Ende Rondra 1029 BF
In einem Lager im Hohenforst, Herzoglich Weiden

“Und? Gibt’s was Neues von der Sichelwachter Front, Füchslein?” “Hum ... naja, das kann man so oder so sehen”, Birke grinste breit, während sie ihren Apfel akkurat in kleine Schnitze zerteilte, “Sie sind jedenfalls noch nicht abgezogen.”

“Nach dem, was ich so hör, haben sie ihre Vorgehensweise bisher auch nich wirklich geändert. Kommen bloß immer neue Spitzen dazu, eh?” “Oh ja, das stimmt. Und genauer werden sie. In Radbruch haben sie neulich rotzfrech behauptet, dass es mit den Fähigkeiten Borkas nicht weit her sein kann, wenn er im Tjost die Pferde seiner Gegner abstechen muss, um es überhaupt zu was zu bringen – und hinterher dann wie ein nichtswürdiger Feigling das Weite sucht, weil er sich nicht traut, seinem schwer verwundeten Gegner im Zweikampf die Stirn zu bieten.” “Jepp, sowas hab ich auch gehört. Hab gehört sie hätten gesagt Borka wär eher n nordmärksches Hühnchen, das beim ersten Anzeichen von Gefahr kopflos das Weite sucht, als n weidenscher Falke, der gnadenlos zuschlägt, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet. Offenbar haben die Dörfler sich darüber köstlich amüsiert.” “Ja, das stimmt wohl so”, Birke nickte bestätigend.

“Was sagt Borka denn eigentlich dazu?”, fragte Gilm nach kurzem Zögern, “Wird ja nun langsam doch ein bisschen arg, eh? Mit ‘nem Nordmärker würd ich mich ja nich vergleichen lassen wolln. Wie lang er sich das wohl noch gefallen lässt?” “Keine Ahnung”, Birke hob ratlos die Schultern, “Habe bisher nichts von ihm gehört. Ich nehme mal an er weiß was los ist. Aber scheinbar ist es ihm nicht genug, um für Ruhe zu sorgen.” Mit nachdenklicher Miene schob sie ihrem Gefährten ein paar Apfelscheiben zu.

“Hmhum. Na, ich bin jedenfalls gespannt, wer am Ende den längeren Atem hat”, zufrieden lächelnd griff Gilm sich einen der Schnitze und vergrub seine Zähne in dem hellen Fruchtfleisch, “Kleine Wette gefällig?”