VI. Götter und Heilige

 

"Große Göttin Siegensreich, unfehlbares Schwert Alverans, starker Schild Melliadors - Rondra!"
"Heil und Ruhm sei dir und deinem mächtigen Walkür! Mythrael, Tigerhäuptiger Helfer in der Not. Erfülle unsere Herzen mit Unbeirrbarkeit und Mut zu tun, was uns vorherbestimmt. Deinem Brandschwerte gleich sei unser Zeugnis - rein und unaufhaltsam. Lass´ uns nicht zagen, denn wir streiten und wir wahren allein zum Ruhm der großen Göttin Donnergleich. Darum, oh Walkür, empfehle uns der großen Leuin Alverans! Es sei!"
"Brüder … Schwestern … heute wird der Sturm den Namen Matissas tragen ... am Tage, der der Heiligen geweiht ist, werden wir uns ihrer Geschichte und ihres Opfers erinnern. Denn der Kampf, den wir Weidener führen, ist immer noch derselbe und ihre Standhaftigkeit und Opferbereitschaft soll uns allen zum Vorbild gereichen."
"Große Göttin, niemals ermüdende Wächterin auf Alverans Zinnen, mächtige Beschirmerin der Himmelspforte Melliador! Lass uns ausdauernd wachen, mit wachem Geist, starkem Arm und der Opferbereitschaft deiner Dienerin Matissa. Kein Bedürftiger soll abgewiesen sein, und aller Feind vor Weiden fallen!"
- aus der Andacht zu Ehren Sankta Matissas im Dorf Dûrenbrück, neuzeitlich

Der Glaube an die Götter ist einer der wichtigsten Inhalte im Leben eines Weidenhagers überhaupt, weshalb die Kirchen und ihre Würdenträger einen sehr hohen Stand innerhalb der Baronie haben - vielmehr sind sie oftmals nicht hinterfragenswürdige Respektspersonen. Besonders (selbst für weidener Verhältnisse) stark ausgeprägt ist in Weidenhag auch der Heiligenkult. Der Meinung der Weidenhager nach versteht sie niemand so gut wie jene Personen, die einst auch in ihren Breiten gelebt haben und welche besseren Fürsprecher gäbe es für sie dann an der Seite der Götter?

VI.I. Die Kulte der Zwölf

Rondra und Travia sind die beiden wichtigsten Götter in den Herzen der Weidenhager. Die himmlische Löwin wird dabei durch alle Stände verehrt und gilt als Schutzgöttin Weidens und somit auch Weidenhags. Mit Sankta Matissa meint man sogar in einer Tochter Weidenhags den Nachweis zu haben, dass der Glaube an die Leuin nicht nur dem Schwertadel vorbehalten ist, sondern sie auch einfache Menschen erwählt, die des Kämpfens nicht mächtig sind. Beim Adel stellt Rondra sogar die unumstritten wichtigste Gottheit dar.
Die gütige Eidmutter, wie Travia gerne genannt wird, gilt dem sehr familiären Weidenhager als Hüterin der Familie und des Heims. Auch gilt sie als Hüterin der Schwüre, Eide und der Freundschaft. Die Kirche der Travia ist eng verbunden mit dem Weidenhager Baronshaus.
Den beiden nicht viel nachstehend, wird auch der gebenden Peraine ein großes Maß an Verehrung entgegengebracht. Die Göttin sorgt dafür, dass Vieh und Äcker fruchtbar und die Familie gesund bleibt. Sie übernimmt damit auch die Aspekte Tsas im Glaubensbild. Ihre Kirche unterhält auf Weidenhager Boden ein Kloster und stellt somit die größte Anzahl an Kirchenangehörigen in der Baronie.
Auch der Kult der schönen Rahja stellt eine nicht unerhebliche Größe innerhalb der Glaubenswelt der Weidenhager dar, verstehen sie ihr Land doch als von der Ewigschönen erwählt. Sankt Perdan, einer ihrer Heiliger, gilt als Schutzheiliger der Baronie, dem die Göttin auf Weidenhager Boden einst begegnet sein soll.
Respektvoll gefürchtet wird der grimmige Firun, der das Land so lange in seinem eisigen Griff hält und nicht selten Not und auch Tod mit sich bringt. Dennoch gilt der eisige Vater in Weidenhag auch als Herr über die Wälder und die Tiere darin, die eine der Lebensgrundlagen der Baronie darstellen.
Der stürmische Efferd gilt als Rondras Gemahl, ist Herr der Flüsse und Stürme und wird gerade für Letzteres auch gefürchtet - vor allem wenn er mit der stürmischen Löwin Hochzeit hält.
Von den Handwerkern erfährt auch Ingerimm einiges an Verehrung und auch die Ritterinnen und Ritter mögen den feurigen Vater preisen, wenn die Rüstung oder das Schwert besonders gut gelungen ist.
Der dunkle Boron hat in Weidenhag jedoch einen schweren Stand. Die Menschen nennen aus ihrem tiefen Aberglauben heraus nicht einmal seinen Namen und die Totenriten werden zwar im Namen des dunklen Vaters, doch stets nach den Riten Rondras, Travias oder Peraines vollzogen.
Praios, Phex, Tsa und Hesinde sind den meisten Weidenhagern zwar namentlich bekannt, erfahren für gewöhnlich jedoch keine Verehrung, auch wenn es auch hier ab und an Ausnahmen geben mag.

VI.II. Andere Kulte

Neben den Zwölfgöttern erfährt vor allem die milde Ifirn Verehrung. Sie gilt als die Tochter des grimmen Firun und auch als einzige, die dessen eiskaltes Herz zu erwärmen vermag. Dadurch wird die Göttin als ein Garant für das Leben in der oft so unwirtlichen Gegend gesehen. Da sie oftmals auch für die Pflanzen- und Blumenwelt, sowie tierische Fruchtbarkeit steht, teilt sie sich die Aspekte Tsas mit Peraine.
Ebenfalls der Natur nahe steht die Göttin Satuaria, die nicht immer nur von ihren Töchtern Verehrung erfährt, sondern oft auch als Mittlerin zwischen Menschen und der Natur gesehen wird. Genauso wie es nicht selten vorkommt, dass die Bewohner Weidenhags von Furcht oder Respekt getrieben Fluss- oder Waldnymphen an kleinen Altaren Opfer bringen, um sie sich gewogen zu halten.
Im Verborgenen scheint auch der Kult der blutroten Rondra wieder mehr Zulauf zu erhalten, wiewohl diese ebenfalls als Schnitter bekannte Sekte von Adel und Rondrakirche bekämpft wird.

VI.III. Die Heiligenverehrung

Beinahe unerschöpflich scheint der Sagenschatz, der voll von lokalen Heiligen und Persönlichkeiten ist und deren Taten zum Anlass genommen werden, ihnen als Vorbilder und Fürsprecher nachzueifern. Innerhalb Weidenhags gibt es vier bekannte Heilige, die den Göttinnen Rahja, Rondra, Peraine und Ifirn zugeordnet werden, neben schier unzähligen anderen, die oft nur in Dorfgemeinschaften oder seltener bloß innerhalb von Familien bekannt sind. Niedergeschriebenes zu diesen Heiligen existiert wenig und die allermeisten Weidenhager könnten diese Aufzeichnungen sowieso nicht lesen - das Wissen wird vor allem mündlich von einer in die nächste Generation weiter getragen. Die bekanntesten Heiligen Weidenhags sind wie folgt:

Heiliger: Gottheit: Aspekte: Tempel/Schrein:
Sankt Perdan Rahja, Rondra Aufopferung, Grenzenlosigkeit, Minne Tempel der Heiligen Rosen
Sankta Matissa Rondra Standhaftigkeit, Opferbereitschaft, Mut Saladûra Sancta Matissa
Sankta Perainme Peraine Fürsprecherin gegen Krankheit Kloster Sankta Perainme
Sankt Yann Ifirn Gegen Gefahren in Wildnis, für sichere Heimkehr Schrein bei Mittenwalde

 

VI.IV. Wundersame Orte

Glaubt man den Sagen der Gegend, dann haben bereits zwei Göttinnen ihren Fuß auf Weidenhager Boden gesetzt. Orte, die, wenig überraschend, als Heiligtümer verehrt werden. Bekanntestes Heiligtum der Baronie ist demnach der Rosenhügel im Dorf Wargentrutz, auf dem sich die Statue der Liebenden und die der Göttin Rahja heiligen Rosen befinden. Hier soll die Liebliche einst in Gestalt eines Paradiesvogels dem liebenden Paar Perdan und Alari zur Hilfe gekommen sein, sodass sie ihren Häschern entgehen konnten.
Auch eine Waldlichtung im Dûrenwald soll einst einmal ein Ort gewesen sein, der von einem göttlichen Wesen beehrt wurde. Im Hain der Weißen Maid traf der Sage nach der Jäger Yann auf die leibhafte Ifirn, die dort das Verschwinden ihrer Tochter Lidari betrauerte. Auch heute noch soll eben jener Ort, an dem Ifirns Tränen Dere berührten, immer jagdbares Wild anlocken, was die Menschen in strengen Wintern schon des Öfteren vor dem Hungertod bewahrt hat.
An der Düsterfurt über den Pergel, nahe dem Dorf Pergelfurt, erfuhr einst die schwer an der Gicht erkrankte Bäuerin Perainme Hartung die Gnade der Heilung, weshalb sie der Göttin Peraine zum Dank - mit eigener Hände Arbeit - ein Kloster errichtete. Auch wenn die Kirche diese Heilung niemals als Wunder der Göttin anerkannt hat, suchen viele kranke Menschen die Mauern des Wehrklosters auf, um um Heilung zu bitten.
Unweit des Dorfes Dûrenbrück soll sich auch die Grabstätte der Heiligen Matissa finden, welche zu ihrem Feiertag am 24. Peraine aufgesucht wird. Auch wenn man der Stätte keine Mächte nachsagt, pilgern nicht wenige Gläubige an den Ort um die Fürsprache der Heiligen zu erbitten.
Tief verborgen im Hohenforst soll sich der Bau des Silberfuchses Rajok befinden. Dass die gewählte Heimstatt des Boten von Firuns wilder Jagd ein beliebtes Pilgerziel unter Anhängern des Alten vom Berg wäre, verwundert demnach nicht, doch kann man jene Menschen, die mehr über diesen Ort wissen, als eben jene losen Gerüchte, die um den Forst die Runde machen, wohl an einer Hand abzählen. Ob es sich tatsächlich um ein Heiligtum Firuns, geschweige denn den Bau eines Alveraniaren handel, ist ebenso unbekannt wie der genaue Standort. Einzig dem Hochgeweihten von Ulmenau sagt man nach, dass er um Lage und Natur dieses Ortes bescheid weiß, doch hüllt er sich dabei in firungefälliges Schweigen.

VI.V. Wichtige kirchliche Würdenträger

Einen sehr hohen Stand innerhalb der Baronie haben die Dienerinnen und Diener der Zwölf. Sie gelten den Menschen als Ratgeber, Verbindung zu den Göttern und Begleiter in allen Lebenslagen - kurzum, sie sind innerhalb Weidenhags nicht zu hinterfragende Respektpersonen, gleich welchem der Zwölf sie ihre Leben geweiht haben.

Hochzeit im Hag des göttlichen Herdfeuers


Travine von Weidenhag

Hochgeweihte der Travia (Mutter) im Hag des göttlichen Herdfeuers

Travine ist als jüngere Schwester des Altbarons Andîlgarn von Gugelforst nicht nur Hochgeweihte der in Weiden sehr einflussreichen Kirche der göttlichen Eidmutter, sondern als Baroness auch Angehörige des Hochadels. In ihren Augen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie einiges an Mitspracherecht bei den Entscheidungen der Baronin hat, doch entfernte sie ihre Nichte Gwidûhenna still und heimlich von ihrem engeren Zirkel am Baronshof. Eine Tatsache, die zu einem leicht angespannten Verhältnis zwischen den beiden einflussreichen Frauen führte. 


Leudara Aldieri von Rhodenstein

Hochgeweihte der Rondra (Schwertschwester) im Saladûra Sancta Matissa

Die gebürtige Balihoerin aus dem Haus derer vom Dürrntann ist eine sehr zugängliche Angehörige ihrer Zunft. Im Sinne der Heiligen Matissa, der zu Ehren ihr kleiner Tempel auch geweiht wurde, steht sie der offenen Strömung der Salutaristen nahe. Leudara wurde über die letzten Götterläufe immer öfter auch von der Baronin um Rat gefragt, weshalb ihr Einfluss im Wachsen begriffen ist.


Perainlieb von Pergelfurt

Hochgeweihte der Peraine (Hüterin der Saat) und Äbtissin des Klosters Sankta Perainme zu Pergelfurt

Die alternde Perainlieb ist nicht nur bereits seit einigen Jahrzwölfen eine Institution in den fruchtbaren Landen der Wargenkuppen, sondern auch das Familienoberhaupt der einflussreichen Junkerfamilie derer von Hartungen-Düsterfurt. Die Bauern der Baronie sehen in ihr Fürsprecherin und Verbündete - auch gegenüber den Interessen des Adels.


Rahjania Al-Azila ay Fasar

Hochgeweihte der Rahja (Gastgeberin der Leidenschaft) im Rosentempel

Lange Zeit galt Rahjania, die aus einem Elendsviertel ´der Erhabenen´ Fasar stammt, als Fremdkörper in Weidenhag, prallten hier doch Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Inzwischen jedoch haben die Menschen der rückständigen Baronie ´ihre Tulamidin´ ins Herz geschlossen und sehen sie als eine der Ihren. Nicht nur kümmert Rahjania sich aufopferungsvoll um das Heiligtum und die Pilger, sie steht auch den Wargentrutzern bei ihren alltäglichen Problemen bei.