Baronie Ingerimms Steg, Travia 1046 BF
Sieben-Baronien-Weg, zwischen Neu-Dragenfeld und Burg Drôlenhorst
Am frühen Abend
Es dämmerte bereits als die Türme von Burg Drôlenhorst hinter einer Biegung in Sicht kamen. Endlich! Doch während einer der beiden einsamen Reiter den Anblick des Gemäuers zum Anlass nahm, seinem Pferd die Fersen in die Seite zu drücken, um es zu einer schnelleren Gangart zu animieren, hielt der andere das seine unvermittelt an.
Als Friedwang Appelberger bemerkte, dass sein Begleiter nicht zu ihm aufschloss, brachte auch er sein Reittier zum Stehen, sah hinter sich und seufzte. Dann wendete er.
„Hochgeboren, ich will nicht nörgeln“, sprach er als er bei seinem zögerlichen Gefährten ankam, „aber es ist schon spät und der Wind macht es hier nicht eben gemütlich. Und wenn ich Euch erinnern darf: Ihr wart es, der nicht in Neu-Dragenfeld nächtigen wollte, wie ich es empfohlen habe.“ Seine Stimme nahm nun einen bettelnden Unterton an „Nu‘ lasst uns weiter reiten. Es ist bald dunkel und Ihr habt doch sicher auch Hunger und seid müde.“
Der harschen herbstlichen Witterung zum Trotz, zog der Angesprochene seine Kapuze zurück, ohne dabei den Blick von der, für Sichelwachter Verhältnisse wahrlich beeindruckenden, Burg zu nehmen. Ein schmales Gesicht von vielleicht fünfundzwanzig Götterläufen kam zum Vorschein, eingerahmt von einem halblangen braunen Haarschopf. Die wachen blauen Augen wirkten im rötlichen Licht des untergehenden Praiosmals eigentümlich melancholisch und die von einem spärlichen Bärtchen umrahmten, wohlgeschwungenen Lippen waren fest aufeinandergepresst.
„Weißt du Friedwang“, antwortete er nach einem Moment nachdenklich ohne auf dessen Einwurf einzugehen, „es ist schon sehr lange her, dass ich hier war.“
„Ja, Herr, ich weiß“, gab sich der bullige Waffenknecht geschlagen. Abermals entfuhr ihm ein stiller Seufzer. „Ich weiß.“
Diese Stimmung kannte er nun wahrlich zur Genüge. Und er hatte gelernt, dass drängeln da nichts brachte. Umso überraschter war er, als der Andere sich mit den Worten „Bringen wir’s also hinter uns“ plötzlich in Bewegung setzte und er selbst es nun war, der zurückfiel und arge Probleme hatte, mit dem Packpferd im Schlepp hinterherzukommen.
Vor Burg Drôlenhorst
Kurz darauf
Der Zugang zur Burg war, wie zu dieser Stunde zu erwarten, geschlossen. Die Wache hatte sich offenbar in das darüberliegende Torhaus zurückgezogen aus dessen Schießscharten ein fahler Lichtschein nach draußen drang. Die Laternen, die am Geländer der, über die Kluft führenden, Brücke sowie oberhalb und beiderseits des Tores angebracht waren, brannten hingegen noch nicht – eine Schlamperei, die Friedwang in Anbetracht der mittlerweile herrschenden Dunkelheit den Kopf schütteln ließ, ebenso wie der Umstand, dass die beiden ankommenden Reiter nicht schon längst von einem aufmerksamen Wachposten angerufen worden waren.
Er stieg ab und band die Zügel seines Gauls locker an das Brückengeländer. Dann trat er an das Tor, zog seine Axt aus der Gürtelschlaufe und hieb mit dem Ende des Schaftes dreimal kräftig gegen das eisenverstärkte Holz. Nach einem kurzen Moment erscholl eine überraschte Stimme von oben hinunter: „Wer da? Wer ist da? Gebt Euch zu erkennen!“
„Friedwang Appelberger steht hier im Wind!“, antwortete der Waffenknecht lautstark. „Ansgorn, bist du’s? Ich würde ja gerne ins Licht treten, aber …“
„Friedwang? Na, da laus mich doch die Ranze. Was bei allen Göttern machst du denn hier?“
„Was wohl, du Goblinhirn. Ich komme nach Hause und will jetzt ins Warme. Nu‘ mach schon auf!“
Während Friedwang sich kurz darauf wieder die Zügel seines Pferdes schnappte, war hinter dem Tor ein Poltern zu hören, das auf das Entfernen eines schweren Riegels hinwies. Kurz darauf öffnete sich die niedrige Mannpforte in einem der Torflügel und ein Bewaffneter im blaugelben Wappenrock der Baronie – einem, wie auch Friedwang ihn trug, nur in einem deutlich besseren Zustand -, trat mit einer Laterne in der Hand geduckt ins Freie.
„Friedwang!“, entfuhr es ihm freudig. „Das gibt’s ja nicht!“ Die Wache, bei der es sich wohl um jenen goblinhirnigen Ansgorn handelte, stellte flugs seine Hellebarde an die Seite und hieß den Angesprochenen überschwänglich willkommen. Eine Weile bedachte man sich gegenseitig ausgiebig mit Händeschütteln, Wangentätscheln und Schulterklopfen, bis Ansgorn plötzlich stutzte.
„Wer is’n das?“, fragte er als er des anderen Mannes Gewahr wurde, der einige Schritt hinter Friedwang noch immer auf seinem Pferd saß und die herzliche Begrüßung der beiden Waffenknechte ungerührt mitangesehen hatte.
„Oh, ja, natürlich.“ Friedwang räusperte sich, bevor er einen Arm in die Richtung des Unbekannten ausstreckte – ganz so als ob er eine Jahrmarktsattraktion präsentierte. In bedeutungsschwangerem Ton verkündete er dann: „Das ist seine Hochgeboren Geron von Tresslingen.“
Als er die toten Fischaugen des anderen Waffenknechts bemerkte, fügte er hinzu: „Der Baron.“
Ansgorn runzelte die Stirn und beugte seinen Kopf ein wenig in Friedwangs Richtung „Was’n für‘n Baron?“, raunte er.
„Na, unser Baron“, kam die Antwort. „Der Baron von Ingerimms Steg.“
„Aber wir haben doch gar keinen Baron.“ Ansgorns Stimme war noch leiser geworden.
„Jetzt schon“, gab Friedwang lächelnd zurück.
Ansgorns Augen weiteten sich langsam, während die Erkenntnis nach und nach in seinen Schädel sickerte. Als ein ausreichender Sättigungsgrad erreicht war, ging mit einem Mal ein Ruck durch ihn. Hektisch griff er sich seine abgestellte Hellebarde, nahm Haltung vor Geron an und senkte sein Haupt.
„Euer Hochgeboren. Willkommen auf Burg Drôlenhorst.“
Burg Drôlenhorst, in den Unterkünften der Burgwachen
Später am Abend
„Na, da habt Ihr ja für ordentlich Wirbel gesorgt. Hätte das Jüngelchen ruhig mal ankündigen können, dass es die Absicht hat, uns mit seiner hochgeborenen Anwesenheit zu beehren. Weiß nicht, wann ich den feinen Herrn von Triggenfels das letzte Mal so aufgeschreckt gesehen habe.“
Im blakenden Schein einer einzelnen Kerze saß Friedwang seiner alten Kameradin Irinja Tiefenfurter an dem kleinen Tischchen in ihrem Quartier gegenüber - Drôlenhorst war dermaßen groß und weitläufig, dass selbst alleinstehende Burgwachen eine eigene Kammer bewohnen konnten. Er hob seinen Becher und prostete ihr zu.
„Dann hat sich’s ja wenigstens gelohnt.“
Die beiden lachten und nahmen einen Schluck.
„Mensch“, fuhr die Waffenmagd in nachdenklichem Tonfall fort. „Über ein Jahr. Hätte schon fast nicht mehr damit gerechnet, dich überhaupt nochmal wiederzusehen.“
Friedwang nickte. „Was soll ich denn sagen? Glaubst du, ich habe das so kommen sehen? Dass aus einem kleinen Ausflug nach Salthel eine Weltreise wird?“
„Weltreise?“, hakte Irinja nach. „Wo seid ihr denn überall gewesen?“
„Hauptsächlich Rommilys und umzu.“
Irinja schnmunzelte. „Weltreise!?“
„Nu‘, wir waren ja auch noch in der ganzen Mark unterwegs“, verteidigte Friedwang sich. „Und das ist schon wie ne andere Welt, das kann ich dir sagen. Alles viel … geleckter. Mehr etepetete und so. Wie im Lieblichen Feld, würde ich meinen.“
„Is klar“, kam es spöttisch zurück. „Klingt ja so, als wär’s n leichtes Leben für dich gewesen. Wein, Weib und Gesang, was?“
Friedwang schüttelte entschieden den Kopf. „Nee, hat auch mehr als genug Strauchdiebe da unten. Ärger gab’s also schon hin und wieder. Deswegen hatte der Triggenfelser auch gut daran getan, mich dem Herrn Geron damals in Salthel mitzugeben nach seiner Schwertleite. Auch, wenn der das am Anfang überhaupt nicht wollte. Aber alleine wäre er wohl nicht weit gekommen.“
„Oi, war’s so schlimm?“
„Ja, nee. Nix mit dem man mit etwas ordentlichem Hacketau nicht fertig werden könnte, aber …“ Mitten im Satz brach er ab.
Neugierig beugte Irinja sich etwas nach vorne. „Aber … ?“
„Na ja“, Friedwang schien sich unter dem forschenden Blick seiner Kameradin zu winden. „Es ist so, dass der Herr Geron es mit ordentlichem Hacketau nicht so hat.“
„Wie meinst du das?“, kam die irritierte Nachfrage. „Der ist doch n Ritter. Müsste doch durch so ne Bande Wegelagerer durchgehen, wie ne Sense durchs Korn.“
Friedwang schüttelte zaghaft den Kopf. „Das liegt ihm nicht so.“
Die Irritation war jetzt Fassungslosigkeit gewichen „Was? Wie kann ihm das nicht liegen? Der ist doch n Ritter!“, wiederholte sie.
Als sie zur Antwort nur ein entschuldigendes Lächeln und ein Schulterzucken erhielt, griff sie sich an den Kopf. „Ihr Götter! Das hat uns gerade noch gefehlt. So‘n verzärteltes Bübchen, das nicht freihändig aus’m Fenster winken kann oder wie? Und der soll jetzt Ingerimms Steg nach vorne bringen?“
„Nee, so ist das nicht“, unterbrach Friedwang sie energisch. „Der Herr Geron mag sich mit Klinge und Lanze etwas schwertun, aber ich kann dir sagen, der hat ordentlich hier was los.“ Nachdrücklich klopfte er sich mit dem Zeigefinger gegen die Stirn. „Hat sich manchmal Sachen ausgedacht, da wäre ich im Leben nicht draufgekommen, so richtige Pläne mit Taktik. Und was der alles weiß! Über alte Sagen und die Götter und all sowas, besonders von Rondra und ihren Helden kann er viel erzählen. Da ist es während der Reise nie langweilig geworden.“
Als er den zweifelnden Blick Irinjas sah, setzte er nach: „Und mutig ist er. Hat nie lange gefackelt, wenn’s an’s Eingemachte ging und … “ Abermals brach er mitten im Satz ab und stutzte, bevor er etwas kleinlauter fortfuhr: „Auch wenn sich das mit seinem Können am Schwert nicht so gut vertragen hat, muss ich zugeben. Aber dafür hatte er ja mich!“
Zufrieden grinsend hob er abermals seinen Becher und wartete, dass Irinja es ihm gleichtat. Die hielt ihren skeptischen Gesichtsausdruck noch zwei Herzschläge lang aufrecht, dann verdrehte sie ob der entwaffnenden Logik ihres Kameraden die Augen und hob ihr Trinkgefäß ebenfalls in die Höhe. „Wenn du es sagst alter Freund“, gab sie Klein bei und stieß mit ihm an. „Dann auf Geron! Den Schlauen und Mutigen!“
Als sie beide getrunken und wieder abgesetzt hatten, ergriff Irinja erneut das Wort, während sie ihnen aus einer Bierkanne nachschenkte: „Was wollte er da unten überhaupt? Is‘ ja nicht so, dass es in der Mittnacht nicht genug zu erleben gibt.“
„Na, seine Mutter war doch ne Rabenmund und kam aus’m Darpatischen …“, hob Friedwang zu einer Erklärung an, wurde aber sogleich wieder unterbrochen.
„Die Answinistin, meinst du?“
„Ay. Aber sag das bloß nicht zu laut. Haben se dem Jungen in Salthel zur Genüge aufs Brot geschmiert, dass seine beiden Eltern Reichsverräter waren. Hat seiner Seele nicht gutgetan, das kannste glauben. Auf jeden Fall wollte er jetzt wohl mal die Verwandtschaft besuchen. Im Gegensatz zu seinem Vater hat er seine Mutter nämlich in hohen Ehren gehalten, auch wenn sie zum ollen Rabenmaul gestanden hat.“
„Und?“, hakte Irinja nach. „Wie war‘s?“
Friedwang machte eine vage nickende Kopfbewegung. „Eigentlich ganz gut. In Rommilys hat man ihn recht freundlich empfangen. Die Rabenmunds machen um diese Familiensache ja ein ordentliches Gewese. Er ist dann sogar eine Zeit lang da an der Knappenschule ein- und ausgegangen. Wie gesagt, der hat ja Ahnung von Rondras Geboten und kennt sich mit Strategie und so aus. Und da unten legen se eben auch nicht ganz so viel Wert auf ordentliches Hacketau wie hier. Halt wie im Lieblichen Feld. Das kam dem Herrn Geron natürlich zupass. Kannste dir denken.“
„Aber irgendwann hat ihn das Heimweh gepackt oder wie?“
„Hm, weiß nicht genau. Die Abreise kam ganz überstürzt. Musste von einem Tag auf den anderen unsere Sachen packen und dann gings auch schon los. Irgendwas muss da wohl passiert sein. Hat er mir aber nicht erzählt. War auf jeden Fall ganz schön stinkig und verstockt, der Junge. Ich vermute, dass das auch der Grund dafür ist, dass er dann seinen Namen geändert hat. Nicht, dass er vorher großen Wert auf das Weitenberg von Drôlenhorst gelegt hätte. Wie gesagt, seinen Vater hat er komplett gefressen.“
Irinja hob verwundert ihre Augenbrauen. „Häh? Der hat seinen Namen geändert?“
„Jo. als wir wieder in Salthel waren hab‘ ich ihn kaum noch gesehen. War aufm Aarkopf tagelang in den Gewölben unterwegs, da wo das ganze alte Zeugs gelagert wird, Schriftrollen, Karten und Bücher und so, und hat dann ständig bei der gräflichen Heroldin aufm Schoß gesessen. Und das, obwohl er vor einem Jahr gar nicht schnell genug von da weg konnte. Kam mir aber ganz entgegen. In Salthel kann man sich die Zeit ja gut vertreiben. Auch wenn’s natürlich nicht mit Rommilys zu vergleichen ist.“
„Is‘ klar, du weitgereister Avesjünger“, versetzte Irinja. „Und wie ist es dann weitergegangen?“
„Nu, vor einer Woche ist der Herr Geron dann vor den Grafen getreten, hat das Knie gebeugt und ihm die Treue geschworen. Und dafür ist er dann zum Baron von Ingerimms Steg ernannt worden, wie es ihm zusteht. Aber alles ohne viel Tamtam. Und dabei hat er verkündet, dass er seinen alten Namen Weitenberg von Drôlenhorst-Rabenmund ablegen und den Namen von Tresslingen annehmen würde. Und dem Grafen war das wohl gleich und deswegen heißt er jetzt so. Geron von Tresslingen.“
„Aha.“ Der Waffenmagd war ihre Verwirrung anzusehen. Von sowas hatte sie offenbar noch nie gehört „Na, mir solls recht sein. Kommt einem auch flotter von den Lippen, was.“
„Eben“, antwortete Friedwang fröhlich und prostete Irinja ein weiteres Mal zu. „Auf Geron von Tresslingen! Schlau, mutig und flott von der Lippe.“
Burg Drôlenhorst, im Thronsaal
Am Vormittag des nächsten Tages
Friedwang kniff die Augen zu und unterdrückte ein Stöhnen. Irinja hatte gestern Abend, nachdem sie beide die Bierkanne geleert hatten, noch eine Flasche Himbeerschnaps hervorgezaubert und nun zahlte er mit dröhnenden Kopfschmerzen die Quittung dafür.
Er öffnete die Augen wieder zu schmalen Schlitzen und fluchte innerlich über das grelle Sonnenlicht, das durch die hohen Fenster in den Saal schien und ihn blendete. Gleichzeitig war er dankbar für die Hellebarde, auf die er sich stützen konnte und die ihm half, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Seine erhöhte Position auf dem gemauerten Podest – gleich neben diesem obszön ausladenden Steinthron - machte ihn schwindeln.
Erst heute Morgen in der Früh hatte man ihm die Mitteilung überbracht, dass er auf Wunsch des frischgebackenen Barons für die Wache während des Empfangs im Thronsaal eingeteilt worden war – zusammen mit einem neuen Wappenrock und dem dringenden Rat, sich vorher nochmal zu waschen. Das war also der Dank für ein Jahr aufopferungsvollen Dienst in der Fremde, dachte er verdrossen.
Ganz vorsichtig, um den fauchenden Lindwurm in seinem Schädel nicht zusätzlich zu reizen, ließ er den Blick über die restlichen anwesenden Personen schweifen. Neben einem nervös wirkenden Schreiber hinter einem Stehpult auf der anderen Seite des Throns und zwei sich am Rand regungslos parat haltenden Dienstboten, warteten die wenigen edlen Angehörigen des Hofs am Fuß des Podests auf das Eintreffen ihres neuen Herrn. Gerade angesichts der gewaltigen Ausmaße des Saals ein verloren wirkendes Häuflein.
Da war zunächst Affra von Fluck, die aufgrund ihrer beträchtlichen Leibesfülle vor allen anderen ins Auge stach. Die strenge Vögtin hatte in den vergangenen Jahren im Auftrag des Grafen über Ingerimms Steg geherrscht – recht kompetent, wie Friedwang ihr zugestehen musste - und bisher war sie es gewesen, die hier vom Thron aus Hof gehalten hatte. Sie nun dort unten zu sehen war ungewohnt. Was sie selbst von der Situation hielt, war unschwer zu erraten. Ihre Lider waren halb geschlossen, die Mundwinkel abschätzig nach unten gezogen und die Arme vor ihrem beeindruckenden Vorbau verschränkt. Die ganze Haltung drückte eine Mischung aus wohlbemessener Langeweile, unverhohlener Arroganz und latentem Trotz aus.
Mit etwas Abstand zu ihr standen Radulf von Kleiendorn, der Burghauptmann und damit Friedwangs direkter Befehliger, und seine Gattin Torgunn von Ascheraden nah zusammen und sprachen leise miteinander. Radulf, ein Ritter bornischer Abstammung, war sicher noch nie der Fröhlichste gewesen, doch jetzt machte er einen noch schwermütigeren Eindruck als sonst. Angesichts seines kürzlich erlittenen Verlusts kein Wunder, dachte Friedwang mitfühlend. Auch die Ascheraderin schien bedrückt. Und das hochgeschnittene dunkle Kleid, das sie trug, sorgte dafür, dass die ohnehin immer schon recht blasse Hofdame noch bleicher wirkte. Friedwang mochte die schmalgebaute Frau sehr gerne. Sie galt als die gute Seele auf Drôlenhorst, hatte sie doch stets ein offenes Ohr für jeden und machte sich nützlich, wo sie konnte, ohne groß Aufhebens darum zu machen. Sie so niedergeschlagen zu sehen, gefiel ihm gar nicht.
Im Gegensatz zu den beiden wirkte Theobald von Triggenfels geradezu aufgekratzt. Der junge gutaussehende Kastellan hatte sich, wie üblich, ganz apart herausgeputzt, stand mit durchgedrücktem Kreuz da und rieb seine Hände immer wieder aneinander. Prüfend ließ er seinen Blick ohne Unterlass durch den Saal wandern, so als ob die Gefahr bestünde, dass sich die Banner an den Wänden oder die von den Stützsäulen hängenden Trockenblumenkränze oder die hohen verschnörkelten Kerzenständer unerlaubt von den ihnen zugewiesenen und wohldurchdachten Positionen entfernen könnten, falls er mal kurz nicht hinsah.
Geron hatte den Kastellan gestern Abend - nach ihrer späten Ankunft noch - sowohl über seinen Amtsantritt als auch über die Namensänderung informiert und ihm die entsprechenden Belege und Urkunden vorgelegt. Mittlerweile – so war sich Friedwang sicher – waren alle Anwesenden darüber In Kenntnis gesetzt worden.
Dann wurde unvermittelt die doppelflügelige Tür aufgeschoben und Geron betrat den Saal. Unter dem Wappenrock der Baronie – auf der Brust der goldene Amboss mit Hammer vor Blau - blitzte das polierte Kettenhemd hervor, seine Linke ruhte auf dem Knauf seines gegürteten Schwertes und das Kinn war kühn nach vorne gestreckt. Insgesamt ein durchaus ritterlicher und aufgeräumter Eindruck, den er da machte, als er gemessenen Schrittes den absurd langen Weg zwischen Eingang und Thron hinter sich brachte, befand Friedwang.
Als er dann endlich vor dem Podest ankam, senkten die Edlen – mehr oder weniger - respektvoll ihre Häupter und Theobald stellte jeden von ihnen ausschweifend mit Rang und Namen vor, was Friedwang jedoch gelangweilt ausblendete. Erst als Geron anschließend die Stufen zum Thron erklomm, wurde er wieder aufmerksam. Kurz nahmen die beiden Blickkontakt zueinander auf, nur einen Herzschlag lang, doch das genügte, damit Friedwang die unterschwellige Anspannung in der Miene seines Herrn bemerkte, die die Souveränität, die er augenscheinlich ausstrahlte, Lügen strafte. Der Waffenknecht deutete ein aufmunterndes Nicken an, bevor Geron vorne auf der Kante des Throns Platz nahm und sich dann an den Hof – seinen Hof - wandte.
Er räusperte sich, dann ergriff er mit fester Stimme das Wort: „Hohe Damen, Hohe Herren, ich danke Euch für den warmen Empfang, den Ihr mir bereitet, zumal meine Ankunft so kurz nach einem dermaßen schmerzlichen Ereignis erfolgt. Herr Radulf, mit großem Kummer habe ich unlängst vom Tod Eurer Schwester und Eurer Nichte vernommen. Seid versichert, dass ich Eure Trauer teile, zumal ich Euren Neffen, den Baronet Meinhard von Binsböckel, in Salthel als guten Kameraden kennen und schätzen gelernt habe. Ich verspreche, dass ich alles mir in der Machtstehende tun werde, um zu verhindern, dass sich ein solch unerhörtes Geschehen wiederholen wird, alles, um den Rotpelz in seine Schranken zu weisen.“
Der Burghauptmann sah seinen neuen Baron kurz an und Friedwang meinte, Zweifel in seinem Blick zu erkennen, doch dann deutete der Kleiendorner eine Verneigung an und antwortete schlicht: „Habt Dank für Eure Worte, Hochgeboren.“
Geron nickte, dann fuhr er fort: „Frau Affra, Ihr habt Ingerimms Steg acht Götterläufe lang an meiner statt regiert, habt Euch um das Land und die Leute wohl gekümmert. Dafür gebührt Euch mein aufrichtigster Dank.“
Hatte er hierauf eine Reaktion erwartet, wurde er enttäuscht. Die Fluck sah ihn nur weiter gelangweilt an, wobei sie das Kunststück fertigbrachte, trotz gegenteiligem Höhenunterschied auf ihn herabzuschauen.
Davon ließ Geron sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Zumindest Friedwang ahnte mittlerweile, dass der Baron sich seine Rede im Vorfeld sorgfältig zurechtgelegt hatte und nun auswendig vortrug.
„Seine Hochwohlgeboren, Graf Bunsenhold zur Sichel, empfahl mir dringendst, Euch weiterhin als Lehnsvögtin am Hof zu beschäftigen, so dass ich von Eurem Wissen lernen und als Lehnsherr wachsen kann. Ich erkenne die Weisheit in diesem Rat und frage Euch daher, Edle Dame: Wollt Ihr mir auch in Zukunft bei den Amtsgeschäften und der Verwaltung des Lehns zur Seite stehen?“
Zur Antwort erhielt er zunächst nur ein leises Schniefen. Doch dann legte die Fluck los. „Über den Wunsch des Grafen bin ich informiert“, schnarrte sie. „Und natürlich werde ich dem nachkommen. Außerdem wäre es für mich nur schwer zu verdauen, zu sehen, dass alles, was ich in den letzten Jahren hier aufgebaut habe, den Bach runtergeht. Also ja, ich werde mein Amt fortführen.“ Sie bedachte den Baron mit einem herablassenden Blick, bevor sie noch ein hingerotztes „Hochgeboren“ hinterherschob.
Die Kaltschnäuzigkeit der Vögtin verunsicherte Geron nun scheinbar doch ein wenig. Friedwang bemerkte besorgt, wie er beide Hände auf dem Schoss faltete und begann, sie nervös zu kneten. Auf einmal wirkte er auf dem übergroßen herrschaftlichen Sitzmöbel doch recht verloren.
Nach ein paar bangen Momenten hatte der Junge sich dann jedoch schnell wieder gefasst. „Gut. Gut, das freut mich“, entgegnete er nur, wobei sich eine unterschwellige Härte in seine Stimme manifestiert hatte. Dann wandte er sich an den Triggenfelser.
„Herr Theobald, Ihr seid Frau Affra auf Geheiß des Grafen aus Salthel hierher gefolgt und habt seither in ihrem Auftrag auf Drôlenhorst als Kastellan gewirkt. Wie ich hörte, und wie ich mich heute selbst überzeugen konnte, erfüllt Ihr diese Aufgabe trotz Eurer jungen Jahre mit Bravour.“
Der Angesprochene verneigte sich ein wenig und hob zu einer Antwort an, doch Geron war noch nicht fertig.
„Vor einem guten Jahr habt Ihr außerdem Weitblick bewiesen, als Ihr mir nach meiner Schwertleite den guten Friedwang an die Seite gestellt habt, der mir seitdem auf meinen Reisen treu und redlich gedient hat.“
Alle Augen richteten sich für einen kurzen Moment auf den neben dem Thron stehenden Waffenknecht, dem diese plötzlich zuteilgewordene Aufmerksamkeit sichtlich unangenehm war. Er war froh, als Geron mit seiner Rede weitermachte.
„Die stolze Familie Triggenfels ist seit jeher in Ingerimms Steg beheimatet. Und auch wenn Euer Stammlehen, wie so vieles, durch die Wüstenei verloren ging, so gehört Ihr doch hierher. Also biete ich Euch an, das Amt des Kastellans unter meiner Ägide fortzuführen. Auch Graf Bunsenhold ist damit einverstanden und würde Euch, Eure Zustimmung vorausgesetzt, aus seinen Diensten als Ritter der Sichel entlassen. Was sagt Ihr?“
Nochmals verbeugte der Triggenfelser sich, etwas tiefer nun. „Habt Dank, Hochgeboren“, sprach er dann mit großem Ernst. „Es wäre mir eine Ehre, Euch fürderhin hier am Hof dienen zu dürfen.“
Geron nickte wieder. Friedwang kam es so vor, als ob er damit im Kopf einen weiteren Punkt auf einer Liste abhakte.
„Her Radulf“, richtete Geron das Wort dann abermals an den Kleiendorner. „Durch meinen Vater wurdet Ihr seinerseits in Erfüllung einer Familienschuld mit dem Junkertum Reß belehnt. Zu seiner und nun meiner Schande, war jenes Gut zu diesem Zeitpunkt jedoch ebenfalls bereits Opfer der Ödnis geworden und daher nichts wert. Durch meinen Onkel Tiro, der als Vogt vor Frau Fluck die Amtsgeschäfte innehatte, erhieltet Ihr dann zumindest hier die Stellung als Burghauptmann. Wie mir zu Ohren gekommen ist, habt Ihr Euch in dieser Funktion mit Eurer Verlässlichkeit und Erfahrung in Ingerimms Steg sozusagen unverzichtbar gemacht.“
Wieder richtete sich das ein oder andere Augenpaar auf Friedwang Appelberger. Wer sonst hätte dem jungen Baron wohl berichten können, wie sich die Edlen am Ingerimms Steger Hofe in den vergangenen Jahren so gemacht hatten. Der Waffenknecht schluckte schwer und wünschte sich, an Ort und Stelle einfach im Boden zu versinken. Bevor es dazu jedoch kam, sprach Geron weiter.
„Schon allein aus diesem Grund, aber auch weil ich mich weiterhin in Eurer Schuld stehend betrachte, wäre ich erfreut, wenn Ihr von nun an mir als Burghauptmann dienen würdet.“
Radulf von Kleiendorn hatte Geron mit schräg gelegtem Kopf gelauscht. In seinem Blick war immer noch Skepsis erkennbar, aber auch etwas anderes. Interesse vielleicht. Zuversicht womöglich. Auf jeden Fall aber milde Überraschung.
„Euer Hochgeboren“, antwortete er schließlich. „Auch ich werde mein Amt gerne unter Eurer Herrschaft weiterführen.“
„Ich danke Euch“, nahm Geron die Entscheidung des Kleiendorners zufrieden und abermals mit dem Kopf nickend zur Kenntnis. „Zumal das bedeutet, dass Eure Gemahlin dem Hof erhalten bleiben wird. Ich hoffe, dass Ihr, Frau Torgunn, auch mir in Zukunft eine ebenso große Hilfe und Stütze sein werdet, wie Ihr es in der Vergangenheit der Vögtin und dem Kastellan wart.“
Die Angesprochene sagte daraufhin zwar nichts, trat aber – fast schon schüchtern - einen halben Schritt nach vorne und verneigte sich.
„Gut, da das geklärt ist …“, sprach Geron dann leise und atmete einmal tief durch bevor er wieder deutlich vernehmbar fortfuhr: „Darüber hinaus ist es mein Wille, dass sich alsbald meine Vasallen auf Drôlenhorst versammeln, damit sie ihren Lehnseid vor mir sprechen, wie es gute Sitte ist. Und um dies zu bezeugen sollen dazu außerdem die Ingerimms Steger Vertreter der Zwölfgöttlichen Kirchen und die Herrschaften der Nachbarbaronien eingeladen werden. Am besten, bevor das Wetter das Reisen allzu beschwerlich macht.“
Da die Fluck, die – so sollte man meinen – als Vögtin eigentlich für die Umsetzung dieses Auftrags zuständig gewesen wäre, nicht den Eindruck machte, sich angesprochen zu fühlen, meldete Torgunn von Ascheraden sich nach einem Moment zu Wort: „Ich werde das gerne in die Wege leiten, Euer Hochgeboren.“
Geron warf der Hofdame einen dankbaren Blick zu. „Dann wäre da nur noch eine Sache. Wie Ihr sicher bereits wisst habe ich den Namen Weitenberg von Drôlenhorst-Rabenmund abgelegt. Ich berufe mich als Herrscher von Ingerimms Steg auf meine Ur-Großmutter Waidrun von Tresslingen, die Tochter des vor den Weitenbergs regierenden Barons Emmeran und habe daher deren Adelsnamen angenommen. Herr Theobald, aus diesem Grund wünsche ich, dass neben den Ingerimms Steger Farben ab sofort auch die Farben derer von Tresslingen von den Türmen Drôlenhorsts wehen.“
„Natürlich, Hochgeboren. Ich werde das alsbald veranlassen“, lautete die beflissene Antwort.
„Dann danke ich Euch allen nochmals und will ich Euch nicht weiter von Euren Pflichten abhalten“, schloss Geron den Empfang.
Nachdem die Edlen den Saal verlassen hatten und auch der Schreiber und die Dienstboten auf einen Wink Gerons hin gegangen waren, drehte der junge Baron sich zu Friedwang um. Die Erleichterung war ihm deutlich anzusehen. „Und?“, fragte er.
„Sehr herrschaftlich. Muss ich schon sagen“, entgegnete der Waffenknecht und erlaubte sich ein freches Grinsen. „War bestimmt ne kurze Nacht was?“
„Na, scheint bei dir nicht anders gewesen zu sein. Siehst ja schlimm aus.“ Geron rümpfte die Nase. Offenbar sah Friedwang nicht nur nach einer durchzechten Nacht aus, er roch auch danach. Das leise Lächeln, das dabei die Mundwinkel des Barons umspielte, zeigte aber, dass er ihm das kaum übelnahm. „Sieh zu, dass du ins Bett kommst“, fügte er hinzu. „Ich brauche dich mit klarem Kopf.“
Burg Drôlenhorst, auf dem Burghof
Am frühen Nachmittag
Friedwang hatte zunächst die Hellebarde zurück in die Waffenkammer gebracht und sich dann, entgegen dem Befehl seines Herrn, erstmal in die Küche begeben, um einen kleinen Imbiss abzugreifen. Die Mägde und Knechte dort hatten ihn sogleich aufgeregt umschwänzelt und ihm eine Leckerei nach der anderen vorgesetzt während sie ihn neugierig über seine Erlebnisse während der letzten Monate ausgefragt hatten. Und weil auch die dralle Birgund unter ihnen war, hatte Friedwang bereitwillig und ausschweifend Auskunft gegeben.
Aus diesem Grund war es nun schon deutlich nach der Praiosstunde, als er sich endlich über den zugigen Burghof in Richtung seines Quartiers schleppte und sich auf ein paar Stunden erholsamen Schlaf freute.
„Ah, Meister Appelberger“, erscholl da ein heller Ruf und Friedwang hob seinen Kopf um sich mit schweren Lidern angestrengt umzuschauen. Auf der anderen Seite des Hofs entdeckte er Torgunn von Ascheraden, die scheinbar gerade noch mit einer Stallmagd gesprochen hatte, und jetzt schnellen Schrittes auf ihn zuhielt.
„Friedwang“, hob sie freundlich an, nachdem sie vor ihm zum Stehen gekommen war und nun zu ihm aufsah. „Ich bin bei der Aufregung vorhin gar nicht dazu gekommen, dich zurück auf Drôlenhorst willkommen zu heißen.“
Der Waffenknecht neigte sein Haupt, doch bevor er etwas entgegnen konnte, sprach die Ascheraderin schon weiter. „Schön auf jeden Fall, dass du wieder da bist. Sei versichert, dass Radulf darüber ebenso erfreut ist, auch wenn er es vielleicht nicht so zeigt. Du kannst dir denken, dass er damals gar nicht angetan war, als der Herr Theobald einen seiner besten Männer einfach so fortgeschickt hatte - trotz der guten Gründe, die er dafür sicherlich hatte. Und dann ist daraus ein ganzes Jahr geworden.“
„Ich danke Euch, Frau Torgunn“, antworte Friedwang. „Ich bin auch froh, wieder hier zu sein.“
„Das kann ich mir denken. Das muss ja eine aufregende Zeit gewesen sein, was?“
„Och …“
„Und dir ist schon bewusst, dass du dadurch uns allen hier etwas voraushast, oder?“
„Ich?“
„Natürlich. Du musst unseren neuen Baron doch während Eurer gemeinsamen Reisen recht gut kennengelernt haben. Oder etwa nicht?“
„Joa …“
„Na, das glaube ich schon. Ich frage mich da, ob …“ Torgunns Stimme war zu einem Raunen geworden. Gedankenversunken biss sie sich leicht auf die Unterlippe, so als ob sie innerlich mit sich haderte, nur um nach einem kurzen Moment kopfschüttelnd ihre Entscheidung kundzutun: „Ach nein, das wäre wohl nicht angemessen.“
„Was denn?“, wollte Friedwang wissen. „Fragt ruhig. Ich helfe gerne.“
„Na gut“, rang die Hofdame sich offenbar doch durch und sah sich kurz nach rechts und links um, bevor sie in einem verschwörerischen Ton fortfuhr. „Weißt du, nun, da du den Herrn Geron so gut kennst, wäre es sehr hilfreich, wenn du mir vielleicht etwas von ihm erzählen würdest. Also, wie er bestimmte Dinge sieht – was ihn so umtreibt. Es gäbe dann weniger Missverständnisse in der ersten Zeit und ich könnte ihn vielleicht besser unterstützen, sich hier einzuleben. Meinst du nicht?“
„Jaa ...“, antwortete Friedwang zögerlich. „Das würde schon Sinn machen, denke ich.“
„Sehr gut“, strahlte die Ascheraderin und hakte sich bei dem müden Waffenknecht unter. „Dann lass uns doch ein Plätzchen suchen, wo wir etwas ungestörter reden können. Ich glaube, irgendwo müsste ich auch noch ein Fläschchen Likör haben. Den können wir uns dabei schmecken lassen.“
Sanft, aber zielgerichtet, bugsierte sie Friedwang kurzerhand wieder zurück in Richtung des Haupthauses, wobei sie das gequälte Stöhnen, das ihm dabei unwillkürlich entfuhr, gar nicht wahrzunehmen schien.