II. Land und Leute

 

"Liebste Schwester, 

in ein fernes Land führt mich meine Pflicht und es ist so ganz anders, als unsere Heimat am Lago Likano und natürlich auch in Elenvina. Die Menschen hier sind schweigsam und ernst, die Häuser meist einfach und aus Holz, doch mit allerlei liebevollen Schnitzereien verziert. Und dennoch strahlt hier alles eine raue Romantik und Schönheit aus. 

Am gestrigen Tage haben seine Hoheit und seine Gemahlin ein kleines Heiligtum der Ewigschönen besucht. Es gibt hier heilige Rosen, die wahre Liebe anzeigen sollen. Mir war es zwar nicht vergönnt eine dieser Pflanzen zu erstehen, doch habe ich von einem Handwerker ein kleines Geschenk für dich erworben.

Ich kann es kaum erwarten, dich auf Eilenwïd wieder zum Tee zu treffen und dir alles zu erzählen.

Deine Sina"
- Brief der Hofdame Sina Artigas, im Gefolge der Herzogengemahlin Concabella von Ehrenstein-Streitzig, bei einem Besuch in Weiden, 1043 BF

“Wovon die Menschen hier wohl leben? In der ganzen Gegend hier findet sich nicht eine Flasche Wein! Das musst du dir einmal vorstellen! Und auch sonst … Schafswurst, Schafskäse, Schafs…aargh! Es ist nicht auszuhalten!”
- gehört im Tross des Herzog der Nordmarken, anlässlich eines Besuchs 1043 BF


Die Menschen Weidenhags zeichnen sich durch Göttervertrauen, Sturheit und Aberglauben aus. Auf den Inhalt von Büchern, oder das Wort nicht geweihter Gelehrter gibt man nicht viel. Wie denn auch, kaum jemand außerhalb des Adels- oder des Geweihtenstandes kann hier lesen und selten einmal verirrt sich eine gelehrte Dame oder ein gelehrter Herrin diese Breiten. Bräuche, Sitten und Traditionen, die schon über Jahrhunderte bestehen und den Menschen Sicherheit und Halt geben, werden hoch gehalten. Bereitschaft von eben jenen Vorgehensweisen abzurücken, die mündlich von einer Generation an die nächste überliefert wurden, besteht nicht. Vielmehr legt man bei diesem Thema in Weidenhag eine Sturheit an den Tag, die manch Angehörigen des Zwergenvolkes zur Ehre gereichen würde.
Größere Ansiedlungen findet man in Weidenhag nicht. Die Siedlungen sind allesamt von wehrhaften Holzpalisaden umgeben und die hochgiebeligen Häuser entweder gänzlich in Holz, oder mit Lehm ausgefachten Fachwerk gehalten. Bei den wenigen Steingebäude der Baronie handelt es sich ausnahmslos um Tempelgebäude oder Herrschaftssitze des hiesigen Adels. 
Dennoch sind nicht wenige der einfachen Behausungen liebevoll mit Schnitzereien und Holzfiguren verziert. Beinahe jedes Haus beherbergt dabei eine Holzfigur, die im Zwölfgötter-Winkel, meist in der Nähe des Esstisches, aufbewahrt wird. Je nachdem welche Gottheit in der Figur verewigt wurde, stellt diese die Schutzmacht des jeweiligen Eigenheims dar: besonders häufig finden sich dabei Darstellungen der regionalen Heiligen Matissa, dem heiligen Perdan oder der heiligen Perainme. Aber auch Darstellungen der Travia, Rondra, Ifirn oder Peraine sehr beliebt.
Grob lassen sich die Weidenhager Lande in drei verschiedene Gebiete einteilen, die sich sowohl derographisch als auch vom dort lebenden Menschenschlag unterscheiden. Von Firun gen Praios wären dies:

- die Ulmenau,
- die zentralen Wargenkuppen und
- der bewaldete Süden.


II.I. Die Ulmenau

Lage: Nördliches Weidenhag, praioswärts des Weißensees und firunwärts des Pergelbaches bis zu den Wargenkuppen
Bevölkerung ca. 300 Menschen
Wichtige Siedlungen: Meisen (140 Einwohner), Weidenwald (70), Weiler Ifirnshau (30)
Besonderheiten Der mystische Weißensee, der düstere Hohenforst und der liebliche, wildreiche Weidenwald, einige verlassene und verfallene Höfe aus dem letzten Orkensturm, Geistererscheinungen
Handelsgüter: Holz (Hohenforst), Leder und Lederwaren, Fische, Schafsfleisch, Wolle
Verkehrswege: Hagweg, Karrenpfad vom Weidenhag nach Meisen, Sankt-Perdans-Weg von Bingenbrück in Ksl. Blaubinge kommend über Weidenwald nach Weidenhag


Der firunwärtige Teil der Baronie Weidenhag ist dünn besiedelt, was immer noch darauf zurückzuführen ist, dass dieses Gebiet besonders unter den einfallenden Orkhorden im dritten Orkensturm litt. 
Viele Höfe wurden entvölkert, nicht wieder aufgebaut und werden jetzt von der Natur wieder zurückgeholt. Auch mag man hier in klaren Nächten, da das Madamal im Rad steht, manches Klagelied der ehemaligen Bewohner eben dieser Ansiedlungen über das Land klingen hören. Bisher war es den Geweihten noch nicht gelungen, eben jene geplagten Seelen einer Erlösung zuzuführen.
Nächtliche Klänge der anderen Art mag man nahe dem Ufer des Weißensees vernehmen können, wenn die dort lebende Nymphe ihr Umfeld mit lieblichem Gesang betört. Der Alptraum Weidenhager Mütter, die hierbei zurecht um ihre Söhne fürchten. Nicht selten mögen junge Männer um den See verschwinden. In den wildreichen Wäldern Hohenforst und Weidenwald hingegen erschallen zuvorderst die Jagdhörner der hiesigen Adeligen. Letzterer gilt dabei als bevorzugtes Jagdgebiet des Baronshauses, das sie auch für repräsentative Jagdausflüge mit Gästen nutzen.
Zu den hiesigen Bewohnern mag man nur sehr schwer Zugang finden, was auch an der schweren jüngeren Vergangenheit liegen mag.


II.I.I. Ifirnshau - typischer Wehrsassenhof in Weidenhag
Einwohner: 30 Menschen
Herrschaft: Wehrsasse Travin Pergelbacher
Tempel: Keiner, kleiner Altar der Ifirn
Handel und Handwerk: Keine, die Siedlung lebt von Selbstversorgung und durch großes Improvisationstalent seiner Bewohner
Besonderheiten: Hohenforst 
Stimmung im Dorf: Vorsichtig, abweisend


In den Weidenhager Landen, firunwärts des Dergels, findet sich eine erkleckliche Anzahl von kleinen Weilern. Diese Siedlungen bestehen meist aus einigen wenigen Häusern und Höfen und sind stets von einer wehrhaften Palisade aus Holz umgeben. Nicht immer stehen diese Ansiedlungen unter dem Schutz und der direkten Frohnpflicht eines Adeligen - nicht wenige dieser Weiler werden von wehrfähigen Freisassen bewohnt, die jedoch einen beträchtlichen Teil ihres Einkommens an die barönliche Kasse abführen müssen. Diese Männer und Frauen sind zum größten Teil normale Bauern und nebenher eher schlecht als recht an einer bestimmten, auch alltagstauglichen Waffe ausgebildet. Eben dieser Dienst an der Waffe für die Baronie schenkt unfreien Bauern auch die Freiheit. Eine Ausnahme hierbei bilden die Weiler Travienswacht, Weidenstein und Zirkenstadingen, die ob ihrer wichtigen Lage mit Rittern besetzt sind.
So auch der Weiler Ifirnshau am Rande des Hohenforsts, der sich auf den Landen des Junkerguts Biberwald findet. Der Freisasse Travin Pergelbacher trägt hier für gut und gerne 30 Seelen die Verantwortung. Die Zucht von Kleinvieh und der Anbau von Gemüse in den jeweiligen Gärten sichert den Menschen hier ein anständiges Auskommen. Die erhöht gelegene Halle des Freisassen, oder auch Wehrsassen genannt, bildet sowohl das größte Gebäude, als auch den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Siedlung. Am Fuße der Halle des Wehrsassen finden sich die hölzernen Katen und Ställe der ansässigen Bauern und Viehzüchter. Umgeben wird die Siedlung von einer wehrhaften Palisade.


II.II. Die Wargenkuppen

Lage: Entlang der gleichnamigen Hügellandschaft, vor allem zwischen und um die beiden Wasserläufe Pergel und Dergel
Bevölkerung ca. 900 Menschen
Wichtige Siedlungen: Weidenhag (300 Einwohner), Pergelfurt (180), Zirkenstadingen (50), einige Weiler und Wehrsassenhöfe
Besonderheiten Eines der wenigen fruchtbaren Gebiete der Heldentrutz, vor allem in den Schwemmgebieten des Dergels und Pergels, auch hier immer noch einige Ruinen von einstigen Wehrhöfen und Weilern
Handelsgüter: Viehzucht, Feldfrüchte, Schafsfleisch, Wolle, Handwerk
Verkehrswege: Hagweg, Sankt-Perdans-Weg als Pilgerpfad von Pergelfurt nach Wargentrutz


Das Gebiet erstreckt sich auf die gleichnamige Hügelkette und deren Umland - dabei vor allem zwischen den beiden Flussläufen Pergel und Dergel. Eben diese Lande gelten, neben dem Umland Nordhags und Teilen der Dergelauen, als fruchtbarster Landstrich der Grafschaft Heldentrutz. Hier mögen sich einige der für Weidenhag so typischen Wehrsassenhöfe und kleine Weiler finden, die durch die Zucht von Vieh und dem Anbau von widerstandsfähigen Feldfrüchten ein anständiges Auskommen und etwas Überschuss erwirtschaften können.
Auch die Wargenkuppen blieben beim dritten Orkensturm nicht ganz unverschont, weshalb einige Höfe sich das Schicksal mit jenen ihrer firunswärtigen Nachbarn aus der Ulmenau teilen. Dennoch schien die Motivation zum Wiederaufbau in diesen Breiten eine höhere gewesen zu sein.
Die Lande gelten als von der Herrin Peraine gesegnet, was dazu führt, dass die Angehörigen des Klosters Sankta Perainme einen hohen Stand genießen. Um die Wasserläufe selbst, die hier mehr denn je Lebensadern darstellen, bringen die Menschen Heiligen und/oder Flussnymphen Opfer dar, um sie sich gewogen zu halten, was dann wiederrum dabei helfen soll die nächstjährige Ernte sicherzustellen.
Wiewohl die Felder und Weiden als die ertragreichsten Lande in und um die Baronie gelten, gibt es nichts im Überfluss. Gastfreundschaft ist hier höchstes Gut und gerne wird an den Feuern und an den Herden vom reichhaltigen Sagenschatz der Gegend erzählt. Eindrücke, die Durchreisenden ein positives, offenes Bild vermitteln, welches dann (manchmal zu unrecht) auf die ganze Baronie bezogen wird.


II.II.I. Dorf Weidenhag - militärisches, politisches und spirituelles Herz der Baronie

"Das Herz der gleichnamigen Baronie. Der Ort hat sich gemacht, seit die Gugelforster ihn zu ihrem Baronsitz erhoben haben."
- Traute Finsterfrau, Kräuterfrau

Einwohner: 300 Menschen
Herrschaft: Schulze Travian Nordhager für Baronin Gwidûhenna von Gugelforst
Tempel: Travia (Hag des göttlichen Herdfeuers), Schreine der Rondra und der Peraine
Handel und Handwerk: Gerber/Kürschner, Schmied, Wagner, Webstube
Besonderheiten: Baronsitz Hag, Quelle des Weidenbaches, Hagweg
Stimmung im Dorf: Aufgeschlossen, gastfreundlich und geschäftstüchtig

 


Weidenhag ist die bei weitem größte Ansiedlung der gleichnamigen Baronie. Bereits 483 BF gegründet, wurden von den ersten Baronen hier Ritter eingesetzt, die es zur Aufgabe hatten, den Hagweg im damals noch unerschlossenen Gebiet zu schützen. Über die Jahre siedelte man Familien um das trutzige Rittergut ´Hag´ an, sodass langsam ein Dorf heran wuchs. 945 BF wurde das Dorf Hag von Baron Wulfhart von Gugelforst zum Hauptort der Baronie Weidenhag erhoben, dessen Namen es von diesem Moment an auch trug. Die Siedlung liegt malerisch gelegen auf einem Hügel der Wargenkuppen und direkt am wichtigen Hagweg gelegen. Vom Dorf aus hat man einen guten Überblick über die firunswärtige Baronie, bis nach Waldleuen.
Den Mittelpunkt des Dorfes bildet der Baronsitz Hag. Die Barone residieren hier nicht in einer Burg, sondern im stets erweiterten und ausgebauten ehemaligen Rittergut Hag. Die Anlage ist von einer altertümlichen Bruchsteinmauer umgeben und gilt als militärisches, politisches und spirituelles Herz der Baronie, befindet sich doch auch der Traviatempel innerhalb der geräumigen Anlage. 
Vor dem Gut Hag erstreckt sich der Dorfplatz. Am und um den Platz selbst leben die Handwerker des Dorfes und damit auch die besser situierten Bewohner der Baronie. Dieser Umstand zeigt sich auch besonders deutlich in der Architektur der Häuser, die hier vor allem im Fachwerkstil errichtet wurden. Auch der Schrein der Kriegsgöttin Rondra, der vom Tempel der Leuin zu Dûrenbrück mitbetreut wird, befindet sich hier.
Besonders geschäftig ist das Treiben ebenfalls in der barönlichen Webstube und der Stellmacherei, in welcher reisende Händler ihre Gefährte ausbessern lassen können. Auch die Schmiede Bunsenplauter ist in der gesamten Baronie bekannt und wird ebenso von Pferdebesitzern aufgesucht, die Hufe neu beschlagen lassen möchten, aber auch hiesige Ritter mögen sich hier einfinden um nach einem neuen Schwert suchen.
Unterhalb dieses ´oberen Viertels´, aber noch innerhalb der schützenden Palisade befinden sich die Höfe der Viehzüchter und Bauern, die allesamt unfrei und der Baronin gegenüber zum Frondienst verpflichtet sind. Der Schrein der gebenden Peraine, wo sich stets ein Mitglied des Klosters Sankta Perainme findet, erfreut sich deshalb auch großen Zulaufs. In dessen Schatten befindet sich auch der örtliche Boronsanger. Ein Ort, der nach einem Besuch der Hütte der Heilerin und Hebamme Traute hoffentlich vermieden werden kann.


Der Baronssitz Hag

Im Herzen des Hauptortes der Baronie liegt das alte Rittergut Hag, welches von den Gugelforster Baronen 945 BF der Burg Welkensteyn als Baronssitz vorgezogen wurde. Seitdem wurde das Gut ausgebaut und den Annehmlichkeiten einer Baronsfamilie angepasst. 
Von einer wehrhaften Mauer umgeben verfügt der Baronssitz Weidenhags über ein geräumiges, mehrstöckiges Gutshaus, das neben der Räumlichkeiten der Baronin und ihrer Familie in der großen Halle auch ein Gasthaus beheimatet, weshalb sich stets auch viel einfaches Volk am Baronssitz aufhält. Dies zeigt die enge Verbundenheit der Baronsfamilie zum einfachen Volk und der Kirche der Travia. Auch ein Tempel der gebenden Göttin mit dazugehörender Herberge (Q:6/P:2/S:14; der einzigen im Dorf) lässt sich, genauso wie der Wehrturm, linkerhand des Gutshauses finden. Rechts vom Gutshaus findet sich das eherne Zentrum der Baronie. Neben den Stallungen finden sich hier die Wohnungen der Dienstritter und ihrer Familien, sowie die Bleiben der Waffenknechte und des Gesindes. Im Zentrum des Guts liegt ein kleiner Garten mit dem Herzbaum, einer kapitalen Saalweide.
Wiewohl alles einen etwas unaufgeregten, biederen und unscheinbaren Anstrich hat, ist das Leben am Baronssitz selten einmal langweilig. Hier herrscht ein stetes Kommen und Gehen und durch den Hag des göttlichen Herdfeuers finden sich hier immer auch eine Zahl einfacher Menschen der Baronie oder Reisende am Hagweg. Travianische Gebote wie Sittsamkeit, Gastfreundschaft und Bescheidenheit werden hier seit jeher ebenfalls hochgehalten, wiewohl seitdem die weltoffene Baronin Gwidûhenna hier residiert auch die lebensfrohe Rahja einzug gehalten hat - so mag es nicht selten vorkommen, dass auch Barden und Künstler am Hag weilen.

 

II.III. Der bewaldete Süden

Lage: Die praioswärtige Baronie Weidenhag um die beiden Wälder Wargenforst und Dûrenwald
Bevölkerung ca. 700 Menschen, Elfen der Herbstlaub-im-Nebel-Sippe
Wichtige Siedlungen: Südhag (180 Einwohner), Wargentrutz (150), Dûrenbrück (150), Mittenwalde (80), Weiler Freiwalde, Neidecke
Besonderheiten Die beiden sagenhaften Wälder Dûrenwald und Wargenforst mit einer Vielzahl magischer und mystischer Orte, Stammlande des Hauses Welkenstein und der Elfen der Herbstlaub-im-Nebel Sippe
Handelsgüter: Holz, Holzhandwerk, Fisch, Leder und Lederhandwerk, Kleinviehzucht
Verkehrswege: Hagweg, DornstiegSankt-Perdans-Weg als Pilgerpfad von Pergelfurt nach Wargentrutz


Schier unerschöpflich scheint der Schatz an Heiligen- und Heldengeschichten aus diesen Breiten zu sein. Ob die Sage von Perdan und Alari, der Heiligen Matissa oder jene von Yann dem Waydmann, glaubt man dem Sammelsurium an Sagen und Legenden, so hat der Süden Weidenhags eine sehr bewegte Geschichte hinter sich.
Die Lande der praioswärtigen Baronie gelten als Stammlande der Familie Welkenstein und auch als von den Elfen der Herbstlaub-im-Nebel Sippe bewohnt. Dass die Fey, wie die Elfen in diesen Breiten meist genannt werden, niemals den Kontakt zu den Menschen zu suchen scheinen, führt die simplen Gemüter zu allerhand wilden Spekulationen. Annahmen, die auch rund um den mystischen Wargenforst kursieren - und dies in einer Zahl, die es unmöglich macht, sie hier auch nur annähernd aufzählen zu können. 
Dass der Wald von einer großen, schwarzen Wolfskreatur behütet wird oder die Stammburg der Familie Welkenstein einst aus dem Fels gewachsen ist, auf dem sie thront, seien in diesem Zusammenhang nur zwei der unzähligen Beispiele.
Für die Gegend Weidens untypisch, versteht man die Gegend auch als von der ewigschönen Göttin Rahja berührt. Mit dem Rosenhügel in Wargentrutz soll sich am Rande des Wargenforsts ein heiliger Ort der Göttin finden, auf dem Rahja einst selbst gewandelt sein soll und der Nachhall ihrer Präsenz dort mag auch der Grund dafür sein, warum sich die Menschen im praioswärtigen Weidenhag oftmals auch schöngeistig und weltoffen geben. Letzteres könnte natürlich auch mit den beiden wichtigen Handelswegen einher gehen, die diese Lande kreuzen.


II.III.I. Dorf Mittenwalde - unter den Schwingen der Weißen Maid
Einwohner: 80 Menschen
Herrschaft: Dienstritter Rondred von Foldenau für Baronin Gwidûhenna von Gugelforst
Tempel: Schrein der Ifirn
Handel und Handwerk: Köhler, Schmied, Gerber/Kürschner
Besonderheiten: Dornstieg, Zusammenfluss von Pergel und Dergel, Brücke über den Pergelbach, Ifirnheilige Waldlichtung (Hain der Weißen Maid), "Hexentanzplatz" des Unkenbundes nahe dem Dorf
Stimmung im Dorf: Vorsichtig, aber fremde Menschen gewöhnt


Mittenwalde ist mit 80 Einwohnern das kleinste Dorf Weidenhags und liegt am Zusammenfluss von Pergelbach und dem Dergel direkt am Dornstieg und mitten im Dûrenwald. Die Siedlung selbst ist eigentlich nicht mehr als eine Ansiedlung von einigen Jägers- und Handwerkerfamilien rund um die Wegschenke "lauerndes Spitzohr" (1) (Q:4, P:2, S:10), die hier in einfachen, hölzernen Behausungen inmitten des Waldes ein vernünftiges Auskommen finden. Etwas außerhalb der Siedlung befindet sich eine der Ifirn heilige Waldlichtung. Man erzählt sich, dass hier in besonders harten Wintern immer jagdbares Wild zu finden ist. Trotzdem sieht man hier das ganze Jahr über des Öfteren Jagdwild, von dem jedoch niemand auf die Idee käme dieses an diesem „heilige Ort“ ohne Not zu schießen.
Am Weg dorthin wurde vor einigen Götterläufen ein schöner Schrein der Ifirn (2) eingeweiht, an dem viele Gläubige Opfer darbringen. Das Heiligtum selbst wird von der Geweihten Alwen betreut, aber von Pilgern und Ortsansässigen außerhalb von Stunden der Not nicht betreten. Etwas außerhalb des Dorfes findet sich am Ufer des Pergels eine Köhlersiedlung (3), ebenfalls unweit der Siedlung liegt die Holzbrücke (4), die es den Reisenden am Dornstieg ermöglicht den Pergel zu überqueren.
Innerhalb des Dorfes gibt es eine Handvoll Personen, die dem Reisenden Dienste als Ortskundige und Begleiter durch den Dûrenwald anbieten, kursiert unter den Einheimischen doch die Meinung, dass sowohl die Elfen der Herbstlaub-im-Nebel“-Sippe als auch die Hüterbäume des Waldes (die sogenannten Dûren) keine „fremden Eindringlinge“ auf  „ihrer Seite des Waldes“ dulden. Als Mittler zwischen den Mächten des Waldes treten auch die Schwestern des Unkenbundes auf - ein kleiner Zirkel von Töchtern der Erde, die auf einer Lichtung nahe des Dorfes ihre Versammlungen abhalten und den Menschen des Waldes mit Rat und Tat zur Seite stehen.


II.IV. Das Leben im Jahreslauf

1. Praios: Praioswend (Praios): Beginn des Zwölfgötterjahres, Unkenspruch.
Ende Praios - Ende Rondra: Erntezeit für Hafer, Roggen und Obst.
15. - 16. Rondra: Schwertfest (Rondra): rituelle Opfer von Tieren, Waffenspiele, Schwertleiten und Beginn von Knappschaften.
1. Efferd: Flussweihe (Efferd): kleinere Opfergaben an den Flussläufen, um sich den launischen Efferd und die Flussgeister gewogen zu halten.
Efferd: Einbringen der Winterfrucht, Fälligkeit des Erntezehnts.
Anfang Travia: Erntezeit für Kartoffeln und Rüben.
1. - 3. Travia: Erntefest (Travia, Peraine): Dank den Göttinnen für die Ernte.
12. Travia: Tag der Treue (Travia): Traviabünde, Schwüre unter Freunden.
Zweite Hälfte Travia: Fälligkeit des Gänsezehnts (Tempelzehnt), Ausbringen der Wintersaat.
Ende Travia - Anfang Boron: bei der Eichelmast werden die Schweine durch die Wälder getrieben, damit sie sich Speck anfressen.
Boron: Blutmond - Schlachtung der Tiere, in der zweiten Hälfte des Mondes ist der Fleischzehnt fällig.
Ende Boron - Anfang Hesinde: vor dem ersten Schnee wird Holz geschlagen.
1. Firun: Tag der Jagd (Firun): Feiertag zu Ehren des Alten vom Berg.
29. Firun: Fest des Aldifreid (Rahja): an den warmen Herdfeuern erfreut die Kunst von Barden und Bänkelsängern.
30. Firun: Tag der Weißen Maid (Ifirn): Rituelles Vertreiben des Winters.
Phex: Neues Leben in den Ställen der Viehzüchter.
Anfang Peraine: Schleppvieh (Peraine): Bauern tragen zum Aussaatfest ihr Vieh auf die Weide.
Peraine: Aussaat der Sommerfrucht (Hafer, Roggen).
21. Peraine: Tag der jungen Luchsin (Rondra): in Weidenhag wird der Heiligen Matissa gedacht, Verbrennung von Stroh-Orks
Ingerimm: Fälligkeit des Lämmer- und Ferkelzehnts.
1. - 5. Rahja: Fest der Freuden (Rahja): wird in Weiden nicht ausschweifend begangen. Der zweite Tag wird als jener Sankt Perdans verstanden.
30. Rahja: Reinigungsfest: vor den namenlosen Tagen werden rituelle Feuer entzündet, um das Böse aus den Dörfern zu vertreiben.

 

II.V. Speis und Trank

1. Schwarze Hasenblutsuppe
2. Gestampftes Kartoffelpüree mit Milch
3. Braten vom Hausschwein
4. Kleine Piroggen mit Kümmelkohl
5. Flussfischsuppe
6. Stücke von Schafskäse und Schweinswurst
7. Braten vom Rothirsch
8. Kartoffelpfannkuchen

- Speisefolge bei den Feierlichkeiten anlässlich des Traviabundes von Baronin Gwidûhenna und Gorfried von Sturmfels am Gut Hag, 1034 BF

Auch wenn die Tische in Weidenhag besser gedeckt sein mögen als in anderen Baronien der Heldentrutz, ist den Bewohnern der südlichsten Baronie der Grafschaft permanentes Sättigungsgefühl dennoch fremd. Hier gibt es nur sehr wenige Dinge im Überfluss und auf jene Nahrungsquellen, die es in den Wäldern zuhauf geben mag, hat der örtliche Adel fest in seinen Händen. Der einfache Weidenhager speist demnach größtenteils von dem, was seine Felder, Weiden und Wasserläufe hergeben, weshalb man vor allem Würste, Schafskäse, Hirsebrot und –Eintopf kredenzt bekommt. Der zum größten Teil jagdbegeisterte Adel ergänzt diese Kost gerne mit Wildbret aus den großen, wildreichen Wäldern der Baronie.

 

II.VI. Handwerk

Auch wenn die Werkstücke, bis auf ein paar Ausnahmen, außerhalb der Baronie nur selten zu finden sind, wird das Handwerk innerhalb Weidenhags sehr geschätzt. So versteht man es hier überaus gut, jene Rohstoffe, mit denen die Götter die Baronie gesegnet haben, zu alltagstauglichen Gegenständen zu verarbeiten. Dabei zeichnet sich der Weidenhager auch durch ein sehr großes Improvisationstalent aus, denn besondere Waren sind in diesen Breiten selten und auch unerschwinglich teuer. Der Hang zum Handwerk beginnt schon im jüngsten Alter, so flechten Kinder alljährlich Strohpuppen zu Ehren der Heiligen Matissa.
Als Handwerke besonders geachtet ist die Bearbeitung von Holz, die Werke der Schmiede, Gerber und Kürschner, sowie auch die Weber. 
Auch am Kunsthandwerk erfreut man sich in der Baronie Weidenhag, was in dieser Gegend doch bemerkenswert anmutet. Es verwundert dabei kaum, dass auch hierbei Holz das bevorzugte Material darstellt. Es ist Kunst, die sich in jedem Heim finden mag; gerne werden Türstöcke mit Schnitzereien verziert und auch im Götterwinkel der Häuser und Hütten der Menschen Weidenhags finden sich oft wahre Schmuckstücke der Schnitzkunst.

 

II.VII. Sport und Spiel

Besonders beliebt sind innerhalb der Baronie Waffenspiele, an welchen sich stets auch das einfache Volk beteiligt. Wiewohl es Leibeigene normalerweise nicht dazu berechtigt sind Waffen zu tragen, beteiligen sie sich dennoch am Axtwerfen und Bogenschieß- oder Stockkampfbewerben, die gerne ausgetragen werden. Vor allem junge Burschen und Maiden sehen diese Ereignisse als ein Zeichen sich zu beweisen. Bereits Kinder spielen gerne ´Hau den Ork´, wo sich zwei Gruppen Halbwüchsiger gegenseitig mit Stöcken prügeln und daraus nicht selten Blessuren oder gar ernsthafte Verwundungen hervortragen. 
Auch beim Ringen und Faustkampf geht es oft sehr hart und brutal zu. Das Spiel wird in der rauhen Heldentrutz gerne auch als Vorbereitung der Jungen auf das Leben und den Kampf gegen die Unbilden des Landes gesehen und soll vor allem auch das Gemeinschaftsgefühl stärken.
Etwas ruhigere Töne schlagen die Weidenhager beim Tanzen an. Gerne gibt man sich allerhand Gruppentänzen hin, wobei vor allem der Kettentanz, die Schlachtreihe und der Traviareigen gerne getanzt werden.

 

II.VIII. Aus dem Sagenschatz

Schier unerschöpflich scheint jener Schatz an Sagen und Legenden zu sein, die sich die Weidenhager an den Herdfeuern erzählen. Dabei ist es erwähnenswert, dass jene Geschichten, die man sich in der Baronie erzählt, für die Heldentrutz ungewöhnlich positiv erscheinen. Besonders beliebt sind hierbei Weisen über die vielen Tagesheiligen dieser Breiten, deren Handeln in bestimmten Situationen oft auch als eine Art Vorgabe und Anleitung zum Leben dienen, die in hohen Ehren gehalten und von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Beispiele aus dem Sagenschatz der Baronie:
- Perdan und Alari
- Yann, der Waydmann

 

II.IX. Kunst und Musik

Nach all der harten Arbeit auf den Feldern, in den Ställen oder dem Wald, genießen es die Weidenhager nach getanenem Tagwerk oder an Feiertagen gemütlich zusammen zu kommen. Bei solchen Treffen zeigt sich das schier unerschöpfliche Sagen- und Liedgut der Lande der praioswärtigen Heldentrutz, das stets mündlich von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.
Einen demnach hohen Stellenwert hat hier die Bardenkunst - sei es Lautenspiel und Gesang oder die Dichtkunst. Eine Begeisterung, die auch vor Ritterinnen und Rittern in einigen Fällen nicht halt macht. Der Minne erfreute sich in Weidenhag stets überraschend hoher Beliebtheit, versteht man hier auch Perdan, den Schutzheiligen der Baronie, als Vater der Minne.