Fantholi Nummer 34:
Von Falken und Widdern
Herzoglich Weiden. Aus der Heldentrutz erreichte uns just die Kunde von einem in aller Heimlichkeit ausgefochtenen Ehrenhändel zwischen den Hohen Herren Borka Fälklin und Widderich von Rauheneck. Gerüchteweise wurde damit zu Ende gebracht, was ein Jahr zuvor auf der Sommerturney in Hohenhain seinen unglückseligen Anfang nahm. In der zweiten Runde des Tjosts hatte der aus der Grafschaft Sichelwacht stammende Rauheneck im Rondra 1029 BF einen ganz in Blau gerüsteten Ritter gefordert, der seinen Namen nicht preisgeben wollte, und war bei dem anschließenden Kräftemessen aufgrund eines haarstäubenden Zwischenfalls sowie einer aufsehenerregenden Fehlentscheidung des Turniermarschalls aus dem Wettbewerb ausgeschieden.
Verlässlichen Quellen zufolge sah der Blaue Ritter sich damals außerstande seinem Gegner auf herkömmlichem Wege beizukommen und ritt deshalb einen niederträchtigen Angriff gegen das Ross des Sichlers, was dessen katastrophalen Sturz zur Folge hatte. Trotz seines unritterlichen Gebarens wurde der Streiter ohne Namen jedoch weder disqualifiziert noch gezwungen, seine Identität preiszugeben. Vielmehr eröffnete man dem vom Sturz sichtlich gezeichneten Rauheneck – dessen Pferd mit dem Tode rang –, dass der Kampf für ihn verloren sei, wenn er nicht noch einmal in den Sattel steige, um seinem ebenso gesichts- wie ehrlosen Gegner erneut die Stirn zu bieten. Offenbar hat der Sichelwachter bereits in diesem Rahmen Satisfaktion gefordert, erklärte sich aber bereit, den Turnierfrieden zu wahren und seinen Strauß erst nach Abschluss der Feierlichkeiten auszufechten. Über seinen letzten Lanzengang, in dem er später auf fremdem Pferd und allem Anschein nach angetrunken keine allzu gute Figur mehr machte, soll hier das Mäntelchen des Schweigens gebreitet werden. Seine Genugtuung hat der Rauheneck in Hohenhain jedenfalls nicht bekommen, denn der Blaue Ritter schlich sich in der Nacht darauf ungesehen davon.
Wie sich der Bogen von dieser Geschichte zu dem oben erwähnten Duell schlagen lässt, bleibt schleierhaft. Obwohl der Name ‘Borka Fälklin’ in Hohenhain nicht gefallen ist, scheint sein Herausforderer jedoch zu der Überzeugung gelangt zu sein, dass niemand anders als er unter dem Helm des Blauen Ritters steckte. Offenbar war diese Erkenntnis auch der Grund dafür, dass der Rauheneck sich im Anschluss an den Baronsrat auf Burg Efferddorn in die Heldentrutz begab, um abermals Satisfaktion zu fordern. Die Tatsache, dass sein Rivale sich in den Wäldern Herzoglich Weidens versteckt hielt, war dabei nur vorübergehend hinderlich: Mit bemerkenswerter Ausdauer gelang es dem Sichler den anfänglichen Widerstand zu brechen, indem er sich so lange auf Kosten des Fälklins amüsierte, bis selbst die Spatzen auf den Dächern in seine Spottlieder einstimmten und die Bauern auf den Feldern sich den Schmähreden über das ‘feige Trutzer Hühnchen’ anschlossen. Am Ende blieb dem solchermaßen Verhöhnten wohl nichts anderes, als die Deckung aufzugeben, um nicht gänzlich zu einer verachtenswerten Witzfigur zu verkommen.
Leider ist es uns nicht möglich, unseren treuen Lesern vom Ausgang des Duells zu berichten. Zu verschieden ist die Kunde, welche bisher an unsere Ohren drang. So behaupten die einen, dass der Sichelritter im Morgengrauen des 12. Efferd ein wahres Schlachtfest veranstaltet habe – doch warum sollte er abgezogen sein, ohne den geschlagenen Vogelfreien zu seinem eigenen Ruhme und finanziellen Vorteil an die Obrigkeit auszuliefern? Andere behaupten wiederum, der Heldentrutzer habe seinen hoffnungslos unterlegenen Kontrahenten von Anfang an dominiert – aber, so fragt sich der Schreiber dieser Zeilen, wie kommt es dann, dass er über seinen Sieg bisher noch kein Wort verlauten ließ, zumal um seine Spötter endlich zum Schweigen zu bringen? Wir hoffen darauf, uns in dieser Angelegenheit bald schon Klarheit verschaffen zu können und werden weiter berichten.