Das Bognerfest – Wettstreit der Meisterschützen

Das erste große Ereignis dieser Tage war das traditionelle Bognerfest, ein Wettstreit, der auf Olat den Bogner zurückgeht. Dieser war als erster Graf vor rund tausend Jahren von Herzog Thordenin II. dem Schlauen mit Bärwalde belehnt worden. Mit seinem legendären Bogen und dem mächtigen Schwert Bärentöter, noch heute Herrschaftszeichen der Gräfin, schützte Olat die Seinen gegen die Bestien des Nebelmoors, bevor er Olats Wall am Rande des Nebelmoors errichten ließ. Und so erinnert dieser Wettkampf jeden Götterlauf aufs Neue an die ältesten Wurzeln Bärwaldes.

Unweit des Seeufers war eine hölzerne Schießarena errichtet worden. Ziele standen nicht nur auf dem festen Grund, sondern waren auch auf Flößen und zwischen künstlich nachgestellten Moorflächen befestigt. Es galt, den „Gegner“ zu Lande, zu Wasser und im Sumpf zu stellen.

Unter den wachsamen Augen von Alwen aus Avesruh, der frisch gekürten Anführerin der Bogner von Olats Schar, traten die 12 besten Schützen der Grafschaft, die nicht von adligem Stand waren, an.

Darunter stachen besonders hervor:

  • Phexhilf Schwarzzahn, ein wendiger, ehrgeiziger Schütze aus Olats Schar im Dienst der Altgräfin. Er ist für seine unerschütterliche Konzentration bekannt, aber auch für seine spitze Zunge und den Umstand, dass er bei jedem Wettstreit nicht nur den Sieg, sondern auch das Ansehen seiner Schar verteidigen will,
  • Torald Nebeljäger, einer der wagemutigen Kundschafter von Grimmharts Luchsen aus Beonfirn, die vom Sturmbanner ausgebildet worden waren, um die Orks auszuspähen,
  • Kjell Rotfeder, ein wortkarger Jäger aus Blaubinge,
  • Ismena Pfeilhauch, eine halbelfische Bognerin im Dienst von Liutpercht von Dûrenwald, der Landvögtin von Herzoglich Dornstein,
  • Hylvard Krummholz, ein stämmiger Wildhüter aus der Pfalzgrafschaft Bibergau.

Die ersten Runden waren geprägt von herausragenden Treffern und begeistertem Handgeklapper. Besonders auffällig war Phexhilf Schwarzzahn aus Olats Schar. Er schoss mit eleganten, fließenden Bewegungen und bewahrte dabei stets einen kühlen, berechnenden Blick. Ein weiterer Favorit war Torald Nebeljäger aus Beonfirn. Er wirkte schweigsam und konzentriert, als lausche er den Geräuschen des Windes. Seine Kameraden sagen ihm nach, er könne sich im Nebel so lautlos bewegen wie ein Geist. Er kenne jeden moorigen Pfad, jeden uralten Baum und jedes Echo in den Sümpfen – und er könne den Gestank eines Orks eher wittern als jeder andere.

Schließlich blieben nur diese beiden übrig. Im finalen Schuss auf das Ziel, eine bemalte Scheibe in Form eines Orkschädels, setzte Torald seinen Pfeil genau ins Schwarze. Sein Sieg wurde von tosendem Jubel begleitet.

Phexhilf Schwarzzahn nahm die Niederlage äußerlich gelassen hin. Er verneigte sich knapp vor Torald und sprach mit einem schmalen, verkniffenen Lächeln: „Dieses Mal war der Weiße Jäger mit dir, Nebeljäger! Doch nächstes Jahr wird es wieder mein Pfeil sein, der den letzten Ork zu Fall bringt.“