X. Heldenwerk

 

"Die Umstände im Schatten des Finsterkamms haben einen sehr harten und Entbehrungen gewohnten Menschenschlag hervorgebracht. Die Bewohner Weidenhags sind misstrauisch und als Fremder findest du nur sehr schwer einen Zugang zu ihnen, dennoch behandeln sie ihre Gäste der Herrin Travia gefällig außerordentlich freundlich. Hast du jedoch einmal ihre Herzen geöffnet, dann stehen die Weidenhager dir bei - durch dick und dünn und nicht wenige wären sogar bereit, ihr Leben für einen guten Freund zu geben. Der Adel steht Rondra nahe und ist sehr dem Schwerte zugetan und nur wenige … und vor allem Nachgeborene … streben hierbei nicht den Ritterstand an. Die, die es nicht tun, findet man sehr oft in den präsenten Kirchen, weshalb sich in den Tempeln durchwegs auch Sprösslinge des hiesigen Adels finden mögen. Innerhalb der Baronie finden sich auch einige Freibauern, hier auch Wehrsassen genannt, genauso wie es in den Dörfern freie Handwerker, wie Schmiede, Gerber oder Kürschner geben mag. Das Gro der Bevölkerung setzt sich jedoch aus Unfreien zusammen, vor allem handelt es sich hierbei um Bauern, Viehzüchter, Mägde und Knechte. Oftmals läuft man in Weidenhag auch Jägern über den Weg."
- die Aves-Geweihte Alwine Nesselklamm, neuzeitlich

X.I. Vorschläge für Szenarien

Innerhalb der Baronie gibt es für findige Helden und Meister einiges zu tun. Die folgenden Szenarien dienen hierbei als Ideen, die ausgearbeitet werden können.

 

X.I.I. Das Sankt-Perdansfest

Am Sankt Perdanstag, dem 2. Rahja, finden sich zum Perdansfest in Wargentrutz ständig ein paar wagemutige junge Männer und Frauen, die den Weg in den verwunschenen Forst auf sich nehmen wollen, ganz so wie es einst der Held Perdan getan hatte um seine Geliebte aus den Fängen der Wargenkreatur zu erretten. Beim diesjährigen Fest kam es jedoch zu einem überraschenden Vorfall. Fenia, die junge Geweihte des örtlichen Rosentempels, scheint verschwunden und nicht wenige der anwesenden Feiernden meinen zu wissen, dass die junge, rothaarige Frau zuletzt am Rande des Wargenforsts gesehen wurde. Wurde sie entführt oder trieb sie die Neugier in den dunklen Forst? Steckt der Warg dahinter? Oder doch einfache Schurken? Es ist auf jeden Fall eine Sache, die nach Helden verlangt.

 

X.I.II. Die Herrin des Hohenforstes

Im firunswärtigen Teil der Baronie kommt es seit einigen Götterläufen immer wieder zu Überfällen auf Reisende. Dahinter steckt das Treiben der Raubritterin Henya aus dem Hohenforst. Alle Versuche ihrer habhaft zu werden, scheiterten bislang an der schieren Tatsache, dass die Ritterin den Hohenforst wie ihre Westentasche zu kennen scheint und sich ihrer Verfolger spielerisch zu entziehen vermag. Über Umwege erfährt der firungläubige Junker von Biberwald - pikanterweise Henyas Bruder - dass seine Schwester, die angeblich eine Nähe zum Erzdämonen Belshirash pflegt, auf der Suche nach dem Rajoksbau sei, welcher sich im Hohenforst befinden soll. Dass nur wenige Menschen um die Existenz dieses Ortes wissen - darunter der Hochgeweihte des Firun zu Ulmenau - macht die Sache nur umso herausfordernder. Es gilt auf jeden Fall zu verhindern, dass das Heiligtum des Wintergottes in die Hände Henyas fällt.

 

X.I.III. Der verschwundene Sohn

Ab und an wird ein junger Mann - seltener auch eine junge Frau - Opfer der lieblichen Nymphe vom Weissensee. Für die Weidenhager Mütter und Väter ist dieser Umstand ein Alptraum, handelt es sich bei Loreleï doch um ein überderisches Wesen. Doch die verspielte Nymphe ist kein böses Wesen, sie mag die Menschen und ist sehr neugierig. Besonders gerne lauscht sie der Musik von Barden und lässt sich mit magischen Gegenständen oder ausgefallenem Kunsthandwerk beschenken. Bestimmt schafft es eine Heldengruppe ihr einen Handel schmackhaft zu machen, den verlorenen Sohn/die verlorene Tochter Weidenhags wieder auszulösen.

 

X.II. Hintergründe für Helden aus Weidenhag

"Warum sollte ich von hier weg? Das ist meine Heimat!"
- geflügelter Ausspruch in der Baronie Weidenhag

Die Weidenhager sind einfach, ärmlich, heimatverbunden und misstrauisch gegenüber Fremden, wiewohl die travianischen Gebote der Gastfreundschaft in höchsten Ehren gehalten werden, weshalb sie ihre Heimat sehr selten verlassen. Tun sie es doch, bestechen die Söhne und Töchter der Baronie durch ihre Zähigkeit, Treue und ihr Improvisationstalent.
Es ist nicht leicht, die Motivation eines Weidenhagers zu finden, um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Ja, das Leben in der Heldentrutz ist karg und oft nicht ungefährlich, aber die Menschen der Baronie sind sehr heimatverbunden und unsicher, was Veränderungen und Erneuerungen angeht. Darüber hinaus ist die deutliche Mehrheit unfrei, weshalb sie ein Verlassen der heimatlichen Scholle zu Verbrechern machen würde. Dennoch mögen sich auch hier die eine oder andere Ausnahme finden:
Adelige geben ihre Kinder zur Ausbildung gerne an die Höfe von befreundeten und verbündeten Adelsfamilien. Diese sind oftmals in einer anderen Grafschaft und selten auch in einer anderen Provinz zu finden. Auch die fertig ausgebildeten Ritterinnen und Ritter begeben sich nicht selten in die Dienste eines Adelshofes außerhalb Weidenhags, da die Stellen innerhalb der Baronie selbst nicht zahlreich sind.
Auch wenn Adelige oder Freie ihre Sprösslinge in die Obhut der Kirchen schicken, kann dieser Weg sie in die Ferne führen. Gerade wenn es ein Noviziat in den Kirchen Firuns oder Ifirns ist, führt es die Söhne und Töchter Weidenhags oftmals in fremde Lande.
Ebenfalls hoch angesehen ist die Profession des Barden. Die Ausbildung hierfür erfolgt an den Schulen zu Trallop und Balsaith, oder an der Seite eines umher ziehenden Barden - gerade als solcher mag es einen Weidenhager ebenfalls auf Wanderschaft in weite Fernen ziehen.
Die Handwerksgesellen in Weidenhag zieht es nach ihrer Ausbildung auch schon einmal auf die Walz, wo es darum geht, neue Einflüsse kennenzulernen und das eigene Handwerk zu verfeinern.
Angehörige der Hexen innerhalb der Baronie mögen auch den Ruf der Ferne ereilen, wenn es darum geht, einen Auftrag ihrer Zirkeloberen zu erfüllen oder sie sich auf die Suche nach einem seltenen Heilkraut macht.
Aus den bäuerlichen Gemeinschaften begeben sich nur äußerst selten Weidenhager auf Wanderschaft - denkbar wäre hierbei eine Verbannung (eine seltene Strafe) oder die Flucht eines Leibeigenen von der Scholle, der die vielen Geschichten, welche an weidenhager Feuern erzählt werden auch einmal mit eigenen Augen sehen möchte.

 

X.II.I. Mögliche Professionen

Das Rückgrat der Baronie bilden die Bauern, welche den Großteil der Bevölkerung darstellen. Diese sind meist auch unfrei. Eine Eigenart der Weidenhager Lande stellen hierbei auch die freien Wehrsassen dar. Besonders oft findet man in diesem Zusammenhang auch Viehtreiber auf den Weiden und Wiesen Weidenhags. In den Wäldern halten Jäger im Namen des Adels Wacht.
Verarbeitet werden die Erzeugnisse in den Dörfern, wo sich eine Vielzahl an Handwerkern finden; besonders wichtig sind vor allem die Fleischer, Brotbäcker, die Gerber und Kürschner und Weber, die die Schätze der Weiden, Felder und Wälder verarbeiten.
Rund um die großen Forste der Baronie verarbeiten auch Schreiner jene Materialien, die die Holzfäller dem Wald abtrotzen.
Angesehenes Handwerk in Weidenhag entspringt ebenfalls den Händen der Schmiede, Schneider, Schuster und Bogenbauer.
Nach getaner Arbeit finden sich die Weidenhager gerne in den örtlichen Schenken und Tavernen ein, die von einem Wirt betrieben, auch Schankmägden eine Arbeit bietet. In Hinterzimmern bieten des Öfteren auch Baderinnen ihre Dienste an. Auch geben sich in besagten Etablissements auch Barden die Ehre, die hier mit ihren Darbietungen an den Feuern die eine oder andere Münze verdienen können.
Für das seelische Wohl sorgen innerhalb Weidenhags vor allem die Diener Peraines aus dem Kloster Sankta Perainme, die Geweihten der Travia vom Hag des göttlichen Herdfeuers, oft umherreisende Dienerinnen der Ifirn oder Firuns, sowie die in Weiden allgegenwärtigen Diener Rondras.
Über all dem steht auch in Weidenhag der Adel. Dort gehört es zum guten Ton, den Stand der Ritterschaft anzustreben, wobei hierbei ausnahmslos die traditionellen alten Wege gelebt werden. Im Gefolge des Ritters finden sich für gewöhnlich Waffenknechte in verschiedenen Waffengattungen. Da sich nicht jeder adelige Spross die kostspielige Ausbildung zur Ritterin leisten kann, verdingen sich nicht wenige Angehörige adeliger Familien als Geweihte, Höflinge oder Zofen.
Oft abseits menschlicher Siedlungen geben die Schwestern der Krötenhexen ihr Wissen an die nächste Generation weiter. Auch kann man in den dunklen Wäldern Weidenhags niemals die Gefahr eines Raubüberfalls von Wegelagerern ausschließen.

 

Die Weidenhager Wehrsassen

"Bauern, die Waffen tragen? Welch Sakrileg! Wo? ... Weiden, hä? Naja wenn die Ritter dort Seite an Seite mit Bauern sterben wollen, sollen sie."
- ein Adeliger aus Almada

Jeder, der in Weidenhag nicht innerhalb der schützenden Palisade eines Dorfes lebt, tut dies in einem der Wehrhöfe und Wehrweiler, die sich vor allem in den Wargenkuppen finden mögen. Diese kleinen Siedlungen werden meist von einen Wehrsassen geführt, der auch die Aufgabe hat eine gewisse Zahl der Bewohner wehrfähig und ausgerüstet zu halten. Diese Männer und Frauen sind zum größten Teil normale Bauern und nebenher eher schlecht als recht an einer bestimmten, auch alltagstauglichen Waffe ausgebildet. Eben dieser Dienst an der Waffe für die Baronie schenkt unfreien Bauern auch die Freiheit.
Die Wehrsassen kleiden sich bevorzugt in robuste Kleidung, die sie auch bei der Arbeit auf dem Feld auch tragen. Ergänzt wird diese Tracht im Ernstfall, der hoffentlich nicht allzu oft eintritt, um Lederelemente. Als Bewaffnung führen sie bevorzugt Äxte, Dreschflegel, Sturmsensen oder seltener auch Bögen.
Alles in Allem sind die Wehrsassen jedoch in erster Linie Bauern und nur selten findet sich ein Abkömmling, der sich zu Höherem berufen fühlt und das Leben als Abenteurerin dem auf der heimatlichen Scholle vorzieht.

Wehrsasse nach DSA 4.1
(Variante der Profession Bauer, WdH S. 145f; 6 GP)
SO 2-4; Kampf: Bogen +3, Hiebwaffen, Infanteriewaffen, Speere oder Zweihandhiebwaffen +3 (ein zweites +2); Körper: Athletik +1; Wissen: Kriegskunst +2
Zusätzlich empfohlene Vorteile: Ausrüstungsvorteil (Waffen, Lederrüstung)
Zusätzlich empfohlene Nachteile: Gesucht (Landflucht)

Wehrsasse nach DSA 5
AP-Wert:
295 AP
Sonderfertigkeiten: Sprachen und Schriften für insgesamt 2 Abenteuerpunkte, Fertigkeitsspezialisierung Pflanzenkunde oder Tierkunde, Ackerbau, Geländekunde Kulturlandkundig
Voraussetzungen: keine
Kampftechniken: Dolche 8, Hiebwaffen 10, Raufen 10, Stangenwaffen 10
Körper: Klettern 4, Körperbeherrschung 3, Kraftakt 5, Reiten 2, Sinnesschärfe 3, Tanzen 2, Zechen 2
Gesellschaft: Menschenkenntnis 2, Überreden 2, Willenskraft 2
Natur: Fährtensuchen 2, Fesseln 4, Fischen & Angeln 2, Orientierung 3, Pflanzenkunde 6, Tierkunde 5, Wildnisleben 5
Wissen: Götter & Kulte 4, Kriegskunst 2, Rechnen 2, Sagen & Legenden 7, Sternkunde 2
Handwerk: Heilkunde Krankheiten 4, Heilkunde Wunden 4, Holzbearbeitung 5, Lebensmittelbearbeitung 4, Metallbearbeitung 2, Stoffbearbeitung 2
Empfohlene Vorteile: Begabung (Pflanzenkunde oder Tierkunde), Glück
Empfohlene Nachteile: Arm, Persönlichkeitsschwächen (Vorurteile – vor allem gegen Adlige, Nichtmenschen, Randgruppen, Zauberer), Schlechte Eigenschaften (Aberglaube, Autoritätsglaube)