VIII. Mysteria et Arcana
"Weidenhag, das Land, wo jene Märchen, die mir meine Amme stets zu erzählen pflegte, wahr zu werden scheinen … Es ist ein Land, das beinahe hinter jeder Ecke ein Mysterium verbirgt und das vor Magie nur so zu sprudeln scheint. Seien es alte elfische Ruinen, Kultplätze der Orks, reine magische Quellen, die von Hüterbäumen oder Waldgeistern geschützt oder von Hexen als Plätze für ihre rauschenden Feste verwendet werden, oder der Zwölfe heilige Haine und Stätten - dieses Land ist Magie … doch nicht nur Orte voller Magie mag man in diesen Breiten finden, sondern auch zauberkräftige Wesenheiten, wie die Drachen des Finsterkamms, die Dûren geheißenen Hüter besonders reiner magischer Quellen, oder die Nymphen der Seen und Flüsse. In den Tiefen der Wäldern mag man vielleicht gar Angehörige des Feenvolkes und Elementargeister finden, die den Übertritt in andere Globulen oder besonders reine elementare Quellen zu schützen versuchen..."
- Auszüge aus dem Buch der Schlange des Draconiters Marborad Schlangenlob, neuzeitlich
Dieser Teil der Baroniebeschreibung richtet sich an die Meister von Das Schwarze Auge und enthält Wissen, das speziell für den Spielleiter reserviert ist, um euer gemeinsames Spiel in der Baronie Weidenhag auszugestalten.
VIII.I. Magie im Alltag
"... wie soviele Orte, die du nicht betreten darfst? Du hast dich vom Wargenforst fern zu halten, denn nur die Götter wissen, was dort umgeht, wenn selbst die Orks ihn meiden ... im Dûrenwald läufst du höchstens den Elfen vor den Bogen ... oder sogar Schlimmerem, so sollen dort sogar die Bäume umherwandeln ... und der Weißensee ... halte dich bloß vom Weißensee fern ... vor allem wenn der Gesang der Nymphe dich in ihren Bann zu ziehen vermag ..."
- eine Weidenhager Mutter zu ihrem Sohn, neuzeitlich
Magie ist in den Landen Weidenhags allgegenwärtig und nicht wegzudenken, auch wenn die abergläubische Bevölkerung der Baronie diesen Umstand gerne verdrängt oder übermäßig viel Angst davor hat. Vor allem der Dûrenwald und der Wargenforst im Süden, sowie der Weißensee im Norden haben eine besonders starke magische Aura. Im Dûrenwald vermuten Gelehrte besonders reine magische Quellen, im Wargenforst wird als Urheber ein Tor in eine Anderswelt vermutet. Genauso wie im Weißensee, der auch von einer Nymphe behütet werden soll. Ebenfalls als magische Orte verstanden werden die alte Burg Welkensteyn und die Düsterfurt über den Pergel. Als Mittlerinnen zwischen den Menschen und dem Land werden die Töchter Satuarias verstanden, die Elfen des Dûrenwaldes meiden die Weidenhager jedoch.
Sollte ein Spross der Baronie eine magische Begabung zeigen, wird das Kind für gewöhnlich vom Unkenbund ausgebildet - vor allem wenn es sich um ein weibliches Kind handelt. Oft verrohen die Gaben jedoch, da sich die meisten Menschen dieser Breiten nicht um derlei Dinge scheren wollen. Dass Kinder aus Angst vor Madas Gabe auch schon ausgesetzt wurden, kam vor, ist aber selten.
Doch die Menschen sind nicht die einzigen, aus deren Kreisen zauberkundige Personen hervorgehen. Die Elfen des Dûrenwaldes tragen üblicherweise alle Madas Gabe in sich, genauso wie die Schamanen der Orks und einige andere magische Wesenheiten, wie Baumdrachen, Biestinger, Nymphen oder andere Feenwesen.
VIII.II. Die Töchter Satuarias
Töchter Satuarias sind in Weiden keine Seltenheit und auch in Weidenhag finden sich einige Vertreterinnen dieser Profession. Da diese beinahe ausnahmslos dem Unkenbund (auch ´Bund-der-Heilerinnen´) angehören, stehen sie sehr hoch im Ansehen der Weidenhager. Die Frauen des mittelgroßen Zirkels, der seinen Versammlungsort nahe Mittenwalde im Dûrenwald hat, sind allesamt Töchter der Erde und deshalb sehr bewandert in der Kräuter- und Heilkunst. Egal ob etwas zwickt, eitert oder eine Niederkunft bevorsteht - die Weisen Frauen werden von den Menschen sehr gerne aufgesucht.
Auch der Baronin soll die Oberhexe des Zirkels bei ihren Niederkünften zur Seite gestanden haben. Das Vertrauen zwischen den Bewohnern der Baronie und dem Zirkel ist eng und man versteht die Töchter Satuarias auch als Mittlerinnen zwischen dem Land und den Menschen. Gerade in diesem Zusammenhang wird ihr Rat gerne gesucht und auch angenommen, was oftmals auch für den hiesigen Adel gilt, auch wenn dieser es nur in den wenigsten Fällen offen eingestehen würde.
VIII.II.I. Wichtige Persönlichkeiten
Mal verdeckt, mal offen haben die Töchter Satuarias seit Jahrhunderten nicht unerheblichen Einfluss auf das Leben und die Menschen der Baronie. Zwar sind die Hexen heute nicht mehr so einflussreich wie sie es einst einmal gewesen sei mochten, doch mag es immer noch manch Angehörige der Schwesternschaften schaffen, in den Dunstkreis der Adeligen zu gelangen und dem Land so auch einen eigenen Stempel aufzudrücken.
Traute Finsterfrau
Heilerin und Hebamme, Erste des Unkenbundes
Traute, deren Herkunft vollkommen unbekannt scheint, gilt über die Grenzen der Baronie hinaus als hervorragende Kräuterkundlerin, Heilerin und Hebamme und genießt in diesen Funktionen sogar das Vertrauen der Adeligen. Als Erste ihres Zirkels genießt sie den uneingeschränkten Respekt ihrer Schwestern und hält engen Kontakt zum mächtigen Blautannzirkel. Sie lebt in einem Haus am Rande des Dorfes Weidenhag.
Helchtruda aus Mittenwalde
Waldläuferin, Ortskundige im Dûrenwald
Kaum ein Mensch mag sich im geheimnisvollen Dûrenwald so gut zurecht finden wie die junge Traute aus dem Dorf Mittenwalde. Eben für dieses Talent ist die Hexe hoch geachtet, auch wenn das redselige Wesen der lebhaften Frau einem leicht auf die Nerven fallen mag.
VIII.III. Die Elfen
Tief verborgen im Dûrenwald lebt die Sippe Herbstlaub-im-Nebel. Die Sippe gilt als Wächter der Dûren, die wiederum als Schützer besonders reiner magischer Quellen gelten. Nur ihnen sagt man nach, dass sie es schaffen, die träumenden Bäume ruhig zu halten. Die Sippe sucht keinen Kontakt zu Menschen und reagiert auch unleidlich, sollten sich die Rosenohren zu tief in den Wald vorwagen.
Entlang der Flussläufe von Pergel, Dergel und Dornenwasser, sowie am Rand des Forstes scheinen die Elfen die Präsenz der Menschen jedoch zu akzeptieren, so finden sich hier auch genutzte Wege und das kleine Dorf Mittenwalde. Den Wargenforst scheinen die Angehörigen der Sippe jedoch zu meiden, auch wenn sie sich einst bis zum Dorf Wargentrutz vorgewagt hatten.
Im dunklen Forst in der praioswärtigen Baronie finden sich Hinterlassenschaften der hochelfischen Hochkultur, auch wenn davon nicht mehr als ein paar Ruinen dem Zahn der Zeit getrotzt haben. Darunter vermutet man auch die Hinterlassenschaften Sha´Thorms und damit ein Tor zu den Inseln im Nebel. Ob dieses Tor geöffnet ist und wo genau es liegt, ist vielleicht einer Hand voll Menschen bekannt - darunter findet sich der Junker Feyenhold von Welkenstein.
VIII.III.I. Alari-Welkende-Blüte
"Sie saß auf weißem Marmorboden. Vor ihr lag eine Katze, die sie aus schönen grünen Augen heraus musterte. Neben dem Stubentiger zeigte sich das kleine, bewegende Bildnis eines Mannes, der in dunkelblauer Prunkkleidung auf einem weißen Einhorn ritt. Eine magische Illusion, die sie sehr erfreute, die Katze daneben jedoch dazu verleitete, das Bildnis mit ihren Pfoten zu jagen … nur für einige Augenblicke, denn als das Tier merkte, dass seine Anstrengungen vergebens waren, ließ es von seinem Vorhaben ab.
Sie wurde hochgehoben. In ihrem Sichtfeld erschien das makellos schöne Gesicht einer Elfe mit güldenem Haar und tiefen blauen Augen. Nach einem liebevollen Kuss auf ihre Stirn wurde sie anscheinend an eine Schulter gelegt, die ein sternenförmiges Mal zeigte. Ihr Blick ging in den Himmel - wie es schien waren sie hoch über dem Boden, denn in der Ferne sah sie fliegende Schiffe, die erhaben durch die Luft glitten … ein Anblick, der jedoch nur sehr kurz ihre Aufmerksamkeit auf sich zog, denn dann lag eben diese auf einem großen, bunten Schmetterling …
(...)
… sie liebte die Kühle des Wassers, als sie sich wusch und ihre langen blonden Haare auskämmte. Die Finken begleiteten ihr Vorhaben mit ihrem Gesang und heute besuchte sie auch ein junges Rehkitz … neben dem braunhaarigen Mann, der sie, wie so oft, aus der Ferne beobachtete und sich wohl nicht traute, näher zu kommen. Er war hübsch für einen Menschen … sie lächelte ihm zu und winkte ihn heran …
(...)
… “Alari”, brach eine flüsternde, männliche Stimme die beschauliche Ruhe. Auch fand sie sich nicht mehr in den Armen der Elfe, sondern in einem großen Saal. Sie und der Mann in ihrem Rücken schienen alleine. Die Säulen waren hoch und verspielt, die Sonne brach sich in den turmhohen kristallenen Fenstern. “Alari, wir müssen los”, war da wieder die Stimme, doch ließ sie sich von ihrem Weg nicht abbringen. Ihr Ziel lag an der Seite des gläsernen Throns, wo angekommen sie nach einem Zepter griff …
(...)
… der Wind zerrte an ihren blonden Haaren, als sie dem Ross die Sporen gaben und durch den dichten Wald ritten. Fest klammerte sie sich an den muskulösen Körper des Mannes vor ihr, dessen kurze braunen Locken sich durch den Ritt glätteten. Hinter ihnen hörte sie die schnellen Schritte, die näher und näher kamen und in der Dauer einiger Herzschläge auch aufgeschlossen hätten, als sie das Zepter in die Höhe reckte und alles um sie herum in grellem Licht verging …
(...)
… vergnügt lachte die nackte, blonde Frau mit der blau schimmernden Haut auf, als sie den leuchtenden Stein in ihrer Hand drehte. Ein ansteckendes Lachen, denn erstmals seit längerer Zeit konnte auch sie wieder lachen. Hier fühlten sie sich in Sicherheit … auch wenn es nicht für lange ihr Zuhause sein konnte. Das Leben, welches in ihr heranwuchs, mochte hier jedoch eine Chance haben … denn in ihrem Umstand war an eine weitere Flucht nicht zu denken …
(...)
… das kleine Bündel in ihren Armen stieß abermals einen quengelnden Laut aus, als würde es ahnen, was ihm bevorstand. Der braunhaarige Mann streichelte beruhigend ihren Rücken und flüsterte ihr aufmunternde Worte zu. Doch schien es nichts zu helfen … ein nicht versiegender Schwall aus Tränen rann ihr über die ebenmäßigen Wangen … dann, nach einer gefühlten Ewigkeit, übergab sie der Waldläuferin das Bündel, blieb stehen und starrte noch lange Zeit auf den Ort im nahen Dickicht, durch welches das Bündel und ihre Begleiterin entschwanden …
(...)
… unter ihnen rauschte der Fluss, in ihrem Rücken näherten sich jene Häscher, die ihnen nun schon zwei Sommer folgten … es war zu spät … sie bekam Angst, krallte sich an den braunhaarigen Mann und schrie ihn an, mit ihr in den Fluss zu springen und ihrem Leben ein gemeinsames Ende zu setzen, da erschien ihnen ein leuchtender Paradiesvogel …
(...)
… die Welt um sie herum explodierte in leuchtenden Sternen … der Schmerz raubte ihr den Atem und den Verstand … wieder und wieder trafen sie Tritte des behaarten Fußes in ihrem Sichtfeld … die grunzenden Laute ihres Peinigers, erinnerten sie an eine Art Lachen. Wiewohl sie nicht wusste, ob ihre, durch die tagelange Folter geschundenen Sinne ihr keinen Streich spielten. Mit ihrer letzten Kraft kämpfte sie sich wieder auf ihre Beine hoch. Sie sah in die vielen Gesichter ihrer Leidensgenossen, wie sie sie mit vor Schreck und Trauer verzerrten Gesichtern musterten. Gesichter, die seit Monden zu ihr aufblickten - die sie als eine Art Hoffnungsbringerin ansahen. Dann aber fühlte sie es wieder … diese Kraft, der Mut … ihre rissigen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln und sie hob zu einer Rede an, von der noch hunderte Sommer später berichtet werden würde …
(...)
… man führte sie in den Thronsaal und sie blieb in Respektabstand vor dem Thron des Mannes mit dem wallenden weißen Bart, der weißen Toga und der weißen Kappe. Erst als er ihr zunickte, wagte sie es, sich ihm zu nähern, nur um dann vor dem Mann das Knie zu beugen. Die Augen des Alten lagen auf ihr und sie konnte es deutlich fühlen, dass er mehr in ihr sah, als alle anderen Menschen, denen sie bisher unter die Augen getreten war. Als sie ihr Haupt senkte, legte er ihr, Fayris von Welkensteyn, einen Reif auf ihr blondes Haupt …"
Kaum ein Name findet sich innerhalb der reichhaltigen Sagenwelt Weidenhags öfters als jener von Alari. Die Elfenprinzessin und Geliebte des Helden Perdan wird vielerorts als Urmutter der Weidenhager Lande angesehen. Dabei scheint sich ihre Präsenz nicht nur auf jene graue Vorzeit zu beschränken, aus der wohl auch die bekannte Sage von Perdan und Alari stammen mochte, sondern wird immer wieder auch in andere bedeutende Weidenhager Ereignisse hinein interpretiert. So werden die erste Baronin Weidenhags, Fayris von Welkensteyn oder die heilige Matissa ebenfalls als Reinkarnationen Alaris verstanden - zumindest von den wenigen kundigen (oder fantasievollen) Menschen der Baronie.
Auch in der heutigen Zeit der Weltzeitenwende scheint Alari wieder unter den Menschen zu wandeln, zumindest kursiert dieser Glaube unter den Elfen und auch innerhalb der regionalen Kirche Rahjas.
VIII.III.II. Das Haus Welkenstein
Die ehemalige Baronsfamilie gilt als direkter Nachkomme des Blutes von Perdan und Alari. Die blonden Haare und blauen Augen, welche sich in der Stammlinie bereits seit Jahrhunderten halten, sollen Alaris Erbe sein. Das Haus gilt darüber hinaus auch als Garant dafür, dass die Mächte des Wargenforsts ruhig sind. Sie gelten als Vermittler zwischen den Welten und im Beisein eines Angehörigen der Welkensteiner ist es angeblich immer ungefährlich den so verwunschenen Wargenforst zu betreten. Durch familiäre Verbindungen in der jüngeren Vergangenheit findet sich das Blut Alaris auch in der gegenwärtig herrschenden Baronslinie der Familie Gugelforst und dem Rittergeschlecht derer von Wolfenthann.
VIII.III.III. Die luchsköpfige Göttin
Anders als die heutigen Elfen verehrten deren Vorfahren, die Hochelfen, die Götter Nurti, Pyr, Orima und Zerzal. Nurti als Göttin des Lebens, Pyr als Herrn über die Elemente, Orima als Schicksalsgöttin und Zerzal als Göttin des Krieges und des Todes. Relikte der Verehrung der hochelfischen Götter können immer noch im und um den Wargenforst gefunden werden, auch wenn sie in den allermeisten Fällen bereits zur Unkenntlichkeit verwittert sein mögen. Die alte Baronsburg Welkensteyn mag hierbei eine Ausnahme darstellen. Hier findet sich ein intakter Schrein der längst vergessenen luchsköpfigen Zerzal und in den Anfangszeiten des Bestehens der ehemaligen Baronsfamilie Welkenstein wurde ihnen immer wieder Ketzerei und Verehrung Zerzals vorgeworfen. Heute wird die luchköpfige Kriegerin im Schrein der ehemaligen Baronsburg als ein Bildnis Rondras verehrt.
Auch ihrem Gefolge bestehend aus Lynciden mag bei unvorsichtigem Betreten der alten Ruinen im Wargenforst begegnen, auch wenn dies in den allermeisten Fällen bedeutet, dass die etwa zwei Schritt großen, weißen Luchse mit ihren bernsteinfarbenen Augen das Letzte sind, dem man auf dem Derenrund ansichtig wird.
VIII.IV. Besondere Artefakte
Der Baronsreif Weidenhags ist ein schmuckloser Stirnreif aus Silber, der mit Eisflockenquarzen besetzt ist. Der Sage nach handelt es sich bei den Steinen um Tränen Ifirns, die sie einst am Hain der Weißen Maid, in Trauer um das Verschwinden ihrer Tochter Lidari, vergossen hatte. Man sagt dem Reif nach sowohl die Sinne als auch die Empathie seines Trägers zu schärfen.