Unerwünschte Fährte
Oder: Stümperhaftes Schwarzpelzpack
Beteiligte Personen:
Gilamund Fuchsenfold, Jagdmagd aus der Pfalzgrafschaft Bibergau
und ihr Hund Edil
Im Bärnwald zu Bibergau, Anfang Travia 1043 BF
Es brauchte nicht das tief in der Brust ihres Hundes geborene Knurren, um Gilamund vorzuwarnen. Geräuschlos ging sie in die Hocke und legte beruhigend eine Hand auf Edlis Schultern. Sofort verstummte der große Hund und verlegte sich darauf, Witterung aufzunehmen. Die Jägerin indessen ließ ihren Blick wandern.
Ruhig und langsam nahm sie alle Einzelheiten in sich auf und zum Schluss die für den Moment wichtigste: es drohte keine unmittelbare Gefahr. Immerhin zwitscherten Vögel um sie herum und ein paar Dutzend Schritt weiter vorne, entlang des kleinen Baches, konnte sie in dem sich lichtenden Laub auch erkennen, dass sie fröhlich umher hüpften. Gänzlich unbeeindruckt von dem Feenhörnchen, das eifrig damit beschäftigt war, Wintervorräte anzulegen und eben auch davon, was Gilamund entdeckt hatte. Also erhob sie sich wieder und trat langsam auf die Schneise, die eine gefallene Tanne hier vor einigen Jahren geschlagen hatte.
Es war ein guter Lagerplatz. Die Tanne beschirmte ihn zum Bach hin und die jungen Hasel- sowie Hollersträucher waren kein ernstzunehmendes Hindernis. Also hatten die Orks sie einfach umgehauen und die bestenfalls faustdicken Stämme und Äste als weiteren Sichtschutz aufgetürmt. Ihre Feuerstelle war klein gewesen, kundig abgeschirmt und sie war ebenso beseitigt worden. Nur wenigen traute Gilamund zu, ihre Existenz überhaupt zu bemerken. Wie auch die wenigen anderen Anzeichen, die davon kündeten, dass hier vor vielleicht zwei Tagen Schwarzpelze gerastet hatten. Mindestens ein halbes Dutzend und offenbar sehr um Heimlichkeit bemüht. Aber es waren eben Orks und die hinterließen Spuren, auch wenn sie sich noch so sehr anstrengten, es nicht zu tun.
Angewidert schnippte Gilamund ein winziges Büschel charakteristischen Fells vom schuppigen Stamm der Tanne. Sie begutachtete die Überreste der Sträucher, die von zu viel welkem, aber immerhin grünem Laub verborgen waren, um jetzt, im aufziehenden Herbst, nicht aufzufallen. Und sie schürzte verächtlich die Lippen, als sie den Fußabdruck freilegte, der unter all dem sorgsam verteilten Laub übersehen worden war.
Orks waren im Bärnwald nicht allzu ungewöhnlich. Ungewöhnlich war jedoch, mit welcher Sorgfalt diese ihr Hiersein verbergen wollten.
Das hier war der zweite Lagerplatz, der überdeutlich davon sprach und der zweite, den sie beinahe übersehen hatte. Den anderen hatte sie vor ein paar Tagen gefunden. Sie hatte sich gewundert, der Sache aber keine übermäßige Bedeutung beigemessen.
Das änderte sich nun und Gilamund beschloss, sofort zurückzukehren und beim Pfalzgrafen vorzusprechen. Sollte er entscheiden, was davon zu halten war. Dafür war er schließlich da.