versteinert und in ihren Augen loderte der Zorn. Jener Zorn, den sie mit allen Schnewlins seit Generationen gemeinsam hatte. Ihr Blick fiel auf ihre Tochter Aerin, die mit ihrem Enkel auf dem Arm dasaß und sie erschrocken anschaute. Der kleine fing an zu schreien. Fiya hatte den Hass auf die Böcklins schon mit der Muttermilch aufgesaugt. Doch sie hatte sich immer geschworen, dies ihren Kindern nicht anzutun. Doch sie hatte auch Stolz, war eine Ritterin Weidens. Diese Unverschämtheit konnte sie nicht ignorieren. Jetzt stand sie da und ihre Tochter und ihr Vetter sahen sie an. Letzterer schien mehr an ihrer Reaktion interessiert zu sein, als an dem Zwischenfall selbst.
Firla ballte ihre Fäuste als sie ihren Blick abermals auf den Boten richtete – tief gruben sich ihre Fingernägel in das Fleisch ihrer Hand als sie mit sanfter Stimme anhob zu sprechen: „Sage Er seiner Herrin ihre Sorge um mich Ehre sie, doch kann Er seine Geschenke wieder zurück auf den Bockenstein bringen“ – ihr Blick fiel auf die blutigen Daunen auf dem Boden der Halle – „und es wäre wohl das Beste für Ihn wenn Er Pergelgrund noch heute wieder verlässt. Es ist wahrlich kein guter Boden für Abgesandte der Bockensteinerin.“ Alrik war ob dieser sanften Reaktion verwundert, hatte er sich doch ganz andere Dinge ausgemalt, wobei seine Vorstellung davon, aus der Halle geprügelt zu werden noch die harmloseste war. Beeindruckt von der Reaktion der Schnewlinerin; er selbst wusste um die Feindschaft, die die beiden Familien schon seit Jahrhunderten verband, verneigte er sich vor Firla und den anderen hohen Herrschaften und wollte gerade zurück in Richtung Tor gehen, als Hainrich ihn in diesem Vorhaben unterbrach; „Halte ein Bursche! Keinem Boten wird in meiner Halle traviagefällige Aufnahme verwehrt – es sei denn er trägt einen schwarzen Pelz.“ Hainrich lachte auf, verschränkte seine Arme und blickte in Firlas Richtung, welche sich abermals vom Tisch erhob und mit grimmigem Gesichtsausdruck die Halle verließ, als er nach kurzer Pause fortfuhr; „die Ehre gebietet es uns nimm platz und iss etwas Junge. Birsel bringe unserem Gast etwas Brot und Käse und mein Schreibzeug - schließlich will ich den Boten nicht mit leeren Händen zurück zu seiner Herrin schicken.“ Die junge Magd war gerade damit beschäftigt die blutigen Daunen vom Boden zu entfernen, fügte sich jedoch gehorsam dem Wunsch ihres Herren und huschte mit schnellen Schritten in die Küche…
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