Eine Hochherrschaftliche Hochzeit
Oder: Das Leben ist kein Zuckerschlecken!
Beteiligte Personen:
Frumhild May von Heiduk, Gemahlin des Junkers von Ilmenau in der Stadtmark Baliho
Tsalinde Ermentrud von Heiduk, ihre jüngste Tochter, ein Adelsfräulein
Junkergut Ilemenau, Stadtmark Baliho, Praios 1043 BF
„Ohhhh“, Tsalinde Ermentrud von Heiduk klatschte begeistert in die feisten Hände, „eine Hochzeit, wie schön. Da wird sie sich aber freuen.“
„Wen meinst du?“, fragte ihre Mutter Frumhild, ohne von ihrer Stickarbeit aufzusehen.
„Na, die hehre Griseldis. Dass sie ihren Schatz heiraten darf, vor dem Antlitz der Götter.“ Die jüngste Heiduk-Tochter hatte die Einladung sinken lassen und blickte mit glänzenden Augen aus dem Fenster in den großen Garten. „Schööön“, seufzte sie.
„Welchen Schatz denn bitte?“ Frumhild ließ die Nadel sinken und bedachte ihre Jüngste mit irritiert gehobener Braue.
„Na, Wolfhart von Creyenach, von ihm hast du doch sicher schon gehört. Drüben in Baliho spielen sie manches Liedlein von ihm. Er ist ein Barde, weißt du?“
„Oh ja, das weiß ich und der Name ist mir bekannt. In Baliho? Tatsächlich? Dann aber sicher im Ochsenviertel, denn ich schätze, die Gräfin ist keine allzu große Freundin seiner Liedchen und den darin enthaltenen Frechheiten.“
„Hum?“, Tsalindes Blick zitterte kurz hinüber zu ihrer Mutter, befand dann aber, dass die alte Frau ohnehin keine Ahnung von zeitgenössischer Musik hatte und ließ das Thema fallen.
„Jedenfalls ist das schön, dass die Liebe siegt. Wo ihr mir doch immer sagt, sowas gibt es im echten Leben nicht.“ Nun schwang gehöriger Vorwurf in Tsalindes Stimme mit.
„Hast du die Einladung denn gelesen, Kindchen?“, hakte ihre Mutter nach.
„Nur so halb“, gab Tsalinde zu. „Wieso?“
„Nun“, machte sich Frumhild daran, der guten Laune ihrer Tochter das Fundament zu entziehen, „dann muss ich dir leider sagen, dass der Bräutigam mitnichten dieser Sängerknabe ist, sondern ein gewisser Aldron von Rabenmund. Er ist wohl ein Enkel unsrer guten Mutter Aldessia aus Baliho. Und irgendwie hängen die Binsböckels in der Ahnenreihe auch mit drin. Jedenfalls stolzieren einige schon wieder so stolz umher, wie unser Gockel Arbolf auf seinem Misthaufen.“
Die junge Heidukerin starrte ihre Mutter irritiert an. Dann schüttelte sie widerborstig den Kopf. „Das kann nicht sein, niemand würde doch eine angehende Gräfin zwingen, nicht ihre Liebe sondern so einen … so einen … einen Rabenmund, wirklich? Wieso das denn? Sind die denn wieder wohlgelitten, oder was? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Die arme Griseldis.“ Die Worte sprudelten nur so aus der jungen Frau heraus, ehe sie verstummte und traurig vor sich hinstarrte.
„Wirklich?“, kam es dann zaghaft und begleitet von einem herzzerreißenden Blick.
„Ich fürchte schon, Lindchen. Gerade so eine zukünftige Gräfin muss ihre Bande schließlich klug wählen und manchmal, muss sie ihre Neigung hinten anstellen. Zum Wohle ihres Landes.“ Frumhild stand auf und trat zu ihrer Tochter, um ihr besänftigend die Hand auf die Schulter zu legen. „Das ist die Bürde, die Menschen von Stand, also Menschen wie wir“, schob sie betont nach, „tragen müssen. Ich bin sicher, Griseldis von Pallingen weiß das und hat darum diese Wahl getroffen. Oder ihr zumindest zugestimmt“
„Hmmm“, brummte Tsalinde. Dann schnaubte sie. „Ich weiß ja nicht, ob das so stimmt. Es gibt da Geschichten, nach denen kann ich nicht recht glauben, dass sie von ihrem Wolfhart lassen würde.“
„Geschichten, mehr nicht“, schickte sich Frumhild an, das Thema zu beenden. „Oder eher: Gerüchte. Gib nicht so viel auf das Gerede der Menschen. Meist ist kaum etwas dran. Immerhin heiratet die zukünftige Gräfin Bärwaldes jetzt einen Angehörigen der Familie Rabenmund. Ich schätze, das wird eine große Sache, wir sollten also nachsehen gehen, ob wir angemessene Garderobe haben, mein Kind. Andernfalls müssen wir in Baliho etwas anfertigen lassen.“
„Pft“, sprang Tsalinde überhaupt nicht auf den Ablenkungsversuch ihrer Mutter an. „Ich find das nicht schön.“
Ihre Mutter seufzte. „Nunja, Tsalinde, so ist es nun einmal. Außerdem kann es doch sein, dass Griseldis diesen Aldron gerne hat, unterdessen vielleicht sogar lieber als den Creyenacher mit seiner kessen Lippe. Manchmal passiert so etwas, manchmal wandert die Liebe.“
„Pft“, blieb Tsalinde bei ihrer Meinung und schniefte missbilligend.