Am nächsten Morgen:

„Verdammt Rulman, was soll das“, Hainrichs Kopf hatte bereits einen leichten Rotton angenommen, seine Geduld war merklich am Ende. „Sagte ich Ihm nicht Er solle bei Tagesanbruch die Pferde vorbereitet haben? Sagte ich nicht wir wollen bereits nach dem Morgenmahl aufbrechen?“ Der junge Waffenknecht zog seinen vor Scham geröteten Kopf ein, fürchtete er sich doch vor einer Ohrfeige seines Herrn; „…aber Herr ich…“ „Schweig! Gehe Er mir aus den Augen bevor ich mich vergesse! ...alles muss man hier selbst in die Hand nehmen…“ Wütend knurrend blickte sich Hainrich am Hof um – sein Blick fiel auf die Magd Birsel, welche gerade damit beschäftigt war eine Kanne Ziegenmilch in das Gutshaus zu schleppen; „Birsel! Den Göttern sei es gedankt. Kümmere du dich um Astaran und den Proviant aber flott!“ Gehorsam und mit schnellem Schritt folgte die junge Magd dem Befehl ihres Herrn, denn hatten sich bereits die beiden Waffenknechte Rulman und Ragnir, angetan in Pergelgrunds Farben mit ihren Pferden vor der Halle eingefunden …

„Du willst wirklich gehen Mutter“, Aerin war damit beschäftigt, ihrer Mutter in die Rüstung zu helfen, „du weisst, die Hatz auf Falber wird gefährlich und … nun ja, wie lange ist es nun schon her, dass du dein Schwert in Händen hieltest?“ Firla strich sich eine weißblonde Haarlocke aus ihrem Gesicht und richtete ihren blauen Wappenrock, „das tut nichts zur Sache, auch wenn es mein letzter Kampf ist, er ist unausweichlich.“ „Aber Mutter …“, Aerins rang sichtlich mit ihren Worten, als ihre Mutter zu ihr schritt, sie fest in ihren Arm nahm und ihre Stirn küsste. „Mögen die Zwölfe dich schützen mein Kind …“, mit diesen Worten wandte sich Firla Schnewlin um und schritt durch das Tor aus der Halle, Aerin jedoch ließ sich nachdenklich in ihren Ledersessel sinken.

„Aufbruch“, Hainrich rief den Befehl laut aus und die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung. Überall standen schaulustige Bewohner Pergelgrunds, fast schien es, als ob jeder der Dorfbewohner sein Tagwerk niederlegte um den tapferen Kämpen zuzuwinken oder den Segen der Zwölfe auf eben diese herabzurufen. Der Tag der Entscheidung wird kommen. Der Frevler Falber, oder die ehrenhafte Ritterschaft der Schnewlins – mögen die Götter gut wählen …

Nachdem sie das Dorf verlassen hatten, gelangten sie schon bald an die Furt über den Pergelbach. Kurz hielt die kleine Gruppe an, um an dem kleinen Rondraschrein, der hier in Angedenken an eine vergangene Schlacht errichtet wurde, ein kurzes Gebet an die Göttin zu richten, deren Beistand sie vielleicht schon bald brauchen würden.

Als sie auf den Schattenbachpass gelangten und in Richtung Dergelbruck ritten, schloss Firla zu Firnwan auf. „Werden dein Bruder und dein Sohn auch noch zu uns stoßen?“ „Wenn die Götter uns wohlgesonnen sind, werden sie in Firunsgrund auf uns warten.“ Antwortete Firnwan. „Glaubst du, der Baron von Wolfenbinge wird auf die Hand voll Schwerter, die du zu ihm führst, angewiesen sein?“ „Handvoll?“ wiederholte Firnwan und schmunzelte vor sich hin. „Du unterschätzt mich, wie viele andere auch ….“


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